Agnès Varda zu Gast im Deutschen Filmmuseum

Filmgespräch mit Christa Blümlinger

Am 11. Februar 2016 erhielt Agnès Varda den Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt als eine der herausragenden Künstlerpersönlichkeiten der Filmgeschichte. Bei der Lecture & Film-Reihe stellte sie sich im Kino des Deutschen Filmmuseums dem Gespräch mit dem Publikum.

Seit sechs Jahrzehnten macht Agnès Varda Filme – und wurde (als erste Frau!) beim Filmfestival in Cannes im vergangenen Jahr mit der Goldenen Palme für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Sie gilt als (Groß-)Mutter der Nouvelle Vague. Als ihr größter Erfolg jener Zeit gilt CLÉO DE 5 À 7 aus dem Jahr 1962. Die 1928 in Brüssel geborene und in Paris lebende Varda dreht Spiel- und Dokumentarfilme, erweckt Fotografien zum Leben und porträtiert: sich selbst, Katzen in allen Vari – ationen, ihre Familie und andere – die insgeheim dann auch wieder Varda porträtieren. In ihren Spielfilmen entdeckte sie und arbeitete mit Schauspielstars wie Philippe Noiret, Michel Piccoli und Jane Birkin. Die Filmgeschichte kennt und zitiert Varda leidenschaftlich, ganz besonders in ihrem Klassiker LES CENT ET UNE NUITS DE SIMON CINÉMA (GB/FR 1995), den sie anlässlich des 100. Geburtstags des Kinos inszenierte und auf der Berlinale 1995 uraufführte.

LECTURE & FILM: AGNÈS VARDA // Vortrag von Dominique Bluher

Auch wenn Agnès Varda als Photographin begann, bald darauf Filmemacherin wurde und nun als bildende Künstlerin arbeitet, durchziehen die drei unterschiedlichen künstlerischen Medien ihr Werk von Anfang an als Stoff, Material und Sujet. Dieser Beitrag wird anhand von exemplarischen Filme wie Salut les Cubains (1963) und Ulysse (1982), sowie einigen von den neueren Videoinstallationen wie La terrasse Le Corbusier (1956) / Les gens de la terrasse (2007) und Marie dans le vent (2014) Vardas Vorgehensweise vorstellen und näher erläutern.

Über die Referentin
Dominique Bluher ist Lecturer und Director of M.A. Studies im Department of Cinema and Media Studies der University of Chicago. Sie ist die Kuratorin von zwei Ausstellungen von Agnès Vardas künstlerischen Arbeiten, der Video-Installation Les Veuves de Noirmoutier (2004) in Sert Gallery, Carpenter Center for the Visual Arts, Harvard University, Cambridge, MA. (March-April 2009), und der monographischen Ausstellung “Agnès Varda. Photographs Get Moving (potatoes and shells, too),“ Logan Center Gallery, University of Chicago, IL. (September-November 2015)

Kurzfilmprogramm „Fotografie“ von Agnès Varda
SALUT LES CUBAINS
Frankreich/Kuba 1963. R: Agnès Varda
Dokumentarfilm. 30 Min. DCP. OmeU
„Ich finde, das Porträt, das ich von Castro gezeichnet habe, ist eine gute Allegorie: ein Soldat mit sanften Augen, unbewaffnet, aber mit Flügeln aus Stein.“ (Agnès Varda)

ULYSSE
Frankreich 1982. R: Agnès Varda
Dokumentarfilm. 22 Min. DCP. OmeU
„Jedes Foto ist für mich wie ein Film, der innehält. Es zu bereden, zu kommentieren, zu erzählen, was vor, nach und rund um das Foto geschah, bedeutet, ihm die Bewegung des Films einzuverleiben.“ (Agnès Varda) ULYSSE gewann 1984 den César als Bester Kurzfilm.

UNE MINUTE POUR UNE IMAGE
Frankreich 1982. R: Agnès Varda
Dokumentarfilm. 2 Min. Digital. OmeU

LA TERRASSE LE CORBUSIER
Frankreich 1956
Fotografie von Agnès Varda

LES GENS DE LA TERRASSE
Frankreich 2007. R: Agnès Varda
Dokumentarfilm. 3 Min. Digital. OmeU

MARIE DANS LE VENT
Frankreich 2014. Fotografisches Triptychon von Agnès Varda

18. Januar 2016 im Kino des Deutschen Filmmuseums

Beitrag kommentrieren