Archäologen entdecken in Kalkriese mehr als 200 Silbermünzen

Der Hortfund mit über 200 Silberdenaren. © Varusschlacht im Osnabrücker Land, Foto: Swaantje Hehmann

(Presseinformation) Bei Prospektionen hat das Archäologie-Team einen herausragenden Hortfund entdeckt. Bisher hat der Boden mehr als 200 Silbermünzen freigegeben. Damit handelt es sich bislang um den größten Hortfund, der auf dem antiken Schlachtfeld in Kalkriese gefunden wurde. Danach schließt sich der Silberschatz von Tony Clunn 1987 mit 170 Münzen – zusammen mit den drei Schleuderbleien der Initialfund für weitere Grabungen – an.

Kal-03/04: Bei archäologischen Ausgrabungen sichern die Kalkrieser Archäologen Funde und Befunde. © Varusschlacht im Osnabrücker Land, Foto: Swaantje Hehmann

Bei den Münzen handelt es sich um Denare der späten Republik und der früh- und mittelaugusteischen Zeit. Die neu gefundenen Münzen lagen konzentriert in einem Umfeld, so dass man davon ausgehen kann, dass sie gemeinsam in den Boden gelangten. „Nach dem Fund der Goldmünzen im vergangenen Jahr zeigt sich einmal mehr die Bedeutung des Ortes. Hier hat ohne Zweifel ein großes Ereignis stattgefunden“, freut sich Dr. Joseph Rottmann, Geschäftsführer der Varusschlacht im Osnabrücker Land. „Der Forschungsbedarf zur Varusschlacht auf dem antiken Schlachtfeld in Kalkriese ist nach wie vor groß. Neue Funde werfen neue Fragen auf.“, so Rottmann weiter.

Freuen sich über den Fund (v.l.): Der Grabungstechniker Klaus Fehrs, Varusschlacht-Geschäftsführer Dr. Joseph Rottmann, der ehrenamtliche Sondengänger Karsten Keune und der Archäologe Marc Rappe. © Varusschlacht im Osnabrücker Land, Foto: Swaantje Hehmann

Um die Fragen im Kontext eines solchen Hortfundes zu klären, wird seit Beginn der Woche eine Grabung unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Salvatore Ortisi, LMU München und kommissarischer Leiter des Projekts der Universität Osnabrück durchgeführt. „Die jetzige Grabung können wir Dank der jahrelangen Förderung im Rahmen des Kooperationsvertrages mit dem Land Niedersachsen und dem Landkreis Osnabrück umsetzen. Aufgrund von staatlichen Grabungen ist das Land Eigentümer der Funde“, so Dr. Joseph Rottmann. Die Münzen sind noch unbearbeitet und unrestauriert. Vielfach haftet Erde an den Geldstücken. Viele Münzbilder sind schwer zu erkennen, andere dagegen sind in einem äußert guten Erhaltungszustand. Schlussmünze, also die Münze mit der jüngsten Prägung, ist nach bisherigen Erkenntnissen vom Typ Caius/Lucius. Insgesamt wurden in Kalkriese sieben Hortfunde entdeckt. Alle Münzkonvolute enden mit den Caius/Lucius-Denaren, die zwischen 2 und 1 v. Chr. geprägt wurden. Der neue Münzhort passt damit in das bisherige Münzspektrum. „Erst nach der Restaurierung können wir eine profunde Bestimmung der Funde vornehmen und die Münzen besser einordnen. Vielleicht sind Inschriften oder Stempel erkennbar. Es bleibt also spannend“, erklärt der Archäologe und örtliche Grabungsleiter Marc Rappe.

Bei archäologischen Ausgrabungen sichern die Kalkrieser Archäologen Funde und Befunde. © Varusschlacht im Osnabrücker Land, Foto: Swaantje Hehmann

Wie kommt eine solche Zahl an Münzen in den Boden? Warum nur Silbermünzen? Lässt sich womöglich ein Behältnis nachweisen? Warum scheinen die Münzen verlagert zu sein und warum streuen diese in größerem Umfeld? Wie wird der Hort datiert? Viele Fragen treiben die Kalkrieser Archäologen in diesen Tagen an. „Ob der Hort intentionell niedergelegt worden ist oder ob ein römischer Legionär schnell sein Erspartes verstecken wollte, bleibt genauso zu klären, wie die Art des Behältnisses. Ist es ein Teil der Truppenkasse? Mit 200 Denaren deckt man ungefähr den Jahressold eines einfachen Legionärs ab. Daher bleiben bis zum Ende der Untersuchung einige Fragen unbeantwortet und neue kommen auf“, gibt Marc Rappe bekannt. Die Finder der Münzen waren wie auch bei den Goldmünzen im Sommer 2016 der Grabungstechniker Klaus Fehrs und der ehrenamtliche Sondengänger Karsten Keune. „In so kurzer Zeit zwei solche herausragenden Funde zu machen, ist wirklich selten. Die mühsame Arbeit und die stetige Suche ermöglichen es, das Schlachtgeschehen in Kalkriese Stück für Stück besser nachzuvollziehen“, freuen sich Fehrs und Keune. Für Besucher ergibt sich die einmalige Gelegenheit den Archäologen am Samstag, 1. April 2017, um 13:00 und 15:00 Uhr bei einer kurzen Stippvisite auf der Grabung über die Schulter zu schauen.

Mehr unter www.kalkriese-varusschlacht.de

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