Ausstellung Kult! Legenden, Stars und Bildikonen – Interview mit Benedikt Hipp

Die unsichtbare Form, die sich in einer Zahnbürstenverpackung versteckt sichtbar machen. Benedikt Hipp erklärt, was ihn zu dieser Arbeit Inspiriert hat und in welchen Zusammenhang er sie stellt. Benedikt Hipp wurde 1977 in München geboren. Er lebt und arbeitet in München und Amsterdam.

Kulte sind allgegenwärtig – von religiösen Kulten über Starkult, Körperkult, Kultbücher, Kultmarken bis hin zu Kultfilmen und Technikkult. Als Rituale der Verehrung stillen sie die menschliche Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft und stiften vor allem in Krisenzeiten Identität. Sie sind in höchstem Maße emotional und affektiv.

In seiner großen Sommerausstellung KULT! Legenden, Stars und Bildikonen untersucht das Zeppelin Museum 100 Jahre nach dem Tod des Volkshelden Graf Ferdinand von Zeppelin und 80 Jahre nach dem Unglück von LZ 129 Hindenburg in Lakehurst, das kulturhistorische Phänomen des Kults in Gesellschaft, Politik, Religion und Popkultur.

Im ersten Teil der Ausstellung werden die Aspekte der Heroisierung, Sakralisierung und Ironisierung des Luftschiffs über 100 Jahre hinweg in verschiedensten Objekten und Medien analysiert. Vom Cocktail-Shaker bis zur Propaganda mit Zeppelinen im Bombenkrieg, vom Kinderspielzeug bis zur Kondom-Werbung, vom kaiserlich-patriotischen Marsch bis zum Debutalbum von Led Zeppelin, von der Briefmarke bis zu Battlefield I: Der Zeppelin ist Kult – bis heute.

Im zweiten Teil der Ausstellung thematisieren zeitgenössische Künstler/-innen die Kulte der Gegenwart. Sie widmen sich dem Mythos Zeppelin (Kenneth Anger, Christoph Girardet, Aby Warburg), der Entstehung bzw. Umwidmung politischer Kulte (Halil Altindere, Yael Bartana, Aleksandra Domanović, Dani Gal), dem Fan-bzw. Star-Kult in der Popmusik (Candice Breitz, Josh Kline), der Renaissance religiöser Kulte (Benedikt Hipp), dem Kult um Ereignisse und Orte (Julius von Bismarck). In den Blick genommen werden aber auch die Anhänger von Kulten (Jeremy Shaw) und deren ritualisierte Handlungen (Johannes Paul Raether).

Die Ausstellung macht deutlich, wie verbreitet und mächtig die Entwicklung von Kulten auf allen Ebenen unserer Gesellschaft ist. Kulte stiften Gemeinschaft und geben Halt in Zeiten der Unsicherheit und des globalen Wandels – können aber auch Potentiale der Gleichschaltung und damit der Entmachtung des Einzelnen entwickeln.

Eine interaktive Webdokumentation mit dem Titel „Ferdinands Traum“, die in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Medienwissenschaften der Universität Konstanz entstanden ist, nimmt die Ausstellungsbesucher/-innen mit auf eine multimediale Weltreise. Auf Basis von Fotografien, Doumentarfilmen, Spielfilmen und Musicals bis hin zu aktuellen Computerspielen geht sie dem Medienkult rund um Zeppelin auf den Grund.

Beteiligte Künstler/-innen:
Halil Altindere, Kenneth Anger, Yael Bartana, Julius von Bismarck, Candice Breitz, Aleksandra Domanović, Dani Gal, Christoph Girardet, Benedikt Hipp, Josh Kline, Johannes Paul Raether, Jeremy Shaw, Aby Warburg

Mehr unter www.zeppelin-museum.de

Beitrag kommentrieren