Back to Paradise – Meisterwerke des Expressionismus im *Aargauer Kunsthaus

Alexej von Jawlensky, Mädchenkopf mit rotem Turban und gelber Agraffe (Barbarenfürstin), um 1912
Öl auf Hartfaser, 79.6 x 73.3 x 7.4 cm
Courtesy of Osthaus Museum Hagen & Institut für Kulturaustausch, Tübingen
Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf

(Presseinformation) Meisterwerke des Expressionismus aus dem Aargauer Kunsthaus und dem Osthaus Museum Hagen vom 26. August – 3. Dezember 2017.

In der Ausstellung Back to Paradise. Meisterwerke des Expressionismus aus dem Aargauer Kunsthaus und dem Osthaus Museum Hagen werden zum ersten Mal zwei Sammlungen zusammengeführt, die beiderseits über hochkarätige Werke aus allen Phasen des expressionistischen Schaffens in Deutschland von 1905 bis 1938 verfügen. Die erstklassigen Gemälde, Zeichnungen und Grafiken stammen von so namhaften Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Otto Mueller oder Emil Nolde. Eine besondere Ergänzung zu den deutschen Arbeiten bilden Werke von Schweizer Expressionisten aus der Sammlung des Aargauer Kunsthauses.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts brechen einige deutsche Künstler mit den traditionellen Bildformen und bemühen sich um eine direkte und expressive Bildsprache. Die künstlerischen Neuerungen beziehen sich nicht nur auf formale Aspekte, sondern konzentrieren sich auch stark auf den individuellen Ausdruck, auf die Wiedergabe der subjektiven Empfindungen ihrer Schöpfer. Gefragt wurde nach dem Wesen der Dinge und nicht nach deren äusserem Erscheinungsbild. Die subjektive Schilderung individueller Erfahrungen war ein Bruch mit den vorangegangenen, rein darstellenden Künsten. Durch das Propagieren eines neuen Kunstverständnisses wurde dem Naturalismus und der Bürgerlichkeit der Kampf angesagt. Im Spannungsfeld zwischen Industrialisierung und sozialem Wandel suchen die Expressionisten nach neuen Lebensmodellen und werden in der Harmonie mit der Natur und in der Auseinandersetzung mit fremden Kulturen fündig. Der Titel der Ausstellung Back to Paradise verbalisiert diese Sehnsucht nach dem Ursprünglichen und Individuellen, die für den Aufbruch in die künstlerische Moderne so bedeutend war.

Für dieses völlig neue Kunstverständnis begeisterte sich auch das Ehepaar Valerie und Dr. Othmar Häuptli, dessen Sammlung 1983 als Schenkung ins Aargauer Kunsthaus gelangte. Neben einem grossen Konvolut wichtiger Werke von Französischen und Schweizer Künstlern, unter anderen auch Aargauer Kunstschaffender, fanden rund 100 Werke des deutschen Expressionismus den Weg in ihre Sammlung. Häuptlis waren Laiensammler im besten Sinne des Wortes. Sie sammelten, was Ihnen gefiel und wozu sie eine persönliche Beziehung aufbauen konnten. Vielleicht ist es gerade dieser unmittelbare Bezug zu den Werken, welcher der Sammlung und den Bildern eine grosse Kraft verleiht.

Über eine ähnliche Sammlung verfügt das Osthaus Museum Hagen. 1921 vermachte deren Begründer, der Kunstsammler und Mäzen Karl Ernst Osthaus, seine Sammlung an das Museum Folkwang in Essen. 1945 wurde die Sammlung in Hagen gänzlich neu aufgebaut. Den Kern bilden herausragende Werke deutscher Expressionisten, worunter die bereits oben erwähnten Brücke-Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel oder Karl Schmidt-Rottluff fallen sowie Vertreter der Neuen Künstlervereinigung München und des Blauen Reiters, darunter Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky oder Franz Marc.

Die Gegenüberstellung von ausgewählten Meisterwerken aus beiden Sammlungen soll die verschiedenen Ausrichtungen innerhalb der expressionistischen Strömung sichtbar machen und gleichzeitig die malerischen Höhepunkte verdeutlichen und hervorheben. Ein weiteres Anliegen der Ausstellung ist es, dem interessierten Publikum die Möglichkeit zu bieten, die Schwerpunkte und Strategien der beiden Sammlungen miteinander vergleichen zu können. Zu sehen sein werden Gemälde, Papierarbeiten und Holzschnitte aus allen Phasen des Expressionismus. Werke, die einst in denselben Ateliers entstanden sind, mögen nun – Jahre später – im Museum wieder aufeinander treffen.

Eine besondere Ergänzung zu den deutschen Arbeiten bilden die Schweizer Werke aus der Sammlung des Aargauer Kunsthauses. Eine der wichtigen Figuren des Expressionismus ist auch der Schweizer Cuno Amiet. Selbst wurde er von den Brücke-Malern aufgefordert, ihrer Gruppe beizutreten. Amiet blieb Mitglied bis zu deren Auflösung 1913. Anfang des 20. Jahrhunderts kam ihm eine Vermittlerrolle zwischen der neuen französischen Auffassung und dem revolutionären deutschen Kunstwollen zu. Umgekehrt übte der deutsche Ernst Ludwig Kirchner Anfang der 1920er-Jahren einen wichtigen Einfluss auf die Basler Expressionisten der Gruppe Rot-Blau aus, wozu Hermann Scherer, Paul Camenisch oder Albert Müller gehörten. Von Scherer kamen einige bedeutende Werke aus der Stiftung Werner Coninx 2016 als Dauerleihgabe in die Sammlung des Aargauer Kunsthauses.

Konzipiert wurde das Ausstellungsprojekt als Kooperation zwischen dem Aargauer Kunsthaus, dem Osthaus Museum Hagen, dem Museum Georg Schäfer in Schweinfurt und dem Institut für Kulturaustausch in Tübingen.

Künstler/-innen
Cuno Amiet (1868 – 1961); Max Beckmann (1884 – 1950); Paul Camenisch (1893 – 1970); Lyonel Feininger (1871 – 1956); Conrad Felixmüller (1897 – 1977); Erich Heckel (1883 – 1970); Ernst Ludwig Kirchner (1880 – 1938); August Macke (1887 – 1914); Franz Marc (1880 – 1916); Albert Müller (1897 – 1926); Otto Mueller (1874 – 1930); Gabriele Münter (1877 – 1962); Emil Nolde (1867 – 1956); Max Pechstein (1881 – 1955); Hermann Scherer (1893 – 1927); Karl Schmidt-Rottluff (1884 – 1976); Alexej von Jawlensky (1864 – 1941)

Mehr unter www.aargauerkunsthaus.ch

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