Der Golem kommt

Themenausstellung »GOLEM« vom 23. September 2016 bis 29. Januar 2017 im Jüdischen Museum Berlin
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Am 22. September eröffnet das Jüdische Museum Berlin eine große Ausstellung über den Golem. Der Mythos vom Menschen, der künstliches Leben erschaffen kann, steht im Mittelpunkt dieser umfassenden Themenausstellung. Bis heute inspiriert die prominenteste jüdische Legendenfigur Generationen von Künstlern und Autoren. Ob Homunkuli, Cyborgs, Roboter, Androide – die Ausstellung präsentiert den Golem von seiner Erschaffung aus einem Ritual der jüdischen Mystik bis hin zum populären Erzählstoff in Film und Literatur und dessen Fortschreibung in künstlerischen und digitalen Welten.

Die Legende vom Golem

Ktura Manor, War Time/Peace Time (Golem), 2014, Öl auf Leinwand © Courtesy of Andorran National Commission for UNESCO
Ktura Manor, War Time/Peace Time (Golem), 2014, Öl auf Leinwand
© Courtesy of Andorran National Commission for UNESCO

Ein Wesen, geformt aus unbelebter Materie wie Staub oder Erde, wird durch rituelle Beschwörung und hebräische Buchstabenkombinationen zum Leben erweckt. Geschaffen von einem menschlichen Schöpfer und ausgestattet mit enormer physischer Kraft, wird das seelenlose Geschöpf zum Helfer, zum Gefährten oder zum Retter einer jüdischen Gemeinde in Gefahr. Mit keinem anderen Schauplatz ist die Legende so eng verbunden wie mit Prag. Der Geschichte zufolge soll Rabbi Judah Loew einen Golem aus Lehm kreiert haben, um das jüdische Ghetto vor Verfolgungen zu schützen. Wie in vielen Golem-Erzählungen gerät das Geschöpf allerdings außer Kontrolle und der Golem selbst wird zur Bedrohung für den, der ihn geschaffen hat.


Vom mittelalterlichen Golem zum zeitgenössischen Cyborg

In jeder Epoche symbolisiert der Golem die Bedrohungsszenarien und Erlösungshoffnungen seiner Zeit. Als Denkfigur und Projektionsfläche verbinden sich in ihm Fortschrittsglauben und die Hoffnung auf Rettung mit der Angst vor entfesselter Macht. Die Ausstellung ergründet in sieben Räumen die thematische Fülle des Stoffes, wie sie sich in mittelalterlichen Manuskripten, in vielschichtigen Erzählungen, im Stummfilm und in Werken der Bildenden Kunst aus den letzten zweihundert Jahren darstellt. Auf ca. 900 Quadratmetern werden anhand von mehr als 120 Objekten Themen wie Kreativität, Schöpfung, Macht und Erlösung verhandelt. Das thematische Spektrum reicht von der jüdischen Mystik über den Mythos Prag bis hin zu den Motiven der Verwandlung und des Doppelgängers. Der Epilog führt den Besucher zurück in die Gegenwart: Ob als Comic-Superheld, Computerspielfigur oder Cyborg – der Golem lebt und mit ihm die Frage danach, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.

»Alle Künstler sind Golem-Schöpfer«

Der Schöpfungsakt und das Ringen um die Form spiegeln sich auch im Prozess kreativen Schaffens: Das Kunstwerk entzieht sich dem Kunstschaffenden mit seiner Vollendung. International renommierte Künstler wie Anselm Kiefer, Joshua Abarbanel, R.B. Kitaj, Yves Gellie, Mark Podwal, Gert H. Wollheim und Fritz Ascher haben sich in ihren Arbeiten dem Golem-Motiv gewidmet. Ob Malerei, Skulptur, Objektkunst, Video, Installation, Fotografie oder Illustration: Das Jüdische Museum Berlin versammelt in seiner »Golem«-Ausstellung Leihgaben bedeutender Museen und Privatsammlungen aus aller Welt, unter ihnen das Jewish Museum New York, das Museum of Fine Arts Boston, das Museum of Modern Art, New York und das Israel Museum, Jerusalem.

Umfangreiches Begleitprogramm

Das Jüdische Museum Berlin begleitet die »Golem«-Ausstellung während der Laufzeit mit hochkarätig besetzten Talks und Filmvorführungen, in denen die unterschiedlichen Narrative in Kunst, Literatur und Film vertieft werden. Bereits am 27. August stimmt die Lange Nacht der Museen unter dem Motto „Der Golem kommt!“ mit Filmen, interaktiven Stationen, Musik und einem virtuellen Riesengolem auf die Ausstellung ein. Der SilentFilmDJ D‘dread lässt den Stummfilmklassiker »Der Golem, wie er in die Welt kam« durch seine Live-Begleitung zu einem psychoakustischen Erlebnis in der Golem-Lounge werden. Die anlässlich der Ausstellung produzierte rbb/ARTE-Dokumentation »Golem – Die Legende vom Menschen« feiert am 13. September im Jüdischen Museum Berlin ihre Premiere und zeichnet die zweitausendjährige Entwicklung der Golem-Figur nach.

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