Der Kunstverein in Bremen erwirbt Albrecht Dürers „Heiliger Eustachius“

Kunstverein in Bremen erwirbt Hauptwerk von Albrecht Dürer

Kunsthalle BremenNeuankauf „Heiliger Eustachius“ (1501) von Albrecht Dürer war bis Anfang des 20. Jahrhunderts bereits Teil der Bremer Sammlung

Der Kunstverein in Bremen konnte eine bedeutsame Erwerbung tätigen. Mit Mitteln aus der Schenkung Mathilde und Fritz Müller-Arnecke wurde der sehr gut erhaltene Kupferstich „Heiliger Eustachius“ (1501) von Albrecht Dürer erworben. Es handelt sich mit 358 x 260 mm um den größten Kupferstich Dürers. Der Künstler betrachtete ihn zeitlebens als sein unübertroffenes Meisterstück und als Beweis seiner stecherischen Fähigkeiten.

Kupferstich, 358 x 260 mm © Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett / Foto: Karen Blindow
Kupferstich, 358 x 260 mm
© Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett / Foto: Karen Blindow

Das kürzlich angekaufte Meisterwerk „Heiliger Eustachius“ von Albrecht Dürer gehörte einst dem Kunstverein in Bremen. Auf der Rückseite des Blattes findet sich der Bremer Stempel. Seine Herkunft aus der Sammlung Klugkist, der ältesten Sammlung des Kunstvereins, ist somit belegt.

Das Inventarbuch von Hieronymus Klugkist (1851), einem der Gründer des Kunstvereins, verzeichnet zwei Exemplare des „Heiligen Eustachius“. Ein Exemplar wurde vermutlich bei einem der damals üblichen Dubletten-Verkäufe um 1905 verkauft, um Mittel für andere Neuankäufe zu gerieren. Dieses Werk ist nun wieder nach Bremen zurückgekehrt. Das zweite im Inventar verzeichnete Exemplar verblieb in der Sammlung, ging jedoch während des zweiten Weltkrieges verloren und gehört heute zu den
Kriegsverlusten.

Der erworbene Abzug ist in einem sehr guten Zustand. Er ist tiefschwarz in den dunkelsten Partien, mit intensiven Kontrasten und großer Klarheit gedruckt.

Der Kupferstich konnte aus Mitteln der Schenkung Mathilde und Fritz Müller-Arnecke durch Vermittlung des international tätigen Auktionshauses Christie‘s aus Privatbesitz erworben werden.

Albrecht Dürer in der Sammlung der Kunsthalle Bremen

Die Erwerbung des seltenen „Heiligen Eustachius“ bringt eines der kapitalsten Werke des deutschen
Meisters wieder zurück in die Hansestadt. Zudem schließt sich damit im Bereich der druckgraphischen
Sammlung der Kunsthalle Bremen eine empfindliche Lücke, die durch frühe Verkäufe und durch
Kriegsverluste im Zweiten Weltkrieg entstanden war. Werke von Dürer stellen einen herausragenden Sammlungsschwerpunkt in Bremen dar: Neben der fast vollständig vorhandenen Druckgraphik verfügt der Kunstverein über Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde, die 2012 in einer großen monographischen Ausstellung gezeigt wurden und als Leihgaben auch andere große Dürer-Schauen
bereichern.

Das Motiv des Kupferstiches „Heiliger Eustachius“ von Albrecht Dürer

Der Kupferstich zeigt eine Szene aus der „Legenda aurea“ des Jacobus de Voragine (1228–1298):
Dem römischen Heermeister Placidus (1. Jh. n. Chr., später Heiliger Eustachius) erschien im Wald ein
Hirsch, zwischen dessen Geweih ein Kreuz leuchtete. Placidus ließ daraufhin sich und seine Familie
taufen und bestand mehrere Prüfungen, die seinen Glauben auf die Probe stellten. Schließlich wurde er
unter Kaiser Hadrian als Märtyrer hingerichtet und erfuhr als einer der Vierzehn Nothelfer eine
besondere Verehrung. Dürer wählte für seinen Stich die Szene der Erscheinung und Anbetung des
Kreuzes durch den Heiligen, der links im Bild kniet, während rechts im Mittelgrund der Hirsch zu
sehen ist.

Die ungewöhnliche Dichte und Feinheit der Stichelarbeit lässt ein fast „malerisches“ Gesamtbild entstehen. Dürer gelang es, die Beschaffenheit verschiedener Oberflächen wie Stein, Metall, Fell oder Blattwerk präzise herauszuarbeiten. Der Formenreichtum in der Naturschilderung – zugleich eine Verherrlichung der göttlichen Schöpfung – reicht von den verschiedenen Posen der Hunde, die auf selbständigen Naturstudien Dürers beruhen, über Pflanzen, Blättchen, über den Schwanenteich bis zu
dem Vogelschwarm im Himmel und dem Ritter, der den Berg hinaufreitet. Die Komposition breitet sich teppichartig aus, jede Einzelheit ist mit großer Sorgfalt geschildert. Das Pferd spiegelt das beginnende Interesse Dürers an der Proportionslehre, mit der er sich in den folgenden Jahren immer wieder beschäftigte. Das Bergschloss scheint von italienischen Landschaftsaquarellen inspiriert. Als Vorlage für das Schloss wurde unter anderem das Dürer-Aquarell „Felsenschloss im Cembratal“ aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen diskutiert.

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