Der Rimini-Altar der Liebieghaus Skulpturensammlung wird umfassend restauriert

Restaurierung des Rimini-Altars: Werkstattsituation
Foto: Liebieghaus Skulpturensammlung

(Presseinformation) In der Liebieghaus Skulpturensammlung ist ein auf mehrere Jahre angelegtes Restaurierungsprojekt zu einem der bedeutendsten Werke der Sammlung gestartet. An dem sogenannten Rimini-Altar, einem der umfangreichsten und am besten erhaltenen spätmittelalterlichen Figurenensemble aus Alabaster, werden dabei vielfältige konservatorische und restauratorische Eingriffe durchgeführt, unter anderem mittels modernster Lasertechnologie. Zudem erfolgt eine grundlegende kunsttechnologische Untersuchung des Werks. Für die möglichst schonende Reinigung des hochempfindlichen Materials hat das Liebieghaus einen speziellen Laser erworben. Als Kooperationspartner bei der exakten Bestimmung der Steinsubstanz konnten die Forschungslabore des Pariser Louvre gewonnen werden. Mit einer eigens für das Restaurierungsprojekt eingerichteten Schauwerkstatt im Museum, die im weiteren Verlauf durch eine didaktisch konzipierte Vitrine ergänzt wird, einem begleitenden Film sowie auf der Liebieghaus Website veröffentlichten Beiträgen zu Untersuchungs- und Restaurierungsergebnissen wird dem interessierten Publikum die Möglichkeit geboten, viele der Arbeitsschritte mit eigenen Augen zu verfolgen. Das Projekt ist insgesamt auf drei Jahre angelegt und wird von der Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert.

„Es war uns schon lange ein großes Anliegen, uns in einer umfassenden Forschungs- und Restaurierungsinitiative in gebührendem Maße dem Rimini-Altar zu widmen, um dieses weltbekannte Highlight der Sammlung wieder so weit wie möglich seinem Originalzustand anzunähern. Ganz besonders freut mich dabei, dass wir den spannenden Prozess der Arbeiten und die daraus resultierenden Erkenntnisse dem interessierten Publikum ganz unmittelbar und vor Ort im Liebieghaus zugänglich machen können“, kommentiert Philipp Demandt, Direktor des Liebieghauses.

„Betrachtet man den Rimini-Altar aus konservatorisch-restauratorischer Perspektive, so fällt sofort die starke Diskrepanz zwischen seiner enormen kunsthistorischen Bedeutung und dem derzeit anzutreffenden, unbefriedigenden Konservierungszustand auf. Da Alabaster zu den empfindlichsten Steinsorten überhaupt zählt, stellt dieses Material uns Restauratoren vor eine schwierige Aufgabe. Viele der sonst üblichen Methoden der Steinrestaurierung scheiden von vornherein aus, und es müssen zunächst zahlreiche Testreihen angelegt werden, um die möglichst schonende restauratorische Behandlung des Objekts zu garantieren“, erklärt der Leiter der Skulpturenrestaurierung, Harald Theiss.

„Gelungene Restaurierungen von Spitzenwerken aus den eigenen Beständen sind zuweilen wichtiger als ein Neuankauf“, ergänzt Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Der letzte größere konservatorisch-restauratorische Eingriff an dem aus 18 Alabasterfiguren und –gruppen bestehenden Ensemble erfolgte in den späten 1960er-Jahren. Neben Schmutzablagerungen und gilbenden Überzügen sind die damals verwendeten Konservierungsmaterialien im Laufe der Jahrzehnte tief in die

Steinsubstanz eingedrungen, wo sie zunehmend aushärten und verspröden, sodass dringender Handlungsbedarf besteht. Bei der damaligen Restaurierung erfolgte außerdem eine substanzielle Veränderung des originalen Erscheinungsbildes der zentralen Kreuzigungsgruppe, indem der Kreuzesstamm und -balken durch Ergänzungen verlängert wurden. Dies führte unter anderem zu einem Stabilitätsverlust, sodass es weitgehend unmöglich ist, das Objekt im musealen Alltag gefahrlos zu bewegen. Somit kann das international stark nachgefragte Werk derzeit nicht an andere Museen verliehen werden. Da bislang keine grundlegende kunsttechnologische Untersuchung des Ensembles vorgenommen wurde, wird diese im Rahmen des Projekts nun ebenfalls durchgeführt. Sie beinhaltet unter anderem eine genaue Bestandsanalyse des Materials und eine systematische Prüfung der Figuren auf Spuren ursprünglicher Polychromie.

Der Rimini-Altar

Im Jahr 1913 erworben, zählt der Rimini-Altar mit seinen aus weißem Alabaster gefertigten Figuren zu den Hauptwerken der Liebieghaus Skulpturensammlung und zu den international renommiertesten Objekten der Mittelalterabteilung des Museums. Auf seine große kunsthistorische Bedeutung und seine Einzigartigkeit verweist bereits die Tatsache, dass das Werk für einen Großteil der Alabasterskulpturen des beginnenden 15. Jahrhunderts international namengebend ist: So findet sich die Künstlerzuschreibung „Meister des Rimini-Altars“ in Museen und Kunstsammlungen von Warschau, Berlin und München über Barcelona, Paris und London bis nach New York und Los Angeles. Diese Popularität verdankt der Altar nicht nur seiner hohen bildhauerischen Qualität, sondern auch dem Umstand, dass es sich dabei um eines der umfangreichsten und am besten erhaltenen spätmittelalterlichen Figurenensembles aus Alabaster handelt.

Das Zentrum des Ensembles bildet eine aus mehreren Blöcken gearbeitete Kreuzigung Christi, flankiert von jeweils sechs Aposteln. Die allesamt vollrund ausgearbeiteten und ehemals partiell farbigen Bildwerke entstammen einem Altar der Kirche Santa Maria delle Grazie in Rimini. Doch entstanden sie nicht in Italien, sondern um 1430 in einer auf Alabaster spezialisierten Werkstatt in den südlichen Niederlanden, möglicherweise in Brügge. Die stark idealisierten Bildwerke folgen noch weitgehend der charakteristischen Formästhetik des sogenannten Schönen Stils, der aufgrund seiner europaweiten Verbreitung zwischen ca. 1380 und 1430 auch als Internationaler Stil bekannt ist. In der realistischen Wiedergabe mancher anatomischer und physiognomischer Details, vor allem in der schonungslosen Darstellung der gebrochenen und verrenkten Gliedmaßen der Schächer, deutet sich jedoch ein stilistischer Wandel an.

Hier offenbart sich ein neuartiges Interesse an Naturbeobachtung, das sich auch in der damaligen niederländischen Malerei Jan van Eycks, Robert Campins oder Rogier van der Weydens beobachten lässt und wegweisend für die Kunst der folgenden Jahrzehnte war

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