Die Hamburger Kunsthalle restituiert vier Kunstwerke an die Erbengemeinschaft Dr. Michael Berolzheimers

Zeichnungen aus der Sammlung Dr. Michael Berolzheimer in der Hamburger Kunsthalle restituiert

ZDruckwei von vier Werken verbleiben nach Rückkauf durch die Kunsthalle weiter in ihrer Sammlung

Gründungsbau, Treppenhaus 
© Hamburger Kunsthalle 
Photo: Romanus Fuhrmann-Rickert
Gründungsbau, Treppenhaus 
© Hamburger Kunsthalle 
Photo: Romanus Fuhrmann-Rickert

Die Hamburger Kunsthalle gibt vier Kunstwerke an die Erbengemeinschaft des früheren jüdischen Eigentümers Dr. Michael Berolzheimer zurück. „Die Hamburger Kunsthalle und die Erbengemeinschaft von Dr. Michael Berolzheimer sind zu einer guten und fairen Einigung gekommen. Fast 80 Jahre nach der Versteigerung gehen die Werke jetzt endlich wieder an die rechtmäßigen Erben. Besonders begrüße ich es, dass zwei Werke von der Kunsthalle zurück gekauft werden und damit in der Sammlung verbleiben können“, so Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler. Zusammen mit dem Holocaust Claims Processing Office (HCPO) of the New York State Department of Financial Services in New York hat die Kunsthalle die Verkaufsgeschichte der Kunstwerke erforscht: Die Verkäufe haben nach dem Erlass der sogenannten Nürnberger Gesetze vom 15. September 1935 stattgefunden und gelten somit als NS-verfolgungsbedingt. Als Juden waren Dr. Michael Berolzheimer und seine Familie unter dem national-sozialistischen Regime massiven Repressalien ausgesetzt, sodass sie 1938 in die USA emigrierten und ihre Sammlung zurücklassen mussten. Sie wurde 1938 versteigert.

Restituiert und aus der Sammlung Dr. Michael Berolzheimer zurück erworben wurde die Arbeit Zusammenkunft der Pharisäer (um 1630/35) des holländischen Malers Claes (Nicolaes) Cornelisz. Moyaert sowie die Zeichung Sitzender Mandolinenspieler (1642) des Österreichers Johann Septimius von Joerger. Die Zeichnungen Französische Berglandschaft mit Fluß, Brücke und Ortschaft (1819) von Constant Bourgeois, genannt Bourgeois du Castellet, und Verfallenes Bauernhaus (undatiert) von Eugène Isabey wurden an die Erbengemeinschaft restituiert.

Der Anwalt Dr. Michael Berolzheimer (1866 – 1942) stammte aus einer Fürther Industriellenfamilie und lebte seit 1905 in Untergrainau bei Garmisch-Partenkirchen. Er war ein bekannter Kunstsammler mit hoher Expertise. Jahrelang war er ehrenamtliches Mitglied der Ankaufskommission der Alten Pinakothek und der Staatlichen Graphischen Sammlung in München. Seine Sammlung von Handzeichnungen umfasste mehr als 800 Blätter Alter Meister und Arbeiten des 19. Jahrhunderts sowie circa 600 druckgraphische Blätter. Als er am 25. Juli 1938 mit seiner Familie in die USA emigrierte, musste er große Teile seines Besitzes und seiner Kunstsammlung in Deutschland zurücklassen. Auch die Handzeichnungen wurden von den Nationalsozialisten eingezogen und am 9. und 10. März 1939 im Münchener Auktionshaus Adolf Weinmüller versteigert. Die 600 druckgraphischen Blätter konnten in die Emigration gerettet werden.

Prof. Dr. Hubertus Gaßner, Direktor Hamburger Kunsthalle betont die grundsätzliche Position der Hamburger Kunsthalle in Fragen der Restitution: „Es ist und bleibt für die Hamburger Kunsthalle eine Selbstverständlichkeit, Werke aus der Sammlung zu restituieren, die auf unrechtmäßigem Wege zu uns gekommen sind.

In den vergangenen Jahren haben auch andere große Museen Werke an die in den USA lebende Familie Berolzheimer restituiert.

Die von der Hamburger Kunsthalle zurück erworbenen Zeichnungen von Claes (Nicolaes) Cornelisz. Moyaert und Johann Septimius von Joerger sind seit Kurzem über die Website des Museums unter dem Link Sammlung online mit ihren wissenschaftlich vollständig erfassten Objektdaten einsehbar.

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