Erika Balsom im Skype-Gespräch mit Luca Lo Pinto

Erika Balsom, Dozentin für Film Studies und Liberal Arts King’s College London, spricht über die Präsentation von Kino im Kontext zeitgenössischer Kunst.

Über L’Exposition Imaginaire

Die Digitalisierung der Gegenwart schreitet voran: Wir haben keine Hifi-Anlagen mehr, sondern einen Account bei Spotify. Wir schaffen unsere Fernseher ab, denn wir haben ein Abo bei Netflix. Künstlerinnen und Künstler stellen ihre Videos bei der Online-Plattform Vimeo einem globalen Publikum zur Verfügung. Ausstellungsansichten von Museen und Galerien sind auf Websites wie Contemporary Art Daily jederzeit abrufbar. Die physische Präsenz des Kunstwerks an einem bestimmten Ort scheint angesichts der weltweiten Zirkulation von Reproduktionen dieses Werks zunehmend unwichtiger zu werden.
Wie aber gehen Ausstellungshäuser mit dieser Tendenz zur Dematerialisierung um?

L’Exposition Imaginaire ist keine Ausstellung, sondern ein Projekt, das sich dieser Fragestellung in unterschiedlichen Formaten annimmt. Was wäre, wenn die Ausstellung nur eine imaginäre Form hätte – wie das berühmte Imaginäre Museum von André Malraux, das allein aus Reproduktionen bestand und Werke aus aller Welt, die so nie zusammentreffen könnten, in einen Dialog stellte? Das die Kunstbetrachtung aus ihrer Ortsgebundenheit herauslöste? Heute hat das Internet die Funktion übernommen, Abbildungen von Kunstwerken, Videos und virtuelle Ausstellungsbesuche immer und überall zur Verfügung zu stellen. Ist das der Anfang vom Ende der Ausstellung? Oder der Anfang eines Neubeginns, eines ganz neuen Formats?
L’Exposition Imaginaire ist ein Film, ein Symposium, eine Vortragsreihe, eine Ausstellung der anderen Art. Ein Experiment, das die schwindende Bindung der Kunst an das Hier und Jetzt als konstruktive Herausforderung sieht.

Mehr unter kunsthallewien.at

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