Frankfurt Rathenauplatz: Mutwillige Zerstörung der Ausstellung über jüdische Sportler

„Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“ (Bild der Ausstellung vor dem Berliner Hauptbahnhof)  © Jüdisches Museum Frankfurt am Main

(Frankfurt / Presseinformation) Gemeinsame Pressemitteilung des Jüdischen Museums Frankfurt, des Eintracht Frankfurt Museums und von Makkabi Frankfurt e.V. zur Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“

Die Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“ würdigt jüdische Sportlerinnen und Sportler sowie ihren Anteil an der Entwicklung des modernen Sports in Deutschland. Sie umfasst sechzehn großformatige Skulpturen von Nationalspielern, Welt- oder Europameistern, Olympiasiegern und anderen sportlichen Rekordhaltern, die zu den gefeierten Sportidolen ihrer Zeit zählten. Ihre sportlichen Karrieren endeten in den Jahren 1933 bis 1945 mit dem Ausschluss von öffentlichen Sportveranstaltungen, der Ausgrenzung von deutschen Sportvereinen, der systematischen Entrechtung, Vertreibung oder Ermordung.

Die Ausstellung wurde am 15. Juni 2017 von Oberbürgermeister Peter Feldmann feierlich eröffnet und ist seither für alle Interessierten Tag und Nacht auf dem Rathenauplatz in Frankfurt zu sehen. Sie wurde vom Zentrum deutsche Sportgeschichte konzipiert und wird in Frankfurt vom Jüdischen Museum Frankfurt in Kooperation mit Makkabi Frankfurt e.V. und Eintracht Frankfurt präsentiert.

„Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“ (Bild der Ausstellung vor dem Berliner Hauptbahnhof) © Jüdisches Museum Frankfurt am Main

Nachdem die Ausstellung in den vergangenen zwei Jahren ohne größere Zwischenfälle an öffentlichen Plätzen in Berlin und sechs anderen deutschen Städten gezeigt werden konnte, sind innerhalb der ersten drei Tage in Frankfurt zwei der sechzehn Figuren mit großer Gewalteinwirkung zerstört worden. Bei der einen Figur handelt es sich um Walter Bensemann, einem der Begründer von Eintracht Frankfurt, der zu den Pionieren des Fußballs in Deutschland gehört. Ebenso zerstört wurde die Skulptur von Lilli Henoch, die eine Weltrekordlerin im Kugelstoßen, im Speerwurf und in der 4 x 100 Meter Staffel war. Walter Bensemann starb 1934 im Exil in der Schweiz, Lilli Henoch wurde 1942 deportiert und ermordet.

Die mutwilligen Zerstörungen der beiden Skulpturen erschüttern uns als Veranstalter der Ausstellung zutiefst. Wir betrachten sie als einen gezielten Angriff nicht nur auf die öffentliche Würdigung der historischen Leistung von jüdischen Sportlerinnen und Sportlern, sondern auch auf die Bedeutung, die der jüdischen Geschichte in der Entwicklung der Stadt Frankfurts zukommt. Oberbürgermeister Feldmann betont, dass diese gewalttätigen Akte „nicht dem Geist Frankfurts als einer weltoffenen, toleranten und friedfertigen Stadt“ entsprächen. In Abstimmung mit dem Oberbürgermeister halten wir umso nachdrücklicher an der Entscheidung fest, die Ausstellung weiterhin an einem der zentralsten Plätze der Stadt öffentlich zu präsentieren. Wir laden weiterhin dazu ein, die Präsentation auf dem Rathenauplatz zu besuchen und die Biografien der jüdischen Sportlerinnen und Sportler kennen zu lernen. Wir sind der Überzeugung: Je mehr Bürgerinnen und Bürger sich der Ausstellung widmen, desto entschiedener werden sie der Gewalt entgegentreten, die sich in der mutwilligen Zerstörungen vor Ort äußert.

www.juedischesmuseum.de

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