Geniale Dilletanten – Albertinum

Ab Ende der 1970er Jahre erregte in Deutschland ‒ im Westen wie im Osten ‒ eine künstlerische Alternativszene mit lautstarkem Protest und gezielter Provokation Aufsehen und Anerkennung. Infiziert von der englischen Punk-Bewegung setzten die Akteurinnen und Akteure nicht auf virtuoses Können, sondern strebten nach Selbstorganisation im Sinne des Do-It-Yourself-Gedankens und agierten jenseits gängiger Kunst- und Kulturnormierungen und gesellschaftlicher Erwartungen.

In der Dresdner Ausstellung „Geniale Dilletanten. Subkultur der 1980er Jahre in West- und Ostdeutschland“ wird die Tournee-Ausstellung des Goethe-Instituts durch einen gleichwertigen Fokus auf die DDR-Szene entscheidend erweitert. Die westdeutsche Subkultur trifft in Dresden auf die alternative, ostdeutsche Musik- und Kunstszene jener Zeit. Bedingt durch die verschiedenen Gesellschaftssysteme unterscheiden sich Motivation und Artikulation der Gegenkulturen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs. In der Gegenüberstellung werden jedoch auch Parallelen und sogar grenzüberschreitende Berührungspunkte sichtbar.

Am 1. und 2. Juni 1985 fand im Klubhaus Coswig bei Dresden eine der folgenreichsten Kunstereignisse der späten DDR statt.

Die als „Intermedia I – Farbraum/Klangbild“ betitelte Veranstaltung war die erste und (allerdings auch) letzte Leistungsschau der Subkultur in Ostdeutschland, an der über 40 bildende Künstler und noch einmal so viele Musiker, Performer und Super-8-Filmer teilnahmen. Etwa 1.200 Besucher waren aus allen Bezirken der DDR angereist und verfolgten ein jeweils sechsstündiges Programm.

Wie viele IM’s der Staatssicherheit unter ihnen waren, ist bis heute nicht ganz geklärt.

Geniale Dilletanten. Subkultur der 1980er Jahre in West- und Ostdeutschland

Albertinum, 15. Juli bis 19. November 2017

Beitrag kommentrieren