Goya – Meister der Druckgraphik im Museum Oskar Reinhart

Goyas Selbstbildnis, 1799 Capricho Nr. 1
Radierung mit Aquatinta © Museum Oskar Reinhart / Kunstmuseum Winterthur

(Presseinformation) Das Museum Oskar Reinhart zeigt dieses Frühjahr Druckgraphik von Francisco de Goya, einem der bedeutendsten Künstler auf diesem Gebiet. Zu sehen sind sämtliche Blätter des Schlüsselwerks Los Caprichos sowie ausgewählte Werke aus seinen Meisterzyklen Desastres de la Guerra und La Tauromaquia.

Goya und die Druckgraphik

Francisco de Goya (1746–1828) lebte in Zeiten des Umbruchs, in einem Land, dessen wechselvolles politisches Schicksal vom Streben nach nationaler Selbstbestimmung und reaktionärer Vergeltungsherrschaft geprägt war. Seine radierten Graphikserien spiegeln seine eigene Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen, mit Fehlbarkeit und Torheit, mit Tod, Schrecken und Gewalt, aber auch mit der «Fiesta nacional», dem spanischen Ritual des Stierkampfs.

Die Ausstellung im Museum Oskar Reinhart

Das Museum Oskar Reinhart verfügt über umfangreiche Graphikbestände, die wegen ihrer Lichtempfindlichkeit nur selten gezeigt werden können und deshalb noch wenig bekannt sind. Darunter befinden sich die drei Meisterzyklen von Francisco de Goya: Los Caprichos, Desastres de la Guerra sowie La Tauromaquia. Diese berühmten Graphiken dem Publikum wieder zugänglich zu machen, ist das Ziel dieser Ausstellung. Ein Schwerpunkt der Sammlung des Museums Oskar Reinhart liegt in der Kunst um 1800. Das revolutionäre Werk Goyas erzeugt in diesem Kontext einen reizvollen Kontrast. Mit der Ausstellung zu den bahnbrechenden Graphiksuiten des spanischen Meisters wird eine weitere bedeutende künstlerische Position umfassend gezeigt, die nicht nur den Blick auf die Romantik erweitert, sondern auch die Aktualität dieser Epoche und ihren Bezug zur Gegenwart deutlich macht. Die Folge der Caprichos der Stiftung Oskar Reinhart wird in der Ausstellung vollständig gezeigt. Die 80 Blätter zählende Serie zählt zu den Exemplaren der Erstausgabe von 1799. Die Radierungen nehmen eine Schlüsselposition im Werk des Spaniers ein. Es sind die ersten graphischen Äusserungen des «neuen» Goyas, der auf dem Zenit seiner Karriere schwer erkrankt und taub geworden war. Eine künstlerische Neuorientierung – sowohl technisch als auch thematisch – war die Konsequenz dieses leidvollen Prozesses und das Resultat sind die Caprichos. Der Hofmaler Goya zeigte sich darin als liberal-aufgeklärter, gesellschaftskritischer Geist und schuf ein Schlüsselwerk der europäischen Kunst am Beginn der Moderne. Gleichzeitig leistete er mit der Serie einen bedeutenden Beitrag zur Weiterentwicklung der Druckgraphik zu einem eigenständigen, ausdrucksstarken künstlerischen Medium. Die umfassende Präsentation der Caprichos in der Ausstellung geschieht in der Absicht, die Leistung Goyas präzise zu umreissen und zu vermitteln.

Mehr unter kmw.ch

Beitrag kommentrieren