Hamburger Kunsthalle: Vorschau 2016

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Ausstellungen der Hamburger Kunsthalle 2016

Eckersberg – Faszination Wirklichkeit
Das Goldene Zeitalter derdänischen Malerei
11. Februar bis 16. Mai 2016

Mit einer großen, erstmals außerhalb Dänemarks in Europa stattfindenden Retrospektive zu Christoffer Wilhelm Eckersberg (1783–1853) würdigt die Hamburger Kunsthalle den bedeutendsten dänischen Maler der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Am 9. Mai 1814 kaufte sich Eckersberg einen tragbaren Malkasten und einen Klappstuhl, um in der Ewigen Stadt und der römischen Campagna zu malen. Er begründete damit in Rom die dänische Tradition der Freilichtmalerei. Innovationen im direkten Naturstudium bildeten neben der Geometrie und Perspektive die wichtigsten Bestandteile seiner Lehre an der Kopenhagener Akademie, wo er annähernd 40 Jahre lang als Professor wirkte. Durch seine progressive Verknüpfung von Tradition und Innovation, sowie von Klassizität und Wirklichkeitsnähe wurde Eckersberg nicht nur der bedeutendste dänische Maler in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sondern zugleich eine prägende Figur in der europäischen Kunstentwicklung jener Zeit.

Eckersbergs Bildwelten verbinden scheinbare Zufälligkeit und kalkulierte Kon-struktion, Nüchternheit und Zauber. Gleichsam wie bildgewordene Augenblicke oder eingefrorene Momentaufnahmen anmutend, vermögen seine Werke auch den heutigen Betrachter zu fesseln und fordern dessen Sehgewohnheiten he-raus. In ihrer Unmittelbarkeit und kompositorischenRadikalität muten Eckers-bergs Werke vielfach wie eine Vorwegnahme des fotografischen Blicks an.

In ungewöhnlicher Breite sind dabei in Eckersbergs Werk sämtliche Gattungen vertreten: Bildnisse, die sich der Raffinesse der französischen Porträtkunst ebenso verpflichtet erweisen wie dem dänischen Drang nach Objektivität; Historiengemälde, deren Protagonisten ihre Herkunftaus dem Aktsaal nicht verleugnen können und Genreszenen, die in ihrer forcierten Momenthaftigkeit wie aus der Zeit gefallen wirken. Nicht zu vergessen seine Landschaften: Ob er die Topographie Roms als zufällig gewählten Ausschnitt inszeniert, Wasser, Licht und Himmelsphänomene auf seinen Marinen dokumentiert oder aber der dänischen Natur in all ihrer Schlichtheit huldigt – stets spricht aus Eckersbergs Bildern seine konsequente Wirklichkeitsverpflichtung.

Die Ausstellung Eckersberg – Faszination Wirklichkeit umfasst mit rund 90 Gemälden sowie ca. 40 Zeichnungen und Druckgraphiken aus allen Schaffensphasen zugleich sämtliche Hauptwerke des Künstlers.

Den Besucher erwarten Highlights der Kunstgeschichte wie das Gruppenbildnis derFamilie Nathanson
oder den Blick durch drei Bögen im dritten Stockwerk des Kolosseums.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Fachbeiträgen aus deutscher und dänischer Perspektive.

Kurator der Ausstellung: Dr. Markus Bertsch
Kuratorische Assistenz: Neela Struck

Neue Ausstellungsreihe
Neuland
30. April bis Mitte 2017

Anlässlich der Wiedereröffnung der Hamburger Kunsthalle beginnt im Erdgeschoss der Galerie der Gegenwart unter dem Titel Neulandein neues Ausstellungsformat. Der ehemalige Eingangsbereich wirddank der großzügigen Förderung der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen in Zukunft ganz der zeitgenössischen Kunst gewidmet sein. Im jährlich wechselnden Rhythmus konzipieren internationale Künstlerinnen und Künstler im Auftrag der Ham-burger Kunsthalle eigens für den Raum neue Werke. Ausgangspunkt sind zunächst Werke von Künstlern, die sich vor allem mit dem Thema globaler Veränderungen auseinandersetzen. Als Folge von Migration und postkolonialen Prozessen entstehen heute politische und kulturelleVerschiebungen, die in der zeitgenössischen Kunst zu Fragen nach Identität undneuer Verortung, nach Verlust und Zugehörigkeit führen. Die in Berlin und Seoul lebende Künstlerin Haegue Yang wird ab April 2016 erstmalig dieses Konzept umsetzen.

Haegue Yang(*1971 in Seoul, Südkorea) studierte am Fine Arts College der Seoul National University in Seoul und an der Städelschule in Frankfurt. 2012 nahm sie an der documenta 13 in Kassel teil, 2009 vertrat sie Südkorea auf der Biennale in Venedig, 2002 Teilnahme an der Manifesta 4 in Frankfurt. Zahlreiche Einzelausstellungen u. a. zuletzt UllensCenter for Contemporary Art, Beijing, China, 2015; Leeum, Samsung Museum of Art, Seoul, Südkorea, 2015; Bonner Kunstverein, Bonn, 2014; Bergen Kunsthall, Norwegen 2013; Aubette 1928 und Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst, Strasbourg, Frankreich, 2013; Tate Modern, London, 2012; Haus der Kunst, München, 2012; Kunsthaus Bregenz, Österreich, 2011.

Kuratorinnen: Dr. Brigitte Kölle und Dr. Petra Roettig

Geta Brătescu. Retrospektive
30. April bis 7. August 2016

Geta Brătescu (geb. 1926) gilt als Grand Dameder konzeptuellen Kunst Rumäniens. Zu ihrem 90. Geburtstag richtet die Hamburger Kunsthalle eine umfassende Werkschau aus, die wichtige Schlüsselwerke und Werkserien aus über sechs Jahrzehnten versammelt. Es ist die erste retrospektiv angelegte Museumsausstellung der Künstlerin außerhalb ihres Heimatlandes Rumänien. Erinnerung und Geschichte, historische Ablagerungs- und organische Wachstumsprozesse, Konformität und Abweichung, Selbstbefragung und -behauptung sind Themen, die Brătescu im Laufe ihres langen künstlerischen Werdegangs immer wieder neu bearbeitet und hinterfragt hat. Ihre Arbeiten haben sowohl politische als auch feministische Anklänge, ohne sich dabei explizit einer Kategorie zuzuschlagen.

Das Werk der in Bukarest lebenden Künstlerin ist außerordentlich vielfältig und lässt sich nicht allein einer Stilrichtung zuordnen. Brătescu arbeitet sowohl abstrakt als auch gegenständlich, kleinteilig wie raumgreifend, und bedient sich unterschiedlicher Medien wie Zeichnung, Fotografie, Film, Stoffarbeit, Skulptur. Sie selbst versteht sich vor allem als eine Zeichnerin im Dienst der Linie und beschreibt ihre farbenfrohen Papiercollagen als ein „Zeichnen mit der Schere“, ihre Stoffarbeit als ein „Zeichnen mit der Nähmaschine“. Zugleich richtet sich das Interesse der Künstlerin in neuen abstrakten Werkserien, den so genannten „Cut Outs“ (Scherenschnitten), auf die Relation von Linie zur Fläche und dekliniert diese in scheinbar unendlichen Reihungen und Modulationen. Fasziniert von Literatur und Philosophie widmet sie sich kenntnisreich den großen Figuren der Weltliteratur wie Medea, Dido oder Faust. Über viele Jahrzehnte war Geta Brătescu zudem für die graphische Gestaltung des Magazins Secolul 20 (heute Secolul 21) verantwortlich, dem wichtigsten kulturellen und intellektuellen Publikationsorgan Rumäniens, dem sie bis heute die Treue hält.

Mit Geta Brătescu. Retrospektivesetzt die Hamburger Kunsthalle eine Reihe von Ausstellungen zu weiblichen Künstlerinnen fort, deren wenig beachtete Werkphasen oder deren Gesamtwerk dadurch eine größere Aufmerksamkeit erfahren. Dazu zählten bislang Louise Bourgeois (Frühjahr 2012), Eva Hesse und Gego (beide Winter 2013/14).

Die begleitende Publikation (dt./engl.) ist die erste deutschsprachige zu Brătescu und umfasst ein Interview mit der Künstlerin, Texte der Kunsthistorikerin Magda Radu und des Autors Michael Köhlmeier sowie zahlreiche Künstlerbeiträge, die den Einfluss und die Bedeutung von Geta Brătescu verdeutlichen.

Kuratorin: Dr. Brigitte Kölle

HONEY, I REARRANGED THE COLLECTION
#1 Magie der Dinge. Von der Tücke des Objekts
30. April 2016 bis 29. Januar 2016

HONEY, I REARRANGED THE COLLECTION ist der Titel einer dreiteiligen Sammlungspräsentation, die sich ab Ende April 2016 über den Zeitraum von drei Jahren grundlegenden Erfahrungs- und Erlebnisbereichen des Menschen widmet: Der Beziehung des Menschen zum Ding, zum Mitmenschen und zum umgebenden Raum. Es ist eine freundliche Einladung an den Besucher, die Sammlung für Gegenwartskunst an der Hamburger Kunsthalle in seiner Bandbreite und seinen Facetten neu zu entdecken. Wie die Figuren eines Theaterstücks oder eines Buches tauchen manche Werke nur vorübergehend gleich einem Auftritt in einzelnen Szenen oder Kapiteln auf und verschwinden wieder. Andere sind kontinuierlich in allen drei Teilen der Präsentation vertreten und bieten so die Möglichkeit, in anderen Zusammenhängen jeweils neu gelesen und verstanden zu werden.

Auftakt der Trilogie macht Magie der Dinge. Von der Tücke des Objekts (2016) und erzählt von unserer Beziehung zum Ding nach dem„material turn“. Dinge, Gebrauchsgegenstände, Sammlungsobjekte und Statussymbole bestimmen in erheblichem Maße unseren Alltag. Zugleich scheinen sie für Widerstand, Unterbrechung oder Beschleunigung zu sorgen und ein Eigenleben zu führen. Darin steckt Potential, das die Künstler auf vielfältige Weise zu nutzen wissen.

HONEY, I REARRANGED THE COLLECTION ist ein Zitat einer Werkgruppe des amerikanischen Künstlers Allen Ruppersberg (*1944) aus den späten 1960er Jahren, bei welcher er Dutzende von sinnvollen oder auch humorvoll-absurden Vorschlägen macht, wie eine Sammlung neu zusammengestellt werden kann.

# 1 Magie der Dinge. Von der Tücke des Objekts (2016)
# 2 Help Me Hurt Me. Zwischen Fürsorge und Grausamkeit (2017)
# 3 Bouncing in the Corner. Die Vermessung des Raums (2018)

Zeichnungsräume. Positionen zeitgenössischer Graphik

30. April bis 30. Oktober 2016

Das Medium der Zeichnung ist so aktuell wie nie: Besonders junge Künstlerinnen und Künstler widmen sich wieder ausschließlich der Zeichnung und setzen damit selbstbewusst neue Akzente. Dabei reicht das Spektrum von der präzisen, kleinformatigen Bleistiftstudie bis zu großen, temporären Rauminstallationen. Die Zeichnung hat sich damit vom intimen Format der Gattung befreit und wechselt in die dritte Dimension, in das bewegte Bild oder sogar in den Animationsfilm. Anlässlich des Abschlusses der Modernisierung der Hamburger Kunsthalle und ihrer Neueröffnung im Frühjahr 2016 zeigt die Galerie der Gegenwart mit rund 100 Meisterwerken der zeitgenössischen Zeichnung aus den Jahren 1960-2015 einen umfassenden Überblick über 50 Jahre Zeichnung. Darunter viele Werke, die seit langer Zeit nicht mehr ausgestellt waren, sowie Neuerwerbungen der letzten Jahre.

Künstlerinnen und Künstler verstehen ihre Zeichnungen nicht mehr nur als Skizzen und Studien, sondern als Konstruktionen (Hanne Darboven), Diagramme (Franz Erhard Walther), Reportagen (Alexander Roob) oder – wie die Berliner Künstlerin Jorinde Voigt – als Partituren, wobei die Linie zum Ausdrucksmittel für Zeit, Erinnerung und Raum wird. Diese neuen Tendenzen stehen im Mittelpunkt der Sammlungspräsentation Zeichnungsräume, die zugleich einen Überblick über die außergewöhnlichen Bestände des Hamburger Kupferstichkabinetts geben will.

Gezeigt werden ca. 100 Arbeiten von Martin Assig, Silvia Bächli, Jill Baroff, Bernhard Joh. Blume, Marc Brandenburg, Hanne Darboven, Jim Dine, Felix Droese, Marcel van Eeden, Bea Emsbach, Katharina Hinsberg, Jannis Kounellis, Olaf Metzel, Thomas Müller, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, Dieter Roth, K. R. H. Sonderborg, Malte Spohr, Thomas Schütte, Kai Sudeck, Rosemarie Trockel, Jorinde Voigt, Franz Erhard Walther u.a.

Kuratorin: Dr. Petra Roettig

Piranesi. Carceri

30. April bis 21. August 2016

Die Hamburger Kunsthalle präsentiert ab dem 30. April 2016 die frühe bzw. überarbeitete Folge der Carceri(Kerker) von Giovanni Battista Piranesi (1720-1778), die aufgrund ihrer großen künstlerischen Virtuosität zweifelsfrei zu den einflussreichsten Werken der Druckgraphik überhaupt zählt. Der venezianische Künstler veröffentlichte die vierzehnteilige Radierfolge erstmals 1749/50 in Rom. Das Werk fand zunächst kaum Beachtung. Knapp zehn Jahre später überarbeitete Piranesi sämtliche Blätter, wobei er die Szenen vor allem durch stärkere Hell-Dunkel-Kontraste ins Unheimliche und Bedrohliche veränderte. Diese 1761 erstmals erschienene und um zwei Darstellungen erweiterte zweite Ausgabe hat die Menschen seit mehr als 250 Jahren auf besondere Weise fasziniert. Zahlreiche bildende Künstler, Schriftsteller und Filmemacher ließen sich von ihr zu eigenen Schöpfungen anregen. Zudem sind in der Ausstellung eine der extrem seltenen Vorzeichnungen und mehrere thematisch ähnliche Entwurfsblätter zu sehen. Sämtliche Exponate stammen aus eigenem Besitz.

Die großformatigen Darstellungen der Carceri stellen verschiedene Innenansichten von ganz ungewöhnlichen Gefängnissen dar, denn trotz der erkennbaren Folterinstrumente, Gitter und Ketten entziehen sich die dargestellten Räume in vielerlei Hinsicht der gewohnten Seherfahrung. Charakteristisch ist vor allem die unlogische Kombination architektonischer Elemente. Mauern, Rampen, Treppen, Spiralen, Türme, Bögen, Gewölbe und Pfeiler sind auf eigentümliche Weise übereinander gestellt sowie ineinander verschachtelt, womit permanent physikalischen Gesetzen widersprochen wird. Piranesi verzerrt zudem Proportionen und durch die Verschiebung der Fluchtpunkte werden die räumlichen Grenzen aufgehoben. Diese Entwürfe sind auf dem Papier gebaute Visionen, die keinerlei Möglichkeit auf Realisierung haben. Insofern mag es überraschen, dass sich Piranesi aufdem Titelblatt der zweiten Ausgabe selbst als Architekten bezeichnet. Visualisiert werden diese Visionen mit einer stupenden Radiertechnik. Konträr zu der Mehrzahl zeitgenössischer Architekturansichten, ist Piranesis Strichführung extrem unruhig, geradezu vibrierend.

Die in jeder Hinsicht irritierenden Blätter der Carceri haben vielfältige Deu-tungen hervorgerufen. Man interpretierte sie als zuArchitektur geronnene, alptraumhafte Angstzustände, als blasphemische Abkehr von der göttlichen Weltordnung oder etwa als Inbegriff labyrinthischerSchreckensvisionen. Unstrittig ist, dass diese Werke beim Betrachter zumeist das Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins hervorrufen. Als Ausdruck existentieller Bedrohung sind sie auch im 21. Jahrhundert von ungebrochener Aktualität. Die Ausstellung wird im Harzen-Kabinett, dem neuen Saal zur Präsentation von Zeichnungen und Graphik gezeigt, der mit Abschluss der Modernisierung der Kunsthalle im Frühjahr 2016 eröffnet wird. Begleitend zur Ausstellung soll ein Katalog mit Essays zur Folge sowie sämtlichen Abbildungen erscheinen. Zudem ist ein umfangreiches Programm für Schulklassen und Erwachsene geplant.

Kurator: Dr. Andreas Stolzenburg

Kunst in Hamburg
30.April 2016 bis Mitte 2017

Mit Abschluss der Modernisierung der Hamburger Kunsthalle im Frühjahr 2016 wird es einen neu gestalteten Saal mit Präsentationen zur Kunst in Hamburg aus den Sammlungsbereichen der Kunsthalle geben. Das dauerhafte Ausstellen von Werken Hamburger Künstlerinnen und Künstler steht in der Tradition von Alfred Lichtwark, dem ersten Direktor der Kunsthalle. In einem regelmäßigen Turnus von ca. einem Jahr werden im neuen Saal Kunst in Hamburg Werke unterschiedlicher Kunstepochen gezeigt – von den Alten Meistern bis hin zur Gegenwart. Den Anfang macht die Klassische Moderne (Kuratorin: Dr. Karin Schick) mit einer Präsentation zum Hamburgischen Künstlerclub von 1897. Zu sehen sein werden Werke von Künstlern wie Arthur Illies, Ernst Eitner, Julius von Ehren und anderen.

Es ist geplant, Mitte 2017 die großformatige Installation heizen (1996-97) von Andreas Slominski aus dem Bereich der Gegenwartskunst (Kuratorin: Dr. Brigitte Kölle) zu zeigen.

Manet – Sehen. Der Blick der Moderne
27. Mai bis 4. September 2016

Ab Ende Mai 2016 zeigt die Hamburger Kunsthalle aus Anlass ihrer Wiedereröffnung mit Manet – Sehen. Der Blick der Moderne eine Ausstellung der Superlative: Mit Meisterwerken von Édouard Manet (1832-1883) präsentiert sie einen der bedeutendsten Wegbereiter der modernen Malerei, der die Kunst im 19. Jahrhundert wie kein Zweiter revolutioniert hat. Das Thema der Ausstellung, Manets Blicke, zeigt das Werk des Künstlers in einer neuen Perspektive. Seine Gemälde, die schon im 19. Jahrhundert in den Pariser Salon-Ausstellungen Publikumsmagneten waren, lösten wahre Proteststürme aus. Das lag vor allem an seiner malerischen Strategie, mit bisher unbekannter Direktheit ein spannungsvolles Verhältnis zwischen den Personen im Bild und den Betrachtern herzustellen. Diese bisweilen direkte Ansprache des Betrachters fasziniert bis heute. Manets Gemälde verdeutlichen, wie sich das Sehen in der Öffentlichkeit der modernen Metropole Paris seit den 1860er-Jahren unaufhaltsam verändert – ein Wandel, den Manet und seine Zeitgenossen in ihrer Kunst pointiert zum Thema machten. In der Rückwendung auf Alte Meister, wie etwa auf die großen Spanier Velázquez und Goya, aber gleichzeitig auch in der Beschäftigung mit den Themen des modernen Lebens, entwickelt Manet die neue Bildsprache seiner Zeit.

Sehen und gesehen werden war auch das große Thema, das die Pariser zu den Salon-Ausstellungen lockte. Erstmals zeigt die Hamburger Kunsthalle Bildpaare, die Manet für die Hängung im Salon ausgewählt hat: Die Nana(1877) aus der Sammlung der Hamburger Kunsthalle hängt Seite an Seite mit Jean-Baptiste Faure in der Rolle des Hamlet (1877), eine Leihgabe aus dem Museum Folkwang in Essen; weiterhin begegnen sich die Meisterwerke Le balcon(1868/69) aus dem Musée d’Orsay in Paris und Le déjeuner (1868) aus der Neuen Pinakothek in München; und auch so hochkarätige Werke, wie Lola de Valence(1862) aus dem Musée d’Orsay oder Le philosophe(1865/67) aus dem Art Institute of Chicago, die Manet gemeinsam in seinemPavillon anlässlich der Weltausstellung 1867 präsentierte, werden in Hamburg zu sehen sein.

Mit Manets Spitzenwerken aus internationalen Museen bietet die Ausstellung die einmalige Gelegenheit, den ganzen Manet vom Frühwerk bis zum Spätwerk zu sehen – eine Chance, die es in Deutschland seit Jahrzehnten nicht gegeben hat.

Die Schirmherrschaft für Manet – Sehen. Der Blick der Moderne tragen Henri Loyrette, ehemaliger Direktor des Louvre, und Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg sowie seit Januar 2015 Bevollmächtigter für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit Essays von Michael Diers, Dorothee Hansen, Joachim Kaak, Matthias Krüger, Michael Lüthy und Barbara Wittmann sowie Beiträgen weiterer Autorinnen und Autoren aus der Hamburger Kunsthalle. Namhafte Künstlerinnen und Künstler wie die Sopranistinnen Annika Sophie Ritlewski und Melanie Diener, der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil und die Schauspielerin Johanna Wokalek werden das musikalische und literarische Begleitprogramm zur Ausstellung bereichern.

Kurator: Prof. Dr. Hubertus Gaßner

Das neue Art Lab im Hubertus-Wald-Forum
Erstes Projekt AUSSEN/INNEN mit dem Radialsystem V
Acht Aufführungs-Termine ab dem 24. Juni 2016

Nach Abschluss der Modernisierung der Hamburger Kunsthalle soll das Hubertus-Wald-Forum nicht nur für die Präsentation von großen Ausstellungen genutzt werden. Während ein bis maximal zwei Monaten im Jahr wird der Raum – der bis ins Jahr 2000 Außenspielstätte des ThaliaTheaters war – künftig auch zu einem Ort des »künstlerischen Forschens«. Unter dem Titel Art Labsollen hier über Spartengrenzen hinweg neue künstlerische Erkenntnis- und Erlebnis-räume in Kooperation mit innovativen Partnerinstitutionen erschlossen werden. In seiner Hybridfunktion zwischen Aufführungs- und Ausstellungsort ist der Raum, der je nach Projekt rund 200 bis 400 Zuschauern Platz bietet, ein idealer Ort für die Umsetzung interdisziplinärer Ansätze. Das Art Lab ist zugleich der Versuch, im Herzen einer etablierten Kulturinstitution einen Freiraum für neue Resonanzerfahrungen zu schaffen. Es geht damit letztlich um die »Wiederentdeckung der Institution«: Um das Ausloten von Spielräumen, Institutionen von innen heraus mit den im Off-Spektrum entwickelten Strategien und Ansätzen zu konfrontieren, zu bereichern und zu verändern.

Die Hamburger Kunsthalle hat sich das Radialsystem Vals ersten Partner für diesen Erkundungsprozess ausgesucht. Das inzwischen weltweit bekannte Berliner Kreativ-Kollektiv und sein Leiter Folkert Uhde sind auf spartenübergreifende Projekte spezialisiert. Bereits 2013 waren sie mit Inside Partita zwei Abende lang in der Hamburger Kunsthalle zu erleben. Das erste Projekt im neuen Art Lab trägt den Titel AUSSEN/INNEN. Das akustisch-visuelle Spiel zwischen Videokunst, Performance und klassischer Musik stellt die Frage nach den Rezeptionsbedingungen von Kunst im »Zeitalter der Flüchtigkeit«. AUSSEN/INNEN beschäftigt sich zudem explizit mit den Folgen der architektonischen Veränderungen der Hamburger Kunsthalle, mit ihrer durch die Setzung des künftigen Zentraleingangs veränderten Verortung in der Stadt sowie mit dem zugleich angestoßenen inhaltlichen Erneuerungsprozes.

Im Frühjahr 2016 werden Videoaufnahmen von Musikstücken im Umfeld der unterschiedlichen Stadträume rund um die Kunsthalleproduziert: Auf dem Weg vom Bahnhof, auf den umliegenden Brücken, auf der Grünfläche jenseits der Gleisflächen, an der Alster, inmitten des Stadtverkehrs. Im Hubertus-Wald-Forum werden die Videos dann auf die Wände projiziert. Musiker, die zunächst in den Videos zu sehen sind, finden sich plötzlich im Aufführungsraum wieder, andere interagieren live mit ihren visuellen Avataren. Der Abend zentriert sich immer mehr, die Konzentration verdichtet sich, der Innenraum wird wichtiger als der Außenraum. Die Aufführung endet in Dunkelheit.

AUSSEN/INNEN wird eigens für die Hamburger Kunsthalle kreiert. Es erklingen Kompositionen von Steve Reich, Ali Askin, Fausto Romitelli und Carl Philipp Emanuel Bach sowie Improvisationen. Das Hamburger Ensemble Resonanz, das für urbane Konzepte der Präsentation klassischer und zeitgenössischer Musik steht, fungiert als ausführender Partner. Das Projekt wird zudem von Jim Rakete fotografisch begleitet. Künstlerische Konzeption: Folkert Uhde und Ilka Seifert(Radialsystem V) in Zusammenarbeit mit Stefan Brandt (Hamburger Kunsthalle) MusikerInnen: Ensemble Resonanz, Hamburg Termine: Premiere am 24. Juni 2016 um 20 Uhr; insgesamt acht Aufführungen bis Anfang Juli.

Spurenlese
Zeichnungen und Aquarelle aus drei Jahrhunderten
2. September bis 4. Dezember 2016

Ab Herbst 2016 präsentiert die Hamburger Kunsthalleetwa 120 Zeichnungen deutscher Künstler vom Beginn des 17. Jahrhunderts bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert aus einer bisher niemals ausgestellten Privatsammlung. Die Sammlungsschwerpunkte spiegeln sich in der Ausstellung wider: Neben Prag wurde Augsburg und vor allem München bereits vor 1600 zu einem der wichtigsten Kunstzentren. In der Stadt waren Künstler wie der aus den Niederlanden stammende Peter Candid oder Friedrich Sustris tätig – beide sind mit gewichtigen Werken in der Ausstellung vertreten. Die internationale Hofkunst in Prag unter Kaiser Rudolf II. repräsentiert ein Werk von Matthias Gundelach, der nach dem Tod Rudolfs nach Augsburg übersiedelte, wo Künstler wie Hans Rottenhammer, Lucas Kilian oder Joseph Werner eine außergewöhnliche Produktivität entwickelten. Johann Georg Bergmüller und Johann Wolfgang Baumgartner stehen für diese Entwicklung im 18. Jahrhundert.

Die Mehrzahl der Exponate stammt aus der Goethezeit und belegt die gestiegene Bedeutung der Zeichnungskunst in Deutschland um 1800. Werkkomplexe von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und Julius Schnorr von Carolsfeld führen die künstlerische und thematische Vielfalt dieser Kunst vor Augen, die ohne die Erfahrung Italien erlebt zu haben nicht denkbar ist. Vertreter der nazarenischen Kunst wie Friedrich Overbeck oder Joseph Führich suchten in Italien die Erneuerung der deutschen Kunst in der Religion, andere führten die Landschaftskunst auf neue Wege, wie zunächst JohannChristian Reinhart oder Johann Martin Rhoden und in nächster Generation Franz Horny, Carl Philipp Fohr, Heinrich Reinhold oder Ernst Fries. Johann Georg Dillis und Franz Kobell fanden ihre Motive in München, wo sie Land und Leute der Umgebung zeich-neten. Kobells Neffe Wilhelm Kobell gab den Darstellungen durch die Ver-schmelzung romantischer und realistischer Züge ein eigenes Gesicht. In Dresden waren es Adrian Ludwig Richter und seine Schüler, vertreten durch Künstler wie Albert Venus, Victor Paul Mohn und Heinrich Franz Dreber, die eine eigene Tradition der Landschaftskunst begründeten.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet das Kunstgeschehen in Hamburg: Werke von im 17. Jahrhundert tätigen Künstlern wie Jakob Matthias Weyer und Johann Moritz Riesenberger leiten über zur Kunst um 1800, die mit herausragenden Werken Philipp Otto Runges vertreten ist. Zeichnungen seiner Zeitgenossen Erwin und Otto Speckter, Julius Milde und Christian Morgenstern geben zudem einen erweiterten Einblick in diese auch für die Hansestadt überaus fruchtbare Kunstepoche. Die Ausstellung reist von Hamburg nach Paris weiter, wo sie in der Fondation Custodia vom März bis zum Mai 2017 zu sehen sein wird. Begleitend zur Ausstellung wird ein Katalog (deutsch/englisch) erscheinen.

Kuratoren: Dr. Peter Prange und Dr. Andreas Stolzenburg

Clemens von Wedemeyer
16. September 2016 bis 8. Januar 2016

Die Hamburger Kunsthalle widmet dem Filmemacher undVideokünstler Clemens von Wedemeyer ab Herbst 2016 die erste Einzelausstellung in einem deutschen Museum. In enger Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstler und seinen Galerien wird ein umfassender Überblick des Gesamtwerks präsentiert. Clemens von Wedemeyer beschäftigt sich in seinen Filmen mit den Wahrnehmungen des Betrachters und vor allem mit dem Kino als Denk-, Projektions- und Produktionsraum und mit der Leinwand als Schnittstelle. Seine experimentellen Arbeiten bewegen sich zwischen Dokumentation und Spielfilm, zwischen Realität und Fiktion. Dabei bezieht sich von Wedemeyer dramaturgisch und filmtheoretisch vielfach auf Klassiker der Filmgeschichte wie Sergej Eisenstein, Andrej Tarkowskij, Pier Paolo Pasolini, Michelangelo Antonioni oder Guy Debord.

Clemens von Wedemeyer (*1974 in Göttingen) lebt undarbeitet in Berlin und Leipzig, wo er seit 2013 als Professor für Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst tätig ist. Wedemeyer studierteFotografie und Medien an der Fachhochschule Bielefeld und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Bekannt wurde er vor allem mit seinem Beitrag zur documenta 13 (2012), der die wechselhafte Geschichte des Benediktinerklosters Breitenau nahe Kassels dokumentiert. In der 3-Kanal-Video-Instalation Musterwurden auf drei im Dreieck angeordnete Projektionsflächen die verschiedenen histo-rischen Nutzungen des Gebäudes als Kloster, Gefängnis, Konzentrationslager und schließlich Arbeitslager für Mädchen wie in einer Zeitreise miteinander verschmolzen.

Kuratorin: Dr. Petra Roettig

Dalí, Ernst, Miró, Magritte …
Surreale Begegnungen aus den Sammlungen Edward James, Roland Penrose, Gabrielle Keiller, Ulla und Heiner Pietzsch
7. Oktober 2016 bis 22. Januar 2017

Mit der groß angelegten Schau Dalí, Ernst, Miró, Magritte …präsentiert die Hamburger Kunsthalle über 150 teils nie gereiste Meisterwerke des Surrealismus aus vier der bedeutendsten europäischen Privatsammlungen des 20. Jahrhunderts. Gezeigt werden weltbekannte Ikonen wie das Mae-West-Lippensofa(1938) und ein vier Meter großer Paravant des jungen Salvador Dalí, geheimnisvolle Bildrätsel von René Magritte wie Reproduktion verboten(1937), poetische Formfindungen von Joan Miró und zukunftsweisende bild-nerische Experimente von Max Ernst. Berühmte Werke stehen neben neu zu entdeckenden Arbeiten, soder in Deutschland wenig bekannten Surrealistinnen Leonora Carrington, Dorothea Tanning und Leonor Fini. Mit Spitzenwerken aller künstlerischen Medien verführt die Ausstellung den Betrachter, wie die Surrea-listen es in den 1920er Jahren suchten, in die Traumwelten des Unbewussten. Sie wirken bis heute so schockierend wie überraschend, so humorvoll wie faszinierend.

Der Surrealismus, die prägende Kunstströmung des 20. Jahrhunderts, wird auf diese Weise in einer bisher nicht gesehenen Breite erlebbar. Zugleich legt die Ausstellung mit ihrem Einblick in die Entstehung und Qualität von vier der legendärsten Surrealismus-Sammlungen des 20. Jahrhunderts einen neuen Forschungsschwerpunkt: Sie untersucht in »surrealenBegegnungen« von Werken, Künstlern und Sammlerpersönlichkeiten Unterschiede und Vergleichbarkeiten des Sammlerverhaltens und Entwicklungen des Kunstmarktes innerhalb von 50 Jahren. Sie macht die Integration des surrealistischen Denkens in das Zuhause des Sammlers für den Besucher nachvollziehbar und erstmals das komplexe Verhältnis von Sammler, Förderer und Künstler für den Surrealismus anschaulich:

Während der exzentrische englische Poet und Auftraggeber Edward James (1907-1984) und sein Landsmann, der Künstler-Kurator Roland Penrose (1900-1984) Förderer und Freunde der Szene seit der ersten Stunde waren, führen uns die Kollektionen der Schottin Gabrielle Keiller(1908-1996) und des bis heute sammelnden Berliner Ehepaars Ulla und Heiner Pietzsch die nachhaltige Verführungskraft des Surrealismus seit den 1960er Jahren vor Augen. Die vier, heute teils in alle Welt zerstreuten Sammlungen werden erstmals teilrekonstruiert und miteinander konfrontiert. Sie bestärken und ergänzen sich auf überraschende Weise. Präzise Werkgegenüberstellungen verdeutlichen die jeweiligen Sammlungsschwerpunkte und zeigen, wie die Sammler und Sammlerinnen die surreale Auffassung des »Wunderbaren« in ihre Realität, und das »Unheimliche« in ihr Heim integrierten.

Das Ausstellungsprojekt der Hamburger Kunsthalle entsteht in einer erstmaligen trinationalen Kooperation mit der Scottish National Gallery of Modern Art in Edinburgh und dem Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam. Eine Vielzahl von weiteren internationalen Leihgaben ausbedeutenden europäischen und amerikanischen Museen und Privatsammlungen macht den spannungsreichen Dialog möglich. Die Schau präsentiert Hauptwerke von u.a. Jean Arp,Hans Bellmer, Victor Brauner, André Breton, Leonora Carrington, SalvadorDalí, Paul Delvaux, Oscar Domínguez, Marcel Duchamp, Max Ernst, Léonor Fini, Alberto Giacometti, Valentine Hugo, René Magritte, Man Ray, André Masson, Joan Miró, Richard Oelze, Meret Oppenheim, Wolfgang Paalen, Roland Penrose, Valentine Penrose, Francis Picabia, Pablo Picasso, Kurt Seligmann, Yves Tanguy und Dorothea Tanning.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter wissenschaftlicher Katalog mit zahlreichen Essays von internationalen Surrealismus-Experten in deutscher, englischer und holländischer Ausgabe. Die HamburgerKunsthalle bietet ein umfangreiches und multimediales Begleitprogramm zur Ausstellung an.

Kuratorin der Ausstellung: Dr. Annabelle Görgen-Lammers

 

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