Kunst für sehbehinderte Menschen erlebbar machen

Kunst öffnet die Augen und bewegt! »Dem Kunsthistorischen Museum ist es seit jeher ein großes Anliegen, allen Besuchern und Besucherinnen seine reichhaltigen Sammlungen im Sinne der Inklusion anzubieten. Ob Seh- oder kognitive Beeinträchtigung – die gemeinsame Kunstbetrachtung und die Möglichkeit, im Atelier kreativ tätig zu werden, eröffnen neue Perspektiven und wecken Emotionen. «

Um die barrierefreien Angebote bestmöglich gestalten zu können, nahm das Team der Kunstvermittlung an einem Erasmus+Mobilitätsprogramm teil. Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs schulte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kunsthistorischen Museums Wien im Umgang mit sehbeeinträchtigten Menschen durch spezielle Sensibilisierungstrainings.

Das Erfassen einer Bildkomposition stellt die Kunstvermittlung vor eine besondere Herausforderung. Gehen Sie allein oder in Begleitung eines Kunstvermittlers oder einer Kunstvermittlerin auf eine besondere Entdeckungsreise zu den Meisterwerken der Gemäldegalerie. Tastreliefs, taktile Transparentfolien und auditive Beschreibungen leisten dabei eine wertvolle Unterstützung. Je mehr Sinne für die Wahrnehmung von bildender Kunst stimuliert werden, desto lebendiger und umfassender wird sie auf den Menschen wirken.

Die hier vorliegende Publikation ist derartig gestaltet, dass Menschen egal welchen Sehvermögens die Kunst der Alten Meister mit allen Sinnen allein oder im Dialog mit anderen erleben können. Sie präsentiert vier Meisterwerke der Gemäldegalerie in einer Kombination aus anregenden optischen, haptischen und auditiven Elementen.

Farblich in verstärkten Kontrasten wiedergegebene Gesamtabbildungen der besprochenen Kompositionen, darüber liegende transparente taktile Folien, Details der Gemälde in unterschiedlich hoch applizierten Umrisslinien und Bildbeschreibungen in gut lesbarer, großer Schwarzschrift und Braille bieten vielfältige Zugänge, zweidimensionale Kunst zu erleben.

Zusätzlich liegen in leicht handzuhabenden Polybags eine CD als klassische Audiodatei und eine zweite im Daisy Format mit vertiefende Informationen bei (Spieldauer ca. 80 Minuten). Das Museumsbuch ist in Österreich in dieser Art einzigartig.

Blinden und sehschwachen Menschen eröffnet sich im Kunsthistorischen Museum eine ganz neue Sicht auf Gemälde. Bisher war das Erleben von Bildinhalten nur durch intensiven Dialog mit einer Begleitperson möglich. Dank spezieller Technologien können Bilder nun in zu ertastende Reliefs umgesetzt werden. Dadurch kann der Besucher die Grundformen, aus denen eine gemalte Komposition besteht, selbständig und direkt erfassen. Die gewonnenen Eindrücke werden zusätzlich durch verbale Erläuterungen von KunstvermittlerInnen vertieft. Außerdem steht eine Broschüre in Brailleschrift zur Verfügung, die neben einer blindengerechten Bildbeschreibung auch weiterführende Informationen über das jeweilige Werk beinhaltet. Zum Gemälde passende Gegenstände für weitere taktile Erfahrungen vertiefen die gewonnen Eindrücke.

Das Projekt wurde im Rahmen der Vermittlungsinitiative „Kulturvermittlung mit Schulen in Bundesmuseen 2010“ vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur gefördert und von KulturKontakt Austria beratend begleitet und in Zusammenarbeit mit VRVis Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs GmbH realisiert.

Mehr zu den barrierefreien Angeboten des Kunsthistorischen Museums Wien unter khm.at

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