Kunsthalle Bremen: Videokunst Förderpreis an E.S. Mayorga und Sharlene Khan

Videokunst Förderpreis Bremen: E.S. Mayorga und Sharlene KhanBildschirmfoto 2016-01-22 um 12.34.29

Die Kunsthalle Bremen präsentiert vom 20. Februar bis 1. Mai 2016 die zwei Preisträger des 23. Videokunst Förderpreises in einer Sonderausstellung.

Im April 2015 hat E.S. Mayorga den mit 5.000 Euro dotierten Hauptpreis für sein Projekt The Role Of Fear zugesprochen bekommen. Den zweiten Preis über 1.500 Euro erhielt Sharlene Khan für ihr Projekt When the moon waxes red. In der Ausstellung werden die prämierten Werke durch weitere Arbeiten der Künstler ergänzt. Die Jury des Videokunst Förderpreises zeichnet jährlich zwei künstlerische Ideen und Konzepte aus, die anschließend mit Hilfe des Preisgeldes realisiert werden.

Hauptpreis: The Role of Fear von E.S. Mayorga

Der 1975 in Mexiko City geborene E.S. Mayorga stellt in seinem autobiografischen Dokumentarfilm The Role of Fear Selbstbeobachtungen aus 300 Stunden seit seinem 15. Lebensjahr angefertigtem Videomaterial zusammen. Dabei setzt er sich intensiv mit dem Themenkomplex des „Horror“ auseinander. Dieser war zunächst ein abstraktes Forschungsprojekt für Mayorga, bis einschneidende Erlebnisse sein Leben und seine Einstellung zum „Horror“ veränderten: Zum einen waren dies paranormale Phänomene, die er in Mexiko erlebte, zum anderen das Verschwindenlassen seiner jüngeren Schwester Ana 2012 durch Mitglieder des Drogenkartells „La Familia“ und der mexikanischen Bundespolizei.

„Wir leben in einer Fiktion aus Medien und Kommerz, Religion und Politik, die mich müde macht. In
meinem Projekt „The Role of Fear“ will ich radikal ehrlich sein und der Wahrheit hinter verschiedenen
Fiktionen auf den Grund gehen. Der Film ist ein visueller Essay über die Themen, die mein Leben und
meine künstlerische Praxis radikal verändert haben.

Mayorga befasst sich, auch mit besonderem Blick auf Mexiko, mit realer Gewalt, Widersprüchen in der Gesellschaft und ökonomischen Ungleichgewichten. E.S. Mayorga wurde 1975 in Mexiko City geboren. Er studierte am Centro Nacional de las Artes und war Meisterschüler an der Hochschule für Künste in Braunschweig; E.S. Mayorga lebt in Wiesbaden.

Das erste Kapitel „From Crime to Art“ zeigt meinen Weg vom Kleinkriminellen bis zu meiner Entscheidung Künstler zu werden. Ich beschreibe, wie sich meine ersten künstlerischen Projekte am Rande der Legalität entwickelten. Aber dies ist nur der fröhliche Beginn einer Geschichte, die zu unheimlich ist um wahr zu sein. In der Kunsthalle Bremen wird außerdem das zweite Kapitel „Let Jesus Fuck You!“ zum ersten Mal zu sehen sein, in dem ich mich mit paranormalen Phänomenen beschäftige. Durch den Videokunst Förderpreis fühle ich mich in meiner Arbeit bestätigt und geehrt.“ (E.S. Mayorga)

Aus der Begründung derr Jury:
„Seine künstlerischen Recherchen geraten ob der dabei eingesetzten Mittel zu atemlosen Tiefflügen durch die Filmhistorie und durch die eigenen psychischen Abgründe. Kennzeichnend ist, dass es ihm gelingt, eine medienimmanente Dialektik von Realitäten und Fiktionen ebenso wie von Analytik und Poetik zu erkennen und in eine künstlerische Form zu überführen, die sich nicht mehr nur auf Leinwand oder Monitor abspielt, sondern buchstäblich im Auge (und Kopf) des Betrachters. Dabei leistet Mayorga in seiner Arbeit eine Reflexion medialer Gegenwart wie politischer und sozialer Verhältnisse, die von Medien mit geformt werden und gleichermaßen auf sie zurückwirken.“

Zweiter Preis: When the moon waxes red von Sharlene Khan

Den zweiten Preis erhielt Sharlene Khan mit ihrer Arbeit When the moon waxes red. Die 1977 geborene Südafrikanerin untersucht in ihrem Projekt die Geschichte der Frauen in Südafrika seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert aus einer persönlichen Perspektive. In ihrem Werk verbindet sie Videos, inszenierte Fotografien und handgemachte Spitzen. Letztere interpretiert Khan einerseits als Möglichkeit, sich in einem von Gewalt und Rassismus geprägten Umfeld zu behaupten, andererseits spiegeln sie die religiösen und gesellschaftlichen Konventionen, welche die Unterdrückung bestimmten. Die Südafrikanerin Sharlene Khan (geb. 1977) schloss ihr Kunststudium mit einer Promotion an der Londoner Goldsmiths Universität ab; neben 9 Einzelausstellungen waren ihre Werke auch in Frankreich, Indien, Schweden, Südafrika, in den USA, in Qatar und in der Bundesrepublik zu sehen.

„When the wood waxes red (2016) is a tribute to various women: my grandmother and mother in particular, migrant women of colour globally who overcome incredible odds in ensuring the welfare of their families and communities; as well as great women intellectuals Trinh T. Minh-ha, bell hooks and Audre Lorde, whose  iscourses on textured narratives and bio-mythography enable me to speak of British  Indentured labour in  Durban, South Africa during colonialism.

This project has been six years in the making and theVideokunst Förderpreis Bremen has enabled me to present the work in its first stage to an international audience. While the work is deeply personal, it nonetheless resonates with the time at hand as people, due to harsh socio-economic and political circumstances, are forced to leave their homes and begin life anew in a foreign climate. When the moon waxes red is an ode to such journeys.” (Sharlene Khan)

Zur Begründung der Jury

„In einem Umfeld von verschiedenen Arbeitsvorhaben, die sich mit gesellschaftlichen und politischen
Themen beschäftigten, fiel Khans Projekt durch den nachdenklichen unsentimentalen Ton auf und ihre
Arbeitsbeispiele durch die konsistente Bildsprache. Khan beruft sich auf Audre Lordes’ Auffassung von
Historisierung als feministischer Aufgabe und findet für dies
überzeugende Form.“

 

Der Videokunst Förderpreis
Der Videokunst Förderpreis des Filmbüro Bremen wird jährlich und inzwischen zum 23. Mal vergeben.
Die dreiköpfige Jury – dieses Mal besetzt mit Dr. Arie Hartog (Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses, Bremen), Susann Maria Hempel (Videokünstlerin und frühere Preisträgerin, Greiz) und Kai Hoelzner (Galerist, Berlin) – bewertet eingereichte Konzepte aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und aus Bremens Partnerstädten. 2015 lagen der Jury 211 Projekte vor. Die Preisgelder stammen von der Bremischen Landesmedienanstalt, dem Senator für Kultur und dem Künstlerinnenverband GEDOK.

 

 

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