MAK: JOSEF FRANK – Against Design

MI, 16.12.2015–SO, 12.06.2016

Der 1885 in Baden bei Wien geborene Josef Frank zählt nicht nur zu den bedeutendsten österreichischen ArchitektInnen des 20. Jahrhunderts, sondern mit seinen Entwürfen für Textilien und Möbel auch zu den GestalterInnen der Moderne, denen das internationale Design bis heute wichtige Impulse verdankt. Als einer der zentralen VertreterInnen der sogenannten „Zweiten Wiener Moderne“ sah sich Frank aufgrund des zunehmenden Antisemitismus im Jahr 1933 gezwungen, Österreich zu verlassen und nach Schweden zu emigrieren, wo er – nachdem er von 1939 bis 1947 in den USA gelebt und gearbeitet hatte – 1967 in Stockholm verstarb.

Die Ausstellung JOSEF FRANK: Against Design widmet sich dem wegweisenden und vielfältigen Œuvre des Architekten in seiner gesamten Vielfalt. Angesichts einer kaum zu überblickenden Fülle heute noch aktueller Möbel- und Textilentwürfe und seiner intensiven Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten von Architektur und Wohnen in der Moderne mag es dabei zunächst irritierend erscheinen, eine Ausstellung über Josef Frank mit Against Design zu betiteln. Der heute noch als „zeitgenössisch“ geltende Designer und Designkritiker Frank vertrat einen pragmatischen Gestaltungsansatz und plädierte für eine einfache und „normale“ – aber keinesfalls normative – Architektur und Formgebung. Bereits Vorhandenes sollte dabei selbstverständlich berücksichtigt und intuitiv für den Gebrauch weiterentwickelt werden, ohne dabei größere Ansprüche auf Repräsentation und Innovation zu erheben. Für Frank standen weniger formale Qualitäten als vielmehr solche des sozialen Erlebens im Vordergrund; seine Inneneinrichtungen und Gebrauchsgegenstände sollten nicht formalistischen Konzepten unterworfen, sondern in den Dienst der Bequemlichkeit gestellt werden.

Gerade heute scheinen Josef Franks Vorstellungen einer ungekünstelten und unprätentiösen Zweckdienlichkeit, die auf eine eigenständig freie, aufgeklärt bürgerliche Wohn- und Lebenskultur jenseits stilistischer Dogmen und modischer Konventionen abzielte, aktueller denn je.

Gastkurator: Hermann Czech
Kurator: Sebastian Hackenschmidt, Kustode MAK-Sammlung Möbel und Holzarbeiten

Weitere Informationen: MAK

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WED, 16.12.2015–SUN, 12.06.2016

Josef Frank (born in 1885 in the town of Baden near Vienna) is not only one of the most important Austrian architects of the 20th century, but also, with his designs for textiles and furniture, one of the modernist designers whose influence continues to be felt in international design today. As a central representative of the “second Viennese Modernism,” in 1933 Frank saw no choice but to leave Austria in light of the mounting anti-Semitism and emigrated to Sweden, where—apart from a period spent living and working in the United States between 1939 and 1947—he continued to live up until his death in 1967.

The exhibition JOSEF FRANK: Against Design presents the full scope of Frank’s pioneering and diverse oeuvre. In light of his prodigious output of furniture and textile designs that remain current to this day and his intensive involvement with the possibilities of architecture and living in the modern era, the title Against Design might at first seem a puzzling choice for an exhibition on Josef Frank. Frank, whose work as a designer and design critic continues to be considered contemporary today, represented a pragmatic approach to design and argued for a simple and “normal”—but by no means normative—architecture and design. He believed that existing elements should be taken into account as a matter of course and intuitively developed for practical use, without striving toward representation and innovation. To Frank, it was not so much the formal qualities, but those of social experience that were important; his interiors and household objects were not intended to be subjected to formalist concepts, but placed at the service of convenience.

Especially today, Josef Frank’s ideas about an uncontrived and unpretentious functionality, whose aim was an independent, free, enlightened bourgeois domestic culture far from stylistic dogmas and fashionable conventions, seem more relevant than ever.

Guest Curator: Hermann Czech
Curator: Sebastian Hackenschmidt, Curator, MAK Furniture and Woodwork Collection

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