Marta Herford: Programm-Vorschau 2016/2017

Marta, Herford – Programm-Vorschau 2016/2017Marta

7. Februar – 1. Mai 2016, Eröffnung: 7. Februar, 11.30 Uhr
Brutal schön – Gewalt und Gegenwartsdesign

Gewalt ist allgegenwärtig – ob in der direkten Konfrontation, im politischen Alltag oder in kriegerischen Konflikten. Doch auch Design ist allgegenwärtig – ob in verarmenden Notstandsregionen, in der Massenproduktion von Billiglohnländern oder in Luxusobjekten der Wohlstandsgesellschaften. Doch wie gehen Designer mit dem Gewaltthema um? Schon im Fertigungsprozess wird dem Material gewaltsam eine Form aufgezwungen und noch immer stammen viele Produktentwicklungen aus militärischen Zusammenhängen. Bilden sich diese Bezüge im aktuellen Design ab? Welche Verantwortung tragen Gestalter und welche Handlungsmöglichkeiten eröffnen sich in diesem hoch dynamischen Prozess? Die Ausstellung stellt eine neue Generation von Designern vor, die mit ihren Entwürfen und Strategien Gewalt sichtbar machen, um zukunftsweisend den teils verheerenden Entwicklungen etwas entgegenzusetzen. Dabei geht es nicht nur um den formvollendeten Entwurf eines Produkts, sondern auch um die Gestaltung sozialer Prozesse. „Brutal schön“ verweist damit zugleich auf die dunkle Seite des Designs, die sich in Konzeption, Produktion, Nutzung und schließlich bei der Entsorgung offenbart.

Ein Projekt in Zusammenarbeit mit Max Borka (Berlin) und mit einer Szenografie von Matthias Megyeri (Stuttgart / London).

Beteiligte DesignerInnen:

Barnaby Barford, James Bridle, Anthony Burrill / Ewoudt Boonstra, Jordi Canudas, Curro Claret, Charles & Ray Eames, Ron From, Dave Hakkens, Ronen Kadushin, Jan Pieter Kaptein, An-Sofie Kesteleyn, Eva Lechner, Matthias Megyeri, Guy Mishaly, George Nelson, Ernesto Oroza, Jair Straschnow / Bert Kramer, Studio Swine (Super Wide Interdisciplinary New Explorers, Azusa Murakami / Alexander Groves), Ezri Tarazi, Marjin van der Poll, Vlieger & Vandam (Carolien Vlieger / Hein van Dam), Dominic Wilcox u.a.

 

Magie und Macht – Von fliegenden Teppichen und Drohnen
27. Februar – 5. Juni 2016, Eröffnung: 26. Februar, 19.30 Uhr

Der fliegende Teppich gilt als Symbol der Reise um die Welt. In der persischen Mythologie besaß König Salomon solch ein magisches Knüpfwerk. Durch die Erzählungen aus „Tausendundeiner Nacht“ wurde er weltberühmt und taucht heute nicht nur in Märchen, sondern auch in zahlreichen Fantasy-Büchern und -Filmen immer wieder auf. Er vereint den uralten Menschheitstraum des Fliegens mit dem allmächtigen Blick von oben und der lautlosen Wendigkeit des Spions.

Auf unheimliche Weise spinnen Drohnen diesen Traum heute weiter fort. Als ferngesteuerte Flugroboter eröffnen sie nahezu unbegrenzte Möglichkeiten – f ür den Warentransport ebenso wie für die Beobachtung feindlichen Terrains, f ür neue Kamerafahrten in schwindelnde Höhen ebenso wie für unbemannte Kriegsangriffe. Die Ausstellung „Magie und Macht“ geht dieser Parallelität von magischem Teppich und technischem Fluggerät mit zeitgenössischen künstlerischen Mitteln nach: Objekte, Zeichnungen, Fotografien, Videos und Installationen kreisen zwischen Faszination und Schrecken um ein historisches Thema von beklemmender Aktualität. Hier treffen nicht nur Bildwelten von Orient und Okzident aufeinander, sondern auch der Zauber aus den Märchen mit der Härte einer aufklärerischen Gegenwart, versponnene Träume von der Himmelseroberung mit glasklaren Aufnahmen aus den verstecktesten Winkeln des Planeten.

Die Ausstellung ist eine stark erweiterte Übernahme der im vergangenen Jahr von Diane Hennebert und Christophe Dosogne f ür die Boghossian Foundation – Villa Empain in Br üssel konzipierten Präsentation „Heaven and Hell“. Beteiligte K ünstlerInnen: Adel Abdessemed, Nevin Aladag, Bilal Bahir, Solano Cardenas, Tim Cierpiszewski, Eleven Play, Parastou Forouhar, Alicia Framis, Laurent Grasso, Grégoire Gicquel, Cai Guo-Qiang, Adam Harvey, IOCOSE, Pravdoliub Ivanov, Nadia Kaabi-Linke, Babak Kazemi, Kristof Kintera, Abu Bakarr Mansaray, Farhad Moshiri, Panamarenko, Ruben Pater, Patrick Rieve, Moussa Sarr, Jalal Sepehr, Roman Signer, Slavs and Tatars, Rirkrit Tiravanija, Li Wei u.a.

 

Grün stört – Im Fokus einer Farbe
22. Mai – 14. August 2016, Eröffnung: 22. Mai, 11.30 Uhr

„Grün malen ist eine Herausforderung.“ (Thomas Huber) Grün steht als Symbolfarbe für Hoffnung, Heilung und Nachhaltigkeit – aber auch für Neid, Dekadenz und Gift. Was passiert, wenn wir grün sehen – und nicht etwa rot? In dieser ersten Ausstellung zu einer „störenden“ Farbe stehen ihre Aktualität, ihre zeitgenössischen Funktionen und Bedeutungen im Mittelpunkt einer höchst anregenden Präsentation. Unterschiedliche Aspekte und Zusammenhänge in Malerei, Installationen und Video werden vorgestellt und es entsteht ein lebendiges Panorama der gegenwärtigen Relevanz einer ebenso alltäglichen wie irritierenden Farbe.

Beteiligte KünstlerInnen:

Bernhard Blume, Michaël Borremans, Aaron van Erp, Alan Ebnother, Parastou Forouhar, Vlatka Horvat, Thomas Huber, Julie Verhoeven, Studio Job, Jérôme Leuba, Michael Najjar, Kai Schiemenz, G ünter Umberg, Hongjie Yang, Johannes Wohnseifer, Martin Walde u.a.

 

Momente der Auflösung – Fotografische Werke von Andreas Gefeller, Taiyo Onorato & Nico Krebs u.a.
25. Juni – 9. Oktober 2015, Eröffnung: 24. Juni, 19.30 Uhr

Das Foto als Abbild der Wirklichkeit scheint längst überholt. Die Geschwindigkeit mit der sich die Welt in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung ändert und die sich dadurch ergebenen vielschichtigen Einflüsse, verlangen schon seit Langem eine veränderte fotografische Auseinandersetzung. Die Ausstellung präsentiert herausragende künstlerische Ansätze, die mit (im weitesten Sinne) fotografischen Mitteln eine ganz eigene, subjektive Wirklichkeit schaffen.

In Andreas Gefellers großformatigen Fotos stößt der Betrachter auf mikroskopische Details sowie gigantische Aufsichten, die die Grenzen zwischen Illusion und Sichtbarem aufzuheben scheinen. Taiyo Onorato & Nico Krebs konstruieren mit Hilfe verschiedener Medien entrückte Landschaften mit irritierenden Architekturen und Brüchen.

In umfassenden Werkpräsentationen, die speziell für die Räume von Marta

Herford zugeschnitten sind, widmen sich die Künstler den vielfältigen Wahrnehmungsformen von Wirklichkeit und loten die Magie hinter der Fotografie neu aus.

 

OWL4 – Gegenspieler
4. September – 6. November 2016, Eröffnung: 4. September, 11.30 Uhr

Marta Herford widmet sich mit dieser Ausstellung bereits zum vierten Mal KünstlerInnen, die einen biografischen Bezug zur Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) haben. In lockerer Folge lotet diese seismografische Bestandsaufnahme die vielfältigen künstlerischen Energien im näheren Umfeld des Museums und unter einem spezifischen Blickwinkel aus: „Gegenspieler“ beschreibt dabei ein thematisches Feld, das zwischen dem Gegen über und der Gegenposition herausfordernde Dialoge ermöglicht. Kunst ist vor allem das Andere, stellt sich quer zu den Konventionen und positioniert sich als energisches Gegenstück zum Erwarteten. Die Gegenspieler dieser Ausstellung – denkbar vom Porträt bis zur unbequemen Haltung – fordern heraus, über den Tellerrand zu sehen, einen veränderten Standpunkt einzunehmen und das Blickfeld zu weiten. Wie schon in den Ausstellungen zuvor wird sich ein weites Panorama künstlerischer Ansätze und Möglichkeiten eröffnen. Die Wurzeln der Urheber mögen regional begründet sein, ihre Blicke jedoch sind weit dar über hinaus gerichtet.

 

Der Fremde Raum – Angriffe, Verwandlungen, Explosionen
29. Oktober 2016 – 5. Februar 2017, Eröffnung: 28. Oktober, 19.30 Uhr

Frank Gehry schuf mit dem Marta Herford eine einzigartige, tanzende Raumskulptur mit fließenden Wänden. Sein Baustil kann als bildhauerisches Verfahren beschrieben werden, bei dem Formen auseinandergenommen und collageartig wieder neu zusammengefügt werden. Heute knüpfen internationale KünstlerInnen an diese Strategien der Raumaneignung an: Wuchernde Strukturen besetzen die Architektur und geben ihr ein verblüffend neues Aussehen, Zeichnungen reißen lyrische Narben in die Oberflächen, während grandiose Farbattacken die Wände nahezu zum Explodieren bringen. So verwandeln sich die Räume in etwas völlig Neues, in ein energiegeladenes Spannungsfeld – und werden zugleich zum Spiegelbild einer verzweifelt um ihre Schönheit kämpfenden Welt im Umbruch.

 

Anders Petersen – Retrospektive
27, November 2016 – 26. Februar 2017, Eröffnung: 27. November, 11.30 Uhr

„Für mich geht es beim Moment des Fotografierens auch um eine Nähe zu mir selbst. Um den Versuch, die Wirklichkeit zu erleben, anstatt sie lediglich darzustellen, und in diesem Erleben möglichst präsent zu sein. Manchmal ist es ein Glücksfall, man hebt die Kamera, und das Leben springt hinein wie ein Kaninchen. Alles wird bis zum Äußersten getrieben.“

Anders Petersen, 1944 in Stockholm geboren, gehört zu den international einflussreichsten Fotografen seiner Generation. Berühmt wurde er durch Porträtaufnahmen von Prostituierten, Obdachlosen und anderen Menschen am Rande der Gesellschaft im Hamburger Café Lehmitz Ende der 1960er Jahre. Die Retrospektive im Marta Herford zieht eine Linie von diesen ersten Aufnahmen bis in die Gegenwart und ist eine gemeinsam mit dem Künstler modifizierte Übernahme seiner grandiosen Ausstellung im Fotoforum des Münchner Stadtmuseums. Sie wandert im Anschluss zu weiteren Stationen im In- und Ausland.

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