Badesport vs. Schwimmen: Max Lieberman – Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport

Baden und Schwimmen ist nicht das Gleiche. Was von beiden die Jungs auf den Gemälden von Liebermann betreiben erläutert Kuratorin Dr. Dorothee Hansen: „Was Liebermann malt, sind keine Schwimmer. Das sind badende Knaben. (…) Es geht Liebermann um Bewegung in der freien Natur.(…) Dies ist im Grunde nur das Vorspiel zu seinen sportlichen Motiven, denn hier am Strand kommen ihm auch die bürgerlichen Kurgäste in den Blick. (…) Sie gehen am Strand spazieren und sie reiten. Und diese Reiter werden später zu Liebermanns Hauptmotiv.“

Weitere Videos zur Ausstellung

Über die Ausstellung

Max Liebermann war der erste deutsche Künstler, der sich intensiv mit Sport als bürgerliches Freizeitvergnügen auseinandersetzte. Erstmals untersucht nun eine Ausstellung den Blick des wichtigsten deutschen Impressionisten auf Bewegung und Sport. Gleichzeitig erzählt die Schau in der Kunsthalle Bremen anhand von rund 140 internationalen Leihgaben die Geschichte vom Reiten, Tennis, Polo und Boxen in der Kunst.

Die Einzigartigkeit von Liebermanns Sportmotiven wird durch die Betrachtung ausgewählter Gemälde englischer und deutscher Zeitgenossen wie John Lavery oder Max Slevogt deutlich. Werke von Edgar Degas, Édouard Manet und Henri de Toulouse-Lautrec veranschaulichen zudem Liebermanns Inspiration durch die französische Malerei und Graphik.

Sport durchdringt heute nahezu alle Lebensbereiche. Er gehört zum modernen Lifestyle, er wird zum populären Massenspektakel oder verleiht elitäres Prestige. In Deutschland begann Siegeszug des Sports vor über hundert Jahren: Max Liebermann war der erste deutsche Künstler, der sich in zahlreichen Gemälden mit diesem Thema auseinandersetzte.

Sport und Impressionismus

Die Ausstellung untersucht erstmals Max Liebermanns Blick auf Bewegung und Sport und erzählt zugleich die Geschichte vom Reiten, Tennis und Polo in der Kunst. Werke von Edgar Degas, Édouard Manet und Henri de Toulouse-Lautrec veranschaulichen Liebermanns Inspiration durch die französische Malerei und Graphik. Seine Darstellungen der Tennis- und Polospieler sind in Frankreich und Deutschland ohnegleichen. Die Einzigartigkeit seiner Motive wird durch die Betrachtung ausgewählter Werke englischer und deutscher Zeitgenossen wie John Lavery oder Max Slevogt deutlich.

Reiten, Tennis, Polo

Motive vom Reiten, Tennis und Polo beschäftigten Liebermann vor allem in der Zeit von 1900 bis 1914. Sie vermitteln ein Bild des wilhelminischen Großbürgertums, das sich in seinen Freizeitbeschäftigungen am englischen Sportsman orientierte. Der Sport erfüllte auch wichtige gesellschaftliche Funktionen. So galt Tennis als „Flirtsport“, die eingezäunten Plätze verspottete man als „Verlobungszwinger“.

Liebermann wandte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts Motiven von Sommergästen an der Nordsee zu. Dort malte er zunächst Badende und Reiter, dann aber auch moderne Sportarten wie Polo, Tennis und Pferderennen, die in England bereits seit einiger Zeit populär waren. Nach dem Ersten Weltkrieg rücken die sportlichen Motive bei Liebermann in den Hintergrund.

Populärer Wettkampf in den 20er-Jahren

In den zwanziger Jahren begannen jüngere Künstler, den Sport als Thema zu entdecken. Vor allem populäre Massensportarten wie Fußball oder Boxen entdeckten sie als Motiv. Die Boxerdarstellungen von Willy Jaeckel, Renée Sintenis oder Rudolf Großmann spiegeln diesen Wechsel des Blicks vom eleganten Rasensport auf dem Lande zum schweißtreibenden Körpereinsatz im urbanen Sportpalast.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Liebermann-Villa am Wannsee, Berlin, wo sie in kleinerer Ausführung vom 19. März bis 26. Juni 2017 zu sehen ist.

Mehr unter kunsthalle-bremen.de

Beitrag kommentrieren