Michael Guggenheimer liest in der Langen Nacht aus Nachschrift und Nachschrift2 von Heimrad Bäcker

Michael Guggenheimer liest anlässlich der Eröffnung der ersten Jüdischen Bibliothek in Hohenems „Nachschrift und Nachschrift 2“ von Heimrad Bäcker.

Bäckers nachschrift ist keine Beschreibung, kein Bericht. »Es genügt«, sagt Heimrad Bäcker »die Sprache der Täter und der Opfer zu zitieren. Es genügt, bei der Sprache zu bleiben, die in den Dokumenten aufbewahrt ist. Zusammenfall von Dokument und Entsetzen, Statistik und Grauen.«

Bäcker hat schriftliche Spuren dieser Wirklichkeit gesammelt: Listen, Eintragungen, Aufzählungen, Verbote, Verhaftungsgründe, Auflistungen zerstörter Synagogen, verbotener Handlungen, Anweisungen, Definitionen, Wendungen, Sprachfetzen, Daten, Zahlen, Ziffern, Berichte, Kürzeln, Namen, Berufe, Tätigkeiten, Fragen, Befehle, Legenden von Plänen, Numerierungen, Fragmente, Beschreibungen medizinischer Experimente, Zeitangaben, Exekutionslisten, ideologische Phrasen, Bildunterschriften…

Über den Autor

Heimrad Bäcker, 1925 in Wien geboren, studierte Philosophie, Soziologie und Völkerkunde in Graz und Wien, 1993 dissertierte er über Karl Jaspers.Von 1955 bis 1976 Referent an der Volkshochschule Linz, seit 1968 Herausgeber der Zeitschrift »neue texte«, aus der 1976 der Avantgarde-Verlag »edition neue texte« erwuchs. 1994 wurde letzterer vom Droschl Verlag übernommen und als Reihe fortgeführt.

In der »edition neue texte« erschienen wichtige Werke von Achleitner, Czernin, Czurda, Gerstl, Jandl, Mayröcker, Rühm und Priessnitz, nicht zuletzt auch Bäckers Hauptwerk nachschrift (1986) und nachschrift 2 (1997).

Die Arbeiten des Schriftstellers und Künstlers Heimrad Bäcker gelten als Hauptwerke der internationalen Avantgardekunst. Mit seiner umfassenden Kenntnis der Literatur und Kunst der Moderne, deren großer Förderer er war, hat Bäcker einen eigenen unverwechselbaren Ausdruck gefunden. Seine konkreten Texte und Fotografien, die das Projekt Nachschrift ausmachen, schließen die Kluft zwischen formaler Autonomie und politischem Engagement. Dabei ist die nachschrift mit ihrem Zugriff auf Dokumente des Nationalsozialismus und des Holocaust Dokumentarliteratur und -kunst mit den Mitteln der konkreten Poesie.

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