MKG unterstützt Forderung nach langfristiger Erforschung des (post-)kolonialen Erbes in Hamburg

Museum für Kunst und Gewerbe, Außenansicht, Foto: Marcelo Hernandez

(Presseinformation) Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) unterstützt die Forderung nach dem Erhalt der Forschungsstelle für Hamburgs (post-)koloniales Erbe an der Universität Hamburg, deren dreijährige Anschubfinanzierung durch den Hamburger Senat im März 2018 ausläuft. Die Forschungsstelle ist eine wichtige institutionelle Ergänzung der bereits in Hamburg geleisteten Erforschung von Kunstwerken, die in der kolonialen oder postkolonialen Zeit nach Hamburg gelangt sind. Im Rahmen der systematischen Überprüfung seiner eigenen Sammlungszugänge hat das MKG bereits 2016 die Herkunft der drei im Museum befindlichen Bronze-Objekte aus Benin klären können. In diesem Zusammenhang untersucht das MKG auch kritisch, welche Rolle der Gründungsdirektor Justus Brinckmann beim Handel mit Kulturgütern aus Benin spielte. Zur weiteren Entwicklung langfristiger Handlungsperspektiven und zum zukünftigen Umgang mit den Skulpturen ist das MKG im engen Austausch mit Prof. Dr. Barbara Plankensteiner. Die ausgewiesene Benin-Spezialistin ist seit April 2017 Direktorin des Museums für Völkerkunde Hamburg, in dem sich ebenfalls zahlreiche Benin-Objekte befinden. Nun konnte Prof. Dr. Jürgen Zimmerer, Leiter der Forschungsstelle für Hamburgs (post-)koloniales Erbe, auf Grundlage der aus dem MKG vorliegenden Ergebnisse Mittel für die weiter zu leistende Kontextforschung einwerben: Die Gerda-Henkel-Stiftung unterstützt die weitere Erforschung der Herkunft und Wege der Benin-Bronzen mit 274.000 Euro.

Prof. Dr. Sabine Schulze, Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg: „Wir freuen uns sehr über das Engagement der Gerda-Henkel-Stiftung. Gemeinsam mit allen beteiligten Institutionen können wir unsere historische Verantwortung wahrnehmen. Diese Förderung ist ein wichtiger Impuls für unsere Arbeit. Doch nur mit dem Fortbestand der Forschungsstelle für Hamburgs (post-)koloniales Erbe kann Hamburg seine Kolonialgeschichte langfristig aufarbeiten.“

Das MKG wird die eigenen Recherche-Ergebnisse in einer Publikation veröffentlichen und im Rahmen seiner Dauerausstellung Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG präsentieren. Die systematische Erforschung des Vorlebens seiner Sammlungsobjekte und der eigenen Museums- und Erwerbungsgeschichte ist seit Jahren ein Schwerpunkt in der wissenschaftlichen Arbeit des MKG. Seit 2010 betreibt das Museum proaktiv Provenienzforschung und stellt seit 2014 ausgewählte Objekte und ihre Geschichten in der Dauerausstellung Raubkunst? der Öffentlichkeit vor. Die Ausstellung und die begleitenden Veröffentlichungen sollen Transparenz über den Stand der Recherchen schaffen und den Blick für die eigene Geschichte und die Erwerbungskultur vergangener Epochen sensibilisieren. Vor diesem Hintergrund ist auch die Erforschung der Herkunft außereuropäischer und antiker Kulturgüter in Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Experten und Partnern ein erklärtes Ziel des MKG.

Mehr unter www.mkg-hamburg.de

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