Museum für Fotografie: Picture(s) Now. Konstruktionen von Zeitlichkeit seit Social Media

(Presseinfo) Picture(s) Now. Konstruktionen von Zeitlichkeit seit Social Media – Eine Sonderausstellung des Shenkar College of Engineering, Design & Art und der Fachhochschule Potsdam in Kooperation mit der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin von 4. März – 2. April 2017 im Berliner Museum für Fotografie.

Tobias Hübel „Axis“, 2015 Pigment-Druck, 60 x 80 cm (Druck), gerahmt © Tobias Hübel

Wir fotografieren, um uns zu erinnern und um zu vergessen. Jede Aufnahme, die wir machen, stellt sicher, dass wir uns den abgebildeten Moment wieder vors innere Auge rufen können sobald er unserem Gedächtnis entschwindet. Zugleich werden diese Bilder nicht mehr in alten Fotoalben verwahrt: Apps verwandeln die fotografischen Zeitdokumente in einen Flow von Bildern, der vor allem die Gegenwart vermittelt. Innerhalb dieser Datenströme erhalten Fotografien nicht nur neue Kontexte und Bedeutungen, sondern werden zeitgleich mit neuen Datensätzen kombiniert. Damit verändern sich nicht nur die Konzepte des Erinnerns und des Archivierens, sondern auch das “Gedächtnis” der Materialien, die wir benutzen.

Die von Lisa Andergassen, Yvonne Bialek und Rabea Rugenstein kuratierte Gruppenausstellung versammelt künstlerische Arbeiten, die sich mit der Vermittlung des Moments durch bildbasierte Medien befassen. Sie ist von der vermeintlichen Neukonzeption des Momenthaften seit der „digitalen Wende“ und dem Siegeszug von Social Media geleitet: Wir laden Bilder auf Snapchat oder Instagram hoch, verschicken und kommentieren sie online. Auf Facebook kehren wir zu Life-Events zurück oder lassen uns per Memory-Funktion an unsere Erlebnisse im letzten Jahr erinnern. Während die Fotoalben zu Hause verstauben, vernetzen wir uns in Echtzeit und versenden Bilder, die immer wieder aufs Neue das „Hier und Jetzt“ vermitteln, um dann – einmal betrachtet – gleich wieder zu verschwinden.

Was passiert wenn sich die Praxis des „Zurück-Blickens“ auf ein ständiges Adressieren der Gegenwart verschiebt? Wird die einmalige Momentaufnahme, ausgeschnitten aus Raum und Zeit, abgelöst von einem sich stetig selbst überholenden Bilderflow, der ebenso vergänglich ist wie der eingefangene Augenblick selbst? Was schreibt sich beim Anwenden der verschiedenen fotografischen Praktiken und Techniken mit ein? Wie werden Fotografien kontextualisiert und mit Informationen versehen? Wie können wir etwas dokumentieren, dessen Bedeutung sich erst im Kontext sozialer Medien erschließt?

An diese Fragen knüpfen die Arbeiten von Alexandra Heide, Tobias Hübel, Daniel Neubacher, Martin Petersen, Norman Sandler und Yanai Toister an. Zudem fließen die Ergebnisse des Workshops „Instant: Document“ mit in die Ausstellung ein – dieser gibt Studierenden des Shenkar College und der Fachhochschule Potsdam die Möglichkeit, zusammen mit Alexandra Heide und Daniel Neubacher an eigenen bildbasierten Konstruktionen des Moments zu arbeiten.

Die Ausstellung wird gefördert durch das Inspire Lab for Image Research, Shenkar College of Engineering, Design & Art.

Mehr zur Ausstellung unter smb.museum

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