Museum für Kunst und Gewerbe: Monatsvorschau März 2016

Monatsvorschau März 2016MKG

Ausstellungen im März 2016

Schmuckraum. Vol. I: Wolfgang Skoluda
Matinee: 13. März 2016, 11 Uhr | 14. März 2016 bis März 2017

Wie die Mode, so gehört der Schmuck zu den wichtigen Insignien persönlicher Ausdrucksmöglichkeiten. Seine Funktionen reichen von der magischen Abwehr böser Kräfte über die Repräsentation von Status und Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Gruppen bis hin zu freiem Autorenschmuck, der seine Träger als kreative Individuen ausweist. Schmuck war und ist ein Kommunikationsmittel. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) besitzt eine umfangreiche, vier Jahrtausende umfassende Schmucksammlung. Ein Schwerpunkt liegt auf dem antiken Schmuck, ein weiterer auf dem Schmuck des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Sammlung spiegelt das facettenreiche Spektrum von den großen Klassikern der traditionellen Goldschmiedekunst über avantgardistische Tendenzen bis hin zum freien Schmuck, der sich ab den 1960er Jahren zu einer eigenständigen Kunstgattung entwickelt. Die Jahresmesse für Kunst und Handwerk, die seit über 130 Jahren im MKG stattfindet und damit eine der ältesten Kunstmessen in Deutschland ist, bietet alljährlich eine wichtige Plattform für aktuellen Schmuck. Hier können die Besucher ihren Blick für hand-werkliche Virtuosität, materialgerechte Verarbeitung sowie experimentelle Ansätze und neue Konzepte von Schmuckform, -farbe und -material schärfen. Zukünftig möchte das MKG den Schmuck stärker in den Fokus der Besucher rücken und etabliert hierfür einen neuen Ausstellungsraum. In Einzel-, Gruppen- und Themenausstellungen wird die Schmucksammlung des MKG neu kontextualisiert und mit den aktuellen Schmuckdiskursen vernetzt. Den Auftakt zur neuen Ausstellungsreihe liefert der Hamburger Schmuckkünstler Wolfgang Skoluda (*1935). Seit 1959 stellt er kontinuierlich auf der Jahresmesse auf. Skoluda arbeitet bevorzugt mit dem Material Gold und besitzt eine große Vorliebe für antike Gemmen und Steine sowie Mineralien. Eine wichtige Inspirationsquelle für das Schmuckmachen lieferten ihm die Armbänder von Karl Schmidt-Rottluff, die sich ebenfalls in der Sammlung des MKG befinden. Wie der große expressionistische Künstler, so ist Skoluda als Schmuckmacher Autodidakt. Sein Oeuvre liefert eine perfekte Symbiose von Antike und Gegenwart. In diesem Sinne werden seine Arbeiten mit Objekten aus der Antikensammlung des MKG in einen Dialog treten.

“Geniale Dilletanten” – Subkultur der 1980er-Jahre in Deutschland
23. Januar 2016 bis 30. April 2016
Im Deutschland der frühen 1980er-Jahre erlangt eine künstlerische Alternativszene mit lautstarkem Protest und gezielter Provokation international Aufsehen und Anerkennung. Ihre Akteure setzen nicht auf virtuoses Können, sie streben stattdessen nach Selbstorganisation im Sinne des Do-It-Yourself-Gedankens. Den Wunsch nach einem radikalen Bruch untermauern sie mit der Gründung von eigenen Plattenlabels, Magazinen, Galerien und Clubs sowie dem unabhängigen Produzieren von Platten und Kassetten. Besonders in den Kunsthochschulen entwickelt sich eine Dynamik, die geprägt ist durch genreübergreifendes Experimentieren. Bands wie Deutsch Amerikanische Freundschaft (D.A.F.), Palais Schaumburg oder Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.) setzen sich mit deutschen Namen und Songtexten bewusst vom englischsprachigen Mainstream ab. 1981 findet im Berliner Tempodrom ein Festival statt, dessen absichtlich falsch geschriebener Titel zum Synonym für diese deutsche Subkultur der frühen 1980er-Jahre wird: „Geniale Dilletanten“. Die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) stellt die Protagonisten und Treffpunkte der künstlerischen Szenen in verschiedenen impulsgebenden Städten West- und Ostdeutschlands vor. Im Mittelpunkt stehen acht Musikbands sowie Künstler, Filmemacher und Designer aus den frühen 1980er Jahren. „Geniale Dilletanten“ gibt Einblick in die vielfältigen Verbindungen der Akteure untereinander und erzählt, wie sich die gleichzeitig stattfindenden Entwicklungen in Kunst, Film, Mode und Design gegenseitig beein-flusst haben. Die Ausstellung zeigt insgesamt über 250 Exponate, darunter Gemälde, Fotografien, Kunst-, Design- und Modeobjekte, Schallplatten, Musikkassetten, Soundstationen, Musik, Magazine und Fanzines, Plakate, Bandfilme und einen eigens produzierten Interviewfilm. Ein von Florian Wüst zusammengestelltes Kurzfilmprogramm zeigt experimentellen Arbeiten von Yana Yo, Helge Leiberg, Brigitte Bühler & Dieter Hormel, Norbert Meissner, Christoph Doering und Ramona Welsh. „Geniale Dilletanten“ ist eine Tournee-Ausstellung des Goethe-Instituts, die für die Präsentation im MKG maßgeblich erweitert wird. Die Ausstellung wurde kuratiert von Mathilde Weh, Referentin des Goethe-Instituts im Bereich Bildende Kunst.

Christoph Niemann. Unterm Strich
20. Januar bis 10. April 2016
Für den Buchhalter steht unterm Strich die Summe – und für den Zeichner? Genau genommen befindet sich unterm Strich das Papier – ohne Papier kein Strich. In dem Freiraum zwischen dieser banalen Erkenntnis und dem gedanklichen Vergnügen, das die Striche des guten Zeichners auslösen, genießen wir die Arbeiten von Christoph Niemann. Der international renommierte Illustrator lebt – nach gut elf Jahren New York – heute in Berlin und denkt sich die Titelseiten für die schönsten Hefte der Welt aus, vom New Yorker bis zum Zeit Magazin. Christoph Niemanns Kunst ist in erster Linie Gedankenarbeit – dass sie darüber hinaus in hohem Maße gekonnt ist, sparsam und präzise kalkuliert, überraschend realisiert, das bemerkt vor allem der professionelle Blick. Der Betrachter darf sich freuen und fühlt sich unterhalten, weil er mit dem Zeichner an seiner Seite an der Vielfalt der Welt und ihrem Widersinn teilhat. Die Werkauswahl der Ausstellung Christoph Niemann. Unterm Strich im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) wurde vom Künstler selbst zusammengestellt: Es sind über 200 Cartoons und Fotos, Animationen und Drucke, Zeichnungen und Texte. Christoph Niemann wird auch direkt auf die Wand zeichnen. Die Ausstellung begleitet sein letztes Buch Abstract City. Mein Leben unterm Strich, in dem die Beiträge für das New York Times Magazine und für den dazugehörigen Blog versammelt sind. Und obendrein verleiht dieser Buchtitel dem Strich weitere Bedeutungen. Denn wenn es das Leben ist, das unterm Strich steht: Ist es dann bedroht wie von einem Fallbeil oder käuflich wie auf der Straße? Es hilft nichts, man muss selber nachsehen.

No Name Design
11. Dezember 2015 bis 3. April 2016
Klappmesser, Scheren, Brillen, Handschuhe und Messinstrumente sind Gebrauchsgegenstände, die das Leben erleichtern, denen man im täglichen Gebrauch aber wenig Aufmerksamkeit schenkt. Der Schweizer Produktgestalter und Dozent Franco Clivio (*1942) hat sie gesammelt, rund 1.000 zumeist kleine Objekte, die das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) ab dem 11. Dezember 2015 in einer Ausstellung zeigt. Was diese Dinge vereint, sind ihre raffinierte Gestaltung und Funktionalität, die auf einer besonderen Idee und Konstruktion beruhen. Von den wenigsten ist bekannt, wer sie erfunden oder entworfen hat. Sie gehören zum anonymen Alltagsdesign und sind nicht Teil der offiziell zelebrierten Designkultur. No Name Design ist eine Liebeserklärung an die unscheinbaren Dinge, an ihre intelligente Gestaltung mit meist verborgener technischer Raffinesse, die bei näherer Betrachtung überraschen und staunen lassen. Die Ausstellung ist eine Art Wunderkammer der Produktgestaltung mit enzyklopädischem Charakter. Sie veranschaulicht, was gutes und zeitloses Design ausmacht. Die gezeigten Objekte füllen 30 Vitrinen, minutiös arrangiert von dem Fotografen Hans Hansen. Franco Clivio erzählt in 29 Kapiteln die Geschichten hinter den Dingen. 40 Fotosequenzen illustrieren, wie die verschiedenen Apparate und Geräte im Detail funktionieren. Ein Filmporträt stellt den Gestalter Franco Clivio und seine „Sicht der Dinge“ vor. Franco Clivio ist Hochschullehrer und Designpraktiker mit namhaften Kunden wie ERCO, FSB, Lamy, Gardena, Rodenstock oder Siemens. Die Ausstellung wurde kuratiert von Franco Clivio und Hans Hansen und war zuvor im Gewerbemuseum Winterthur, im MUDAC Lausanne, auf der Triennale in Mailand sowie im Werkraum Bregenzerwald zu sehen. Die Ausstellung wird ermöglicht mit freundlicher Unterstützung der Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung, von burkhardt leitner modular spaces und der Sarah Maier collection.

Von Maria zu Salome. Die Sammlung Fotografie im Kontext
1. Dezember 2015 bis 28. März 2016
Madonna, Mutter, Fee, Lichtgestalt mit Heiligenschein oder Königstochter mit edelsteinbesetztem Diadem – dies sind einige der Rollen, die die Fotografen der Jahrhundertwende den Frauen ihrer Zeit zuschreiben. Unter dem Begriff des Porträts versammelt die internationale Bewegung der Kunstfotografie ganz andere Bilder als die Studiofotografen für ihre zahlenden Atelierkunden. Die Kunstfotografen wollen weder den sozialen Status ins Bild setzen, noch die zeitgenössischen Frauen in der sich verändernden Welt der Industrialisierung zeigen. Sie entwerfen in ihren Werken überhöhte sphärische Gestalten und inszenieren sie als Figuren aus einer entrückten Welt. Parallel zur Ausstellung Jugendstil. Die große Utopie zeigt die Schau rund 30 Aufnahmen renommierter deutscher und internationaler Fotografen um 1900: James Craig Annan, Emma Boaz Barton und Julia Margaret Cameron (Großbritannien), Adolphe de Meyer, Robert Demachy, Pierre Dubreuil (Frankreich), Minya Diez-Dührkoop, Rudolph Dührkoop und Hugo Erfurth (Deutschland), Atelier d’Ora (Österreich) und Annie W. Brigman, Felix Benedict Herzog, Gertrude Käsebier, Clarence Hudson White (Amerika).

Hamburg in den zwanziger Jahren. Ansichten und Visionen
17. November 2015 bis 30. Oktober 2016
Nach dem Ersten Weltkrieg sorgen Wirtschaftskrisen, Reparationszahlungen und die politischen Kämpfe der Weimarer Republik für Not und Unsicherheit. Die Großstadt mit ihren Mietskasernen erscheint vielen Menschen als bedrohlich und ausweglos. Künstler widersetzen sich der bitteren Realität und entwickelten Alternativen – Utopien und eigene Lebenswelten. Architekten entwerfen kosmische Strukturen und zukunftsweisende, aber kaum auszuführende Architekturen. Kaum bekannt und wenig erforscht ist die Tatsache, dass es auch in Hamburg eine Reihe von Künstlern gibt, die sich diesem Themenkreis verschreiben. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) zeigt nun in der Ausstellung Hamburg in den zwanziger Jahren. Ansichten und Visionen über 40 Stadtansichten, Architekturvisionen und künstlerischen Interpretationen. Allen voran Rolf Nesch, der die Hamburger Brücken in poetische Skulpturen verwandelt. Max Gerntke, Partner des Architekturbüros Esselmann und Gerntke, entwickelt kraftvolle farbige Zukunftsvisionen und entwirft unter anderem einen neuen Alsterpavillon, der tatsächlich umgesetzt wird. Der Scherenschnittkünstler Georg Hempel verdient seinen Lebensunterhalt auf Jahrmärkten, interpretiert in seiner Freizeit jedoch die Hamburger Hafenlandschaft und erschafft kleine rhythmische Meisterwerke in schwarzem Papier. Willy Davidson koloriert seine expressiven Stadtansichten mit kräftigen Ölkreiden. Karl Gröning entwirft in seiner Grafikserie kubistische Speicherstädte und Paul Helms schafft feinteilige Holzschnitte über die Backsteinarchitektur Hamburgs. Diese verschiedenen Ansätze, der Realität zu entfliehen und eine neue, bessere Welt entstehen zu lassen, ergeben ein überraschendes und heute noch bewegendes Bild von Hamburg in den zwanziger Jahren. Die Ausstellung zeigt Zeichnungen, Gouachen, Lithografien, Metalldrucke, Holzschnitte und Scherenschnitte, die zwischen 1919 und 1934 entstehen. Eine Ausstellung mit Werken aus der Sammlung Hamburger Sparkasse. Rund 350 Exponate dieser Sammlung, vor allem von Künstlern der Hamburgischen Sezession, befinden sich seit 2002 als Dauerleihgabe im MKG.

Weiterlaufende Ausstellungen im März 2016

verlängert bis 30. April 2016
Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG

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