Robert Rauschenberg. Posters im MKG Hamburg

Robert Rauschenberg, Rauschenberg Overseas Culture Interchange, National Museum of Art, Beijing. Nov-Dec 1985, Offsetdruck, 87,4 x 60,8 cm, © Robert Rauschenberg Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

(Presseinformation) Neben Andy Warhol und Joseph Beuys gehört Robert Rauschenberg (1925-2008) zu den ganz Großen der Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Alle drei beginnen als junge Künstler in der Nachkriegszeit, als man mit einem heute schwer verständlichen Optimismus der Kunst noch alles zutraut. Und entsprechend umfassend ist ihr Kunstverständnis. Für den einen ist alles schön, für den zweiten ist jeder ein Künstler und der dritte, Rauschenberg, sieht in allem Material für seine Kunst. Ihm widmet das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Dank einer großzügigen Schenkung des Hamburger Sammlers Claus von der Osten eine Ausstellung mit Grafiken und Plakaten aus seiner umfangreichen Sammlung. Dank dieser Schenkung verfügt das MKG über die weltweit umfangreichste Sammlung dieser Art mit rund 160 von Rauschenberg entworfenen Plakaten. Die Ausstellung gibt mit über 120 Arbeiten einen Überblick, wie es ihn so umfassend noch nicht zu sehen gab. Robert Rauschenberg, aufgewachsen im texanischen Provinznest Port Arthur, besucht von 1947 bis 1951 Kunstakademien in Kansas, Paris, North Carolina und New York. Seine berühmtesten Werkserien, die Combines und die Silkscreen Paintings entstehen 1954 beziehungsweise 1962. Von nun an folgen regelmäßig neue Werkserien in denen Rauschenberg seine typische Arbeitsweise immer wieder neu variiert: Die Verarbeitung von neuen Techniken, Werkstoffen und Materialen und deren Verbindung mit neuen Bildideen. Es gibt unter anderen die Cardboard Series (Wandreliefs aus benutzten und dann auseinandergefalteten Kartons) die Jammers (Kompositionen aus durchscheinenden farbigen Stoffen) oder auch so gigantische Werke wie das Quarter Mile or 2 Furlong Piece oder Quake in Paradise eine vielteilige Installation aus bedruckten Aluminiumplatten.

Mitten in dieser überbordenden Fülle und dem steten Neuerfinden von Werkreihen gibt es auch Konstanten in Rauschenbergs Schaffen. Dazu gehören die Plakate und seine gesamte Druckgrafik. Wie wichtig dem Künstler dieses Medium war, zeigt allein die Tatsache, dass er, als er 1970 seinen Hauptwohnsitz von New York nach Captiva Island in Florida verlegte, dort eine Druckerei einrichten lässt. Die ersten Plakate entstehen in den Jahren um 1960, als mit den Combines der Erfolg einsetzt und Rauschenberg von nun an regelmäßig seine neuen Arbeiten ausstellen kann. Sein wichtigster Galerist ist Leo Castelli in New York. Aber auch in der Dwan Gallery in Los Angeles ist er regelmäßig vertreten. Die Ausstellungen werden stets von Plakaten angekündigt, die Rauschenberg selbst gestaltet – zunächst eher klein und bescheiden, aber schon bald größer und farbig.

Spätestens 1968 wird offensichtlich, dass Rauschenberg sich mehr als andere Künstler für Plakate interessiert. Er beginnt, mit den Collagen auf seinen Plakaten kleine Geschichten zu erzählen und entwirft sie immer häufiger auch für fremde Anlässe. In der Regel dienen seine Entwürfe in diesen Fällen dem Fundraising – der Erlös aus dem Verkauf geht an den Auftraggeber. Auf diese Weise unterstützt Rauschenberg zum Beispiel eine Galerie, die ihren Künstlern eine Zensur-freie Zone garantiert, oder die Wiederwahl des demokratischen U.S. Senators Jacob Javits, der sich für Künstler-Rechte einsetzt. 1968 gehört Rauschenberg er zu den Initiatoren einer Plakatdruckerei in New York, die ihre Maschinen ausdrücklich Künstlern zur Verfügung stellt. Hier lässt er sein berühmtes Autobiography Poster drucken, eine dreiteilige Offsetlithografie von über sechs Metern Höhe oder auch – je nach Anordnung – knapp vier Meter Breite.

In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre kommt der internationale Erfolg mit großen Ausstellungstouren durch die großen Städte der USA. Regelmäßig entwirft Rauschenberg Plakate und lässt auf ihnen seinen Namen – zumeist identisch mit dem Ausstellungstitel – nicht mehr drucken, sondern setzt seine große und gut leserlich geschriebene Signatur regelrecht wie ein Markenzeichen ein. Die 1980er Jahre sind geprägt von einer der größten Unternehmungen, die je ein moderner Künstler realisierte: Mit Rauschenberg Overseas Culture Interchange (ROCI) organisiert der Künstler eine Ausstellungstournee, die sich zwischen 1986 und 1991 auf sieben Jahre und elf Nationen ausdehnt. Mehrheitlich geschieht dies in Staaten, zu denen die USA ein angespanntes Verhältnis hatten, darunter Cuba, China und die Sowjetunion. Die Ausstellungen werden zu großen Teilen vor Ort erarbeitet, und natürlich jeweils mit einem Plakat angekündigt.

Neben diesen Ankündigungen von Ausstellungen entstehen vermehrt Plakate für andere Auftraggeber. Seit den Jahren um 1970 wird Rauschenberg immer häufiger gefragt, bestimmte Anliegen mit seiner Kunst zu unterstützen. Der Künstler hilft mit seinen Entwürfen Aids-Organisationen, er macht sich gegen Apartheid stark, setzt sich für die Erhaltung der Umwelt ein oder schafft Drucke für die Jubiläen von Symphonie-Orchestern und Theatern. Er wirbt für die Rechte von Kindern und fördert Organisationen, die sich um misshandelte und um behinderte Kinder kümmern. Er hält Workshops ab für Lehrer, die an Schulen mit Behinderten unterrichteten. Allein für die UNO und ihre Unterorganisationen entwirft er über zwanzig Plakate. Er kündigte den Earth Summit ’92 in Rio an oder die Habitat-Konferenz in Istanbul. In der Regel werden Rauschenbergs Plakatentwürfe in eher kleinen Editionen wie eine Grafik verkauft, und der Erlös kommt dann den entsprechenden Organisationen zugute.

Grundsätzlich sind Rauschenbergs Plakate selten tatsächlich zum Plakatieren gedacht. Vielmehr wenden sie sich in erster Linie an den Sammler und Liebhaber. Fast 180 Plakate entwirft Rauschenberg in über vier Jahrzehnten. Oft sind sie signiert, nicht selten auch nummeriert. Viele von ihnen sind mittlerweile große Raritäten und werden international gehandelt. Sein letzter Plakatentwurf entsteht 2005 für das Los Angeles County Museum of Art und kündigt eine Ausstellung der eigenen Plakate an. Der Künstler kann seit einem Schlaganfall nicht mehr schreiben und beglaubigt das Plakat mit seinem Daumenabdruck und einem Zertifikat.

Mehr unter www.mkg-hamburg.de

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