Provenienzrecherche Gurlitt weist neuen Raubkunstfall nach

(Presseinformetion) Forschungen der Provenienzrecherche Gurlitt haben das Gemälde „Quai de Clichy“ von Paul Signac als Raubkunst identifiziert. Das Forschungsergebnis wurde durch die internationalen Review-Experten bestätigt. Auf das Gemälde wurde ein Herausgabeanspruch angemeldet. Das bei Cornelius Gurlitt in Salzburg aufgefundene Gemälde ist seit 2016 über die Lost Art-Datenbank publiziert.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärt hierzu: „Dass es den Provenienzforscherinnen und -forschern gelungen ist, das Gemälde ‚Quai de Clichy‘ von Paul Signac als NS-Raubkunst zu identifizieren, zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, diese Herkunftsforschung konsequent fortzusetzen. Damit können wir ein weiteres Werk aus dem Kunstfund Gurlitt an Nachkommen eines Opfers nationalsozialistischer Verfolgung zurückgeben. Wir stehen bereits mit einer Vertreterin von ihnen in Kontakt, und ich bin zuversichtlich, dass wir das Gemälde zügig restituieren können. Auch dieser Fall mahnt uns, nie nachzulassen in der rückhaltlosen Aufarbeitung des NS-Kunstraubs, für den Deutschland Verantwortung trägt. Denn jedes restituierte Werk ist ein weiterer Mosaikstein der historischen Gerechtigkeit.“

Der französische Immobilienmakler Gaston Prosper Lévy (1893-1977) erwarb das Werk 1927 über die Galerie Georges Bernheim. 1934 war es als Leihgabe Lévys in der „Exposition Paul Signac“ im Petit Palais in Paris zu sehen. Nach eigenen Angaben ließ Lévy, der aufgrund seiner jüdischen Konfession zum Kreis der von den Nationalsozialisten Verfolgten gehörte, im Juni 1940 den überwiegenden Teil seiner in Paris befindlichen Sammlung von über 100 Werken der französischen Moderne (vorwiegend Impressionisten) sowie diverse andere Kunstgegenstände und Möbel zur Sicherung auf sein Schloss Les Bouffards 150 km südlich von Paris verbringen. Ihm und seiner Frau gelang anschließend die Flucht nach Tunis. Kurze Zeit darauf, im Oktober 1940, beschlagnahmten deutsche Soldaten gemäß Augenzeugenberichten die im Schloss befindlichen Kunstgegenstände, darunter auch das Gemälde „Quai de Clichy“ von Paul Signac. In den von Gaston Lévy in der Nachkriegszeit zusammengestellten Verlustlisten wird es unter dem Titel „Canal et péniches“  geführt. Über den französischen Kunstmarkt gelangte das Werk schließlich in den Besitz von Hildebrand Gurlitt.

Lévy, der ein großer Förderer des Künstlers war, verfasste zwischen 1929 und 1932 die ersten Vorarbeiten zu einem Werkverzeichnis der Gemälde von Paul Signac, den sogenannten pré-catalogue raisonné. 

Es handelt sich um den siebten Raubkunstfall aus dem Bestand Cornelius Gurlitt, der seit Einsetzung der Taskforce Schwabinger Kunstfund von Forschern aufgedeckt werden konnte. Zudem wurden vier Werke aus dem Bestand von Cornelius Gurlitts Schwester als NS-verfolgungsbedingt entzogen identifiziert. Fünf Werke konnten bereits durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien restituiert werden.

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