10 Jahre Neues Museum Berlin

Neues Museum, Ostseite, Eingang. Museumsinsel Berlin, Bodestraße. © Staatliche Museen zu
Berlin / Achim Kleuker

(Presseinformation) Im Oktober 2019 jährt sich die Wiedereröffnung des Neuen Museums, dessen Restaurierung und Wiederaufbau 2009 unter der Leitung des Architekten David Chipperfield fertiggestellt wurde, zum zehnten Mal. Zur Feier des Jubiläums können das Neue Museum, seine Sammlungen und Objekte durch zwei Sonderpräsentationen neu entdeckt und erkundet werden: Eine Lichtinstallation im Griechischen Hof verknüpft die Highlights des Hauses von Nofretete bis Goldhut mit spannenden Hintergrundgeschichten, während in der Treppenhalle Besucher*innen mit VR-Brillen auf eine virtuelle historische Zeitreise gehen können.

Das Neue Museum

Das Neue Museum wurde 1843 bis 1855 im Auftrag von König Friedrich Wilhelm IV. durch Friedrich August Stüler erbaut. Es sollte Ausstellungsfläche bieten für die ägyptische Kunst-Sammlung, wie auch für die „vaterländischen Altertümer der Vor- und Frühgeschichte“. Unter der Prämisse des zeitgenössischen Wissenschaftsanspruches sollten die Sammlungen in ihrer Aufstellung den chronologischen Fortschritt der Kunstentwicklung vermitteln. Diesem Zwecke kam Stüler nicht allein durch die Aufteilung und Konstruktion des Baus selbst nach, sondern auch durch die flächendeckende Ausstattung und Ausschmückung der Räume, welche ikonographisch an die jeweiligen Sammlungsbestände angepasst wurden. Seit der feierlichen Wiedereröffnung am 16. Oktober 2009 beherbergt das Neue Museum die Sammlungen des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung, des Museums für Vor- und Frühgeschichte sowie Teile der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.

Schäden und Sanierung

Nachdem die Sammlungsartefakte bereits 1939 ausgelagert wurden, wurde das Neue Museum bei Bombardierungen 1943 stark beschädigt, die Treppenhalle brannte vollständig aus. Während der DDR-Zeit war das Neue Museum eine Ruine, in der Treppenhalle wuchsen Bäume. Zwar gab es bereits in den 1980er-Jahren und in der Nachwendezeit vereinzelte Wiederaufbaupläne, umgesetzt wurden diese aber erst in den Jahren 2003 bis 2009 im Sinne einer ergänzenden Wiederherstellung nach Entwürfen des britischen Architekten David Chipperfield. Seit seiner Wiedereröffnung fasziniert das Haus die Besucher*innen sowohl durch seine Architektur als auch durch die ausgestellten Sammlungen. Erst kürzlich wurde das Haus von der britischen Zeitung „The Guardian“ unter den besten Architekturbauten des 21. Jahrhunderts auf Rang 3 gewählt.

Schatzkarten in die Sammlungen

Anlässlich des Jubiläums entsteht im Griechischen Hof ein Ensemble aus Stelen und Podesten, das mit reflektierenden und lichtbrechenden Ober-flächen beeindruckende Lichtspiele erzeugt und Bezüge zu Highlights der Sammlungen des gesamten Hauses herstellt. „Schatzkarten“ informieren die Besucher*innen über spannende Details zu 160 Exponaten, stellen anhand ungewöhnlicher Themen überraschende Zusammenhänge zwi-schen den Objekten her und laden zu Exkursionen in das ganze Haus ein. Die Installation hinterfragt traditionelle Ausstellungs- und Vermittlungs-konzepte und eröffnet neue Raumideen.

Virtual Reality in der Treppenhalle

In der Treppenhalle des Neuen Museums sind über VR-Brillen zwei 360°-Filme über den Zustand der Treppenhalle um 1920 sowie den monumentalen, im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstörten Bilderzyklus zu sehen, der ehemals deren Wände schmückte. Als zentraler Raum des Museums war die Treppenhalle in ihrer ursprünglichen Konzeption äußerst komplex und hochgradig symbolisch ausgestattet; jede der Wandseiten war in ihrer kompletten Länge und in rund acht Metern Höhe bemalt. Insgesamt sechs Werke des Künstlers Wilhelm von Kaulbach zeigten das Weltbild des 19. Jahrhunderts und die Grundgedanken des Museums: die Präsentation und den Erhalt der Kulturgeschichte. Die virtuelle Rekonstruktion erfolgte in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt, Architectura Virtualis und ZDF-digital auf Basis von historischem Bildmaterial.

Die Anmeldung zu dem VR-Erlebnis erfolgt über ein vor Ort kostenfrei buchbares Zeitfenster von 20 Minuten, in denen beide der jeweils ca. sechsminütigen Filme gezeigt werden. Zu Beginn und zum Ende der Fil-me haben die Besucher*innen die Gelegenheit, sich im virtuell rekonstru-ierten Raum umzusehen. Ihnen bietet sich so eine digitale Zeitreise in die Architektur und das Denken des 19. Jahrhunderts, in dem das Neue Museum konzipiert und erbaut wurde.

Mehr unter www.smb.museum