Anbetung. Macht. Missbrauch – Diskussion im Rahmen der Michael Jackson-Ausstellung in der Bundeskunsthalle

Aufzeichnung vom Sonntag, 7. April 2019 in der Bundeskunsthalle.

Einen Tag nach der Ausstrahlung der Dokumentation Leaving Neverland über die Missbrauchsvorwürfe gegen Michael Jackson geht die Diskussion in der Bundeskunsthalle der Frage nach, wie unsere Gesellschaft mit diesem Problem umgeht.

Popstars, Künstlerinnen und Künstler, Politikerinnen und Politiker wie auch andere Menschen in potenziellen Machtpositionen genießen eine herausgehobene Stellung in unserer Gesellschaft. Ihr Einfluss und Ansehen garantieren ihnen Hochachtung und Bewunderung, was jedoch eigentlich vor allem auch eines bedeutet: große Verantwortung. Was geschieht, wenn dieses Vertrauen missbraucht und das Machtgefälle ausgenutzt wird? Wie geht die Öffentlichkeit damit um, wie reagiert ein Fan, wenn der bewunderte Star sich moralisch, politisch oder ethisch schuldig gemacht hat? Wo liegen die Ursachen für Machtmissbrauch? Muss am Ende sogar das künstlerische Werk und Schaffen vor dem neuen Wissenshintergrund anders betrachtet werden?

Nicht nur der verstorbene Michael Jackson, sondern auch zahlreiche weitere Personen des öffentlichen Lebens wie Kevin Spacey, Harvey Weinstein und der deutsche Regisseur Dieter Wedel oder immer wieder kirchliche Würdenträger sind im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen und dem Hashtag #metoo in jüngster Zeit in den Fokus von Debatten gerückt.

In der moralischen Bewertungsskala wird der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen am schärfsten verurteilt. Es fehlen aber verlässliche Daten, ob die Zahl sexuell missbrauchter Kinder und Jugendlicher in Deutschland steigt, ob sie gleich bleibt oder sogar fällt. Bei Pädophilie gibt es eine Dunkelziffer, deren Größe niemand exakt benennen kann. Wie groß das „Dunkelfeld“ der einschlägigen Straftaten ist ? wie viele Delikte also nicht erkannt und nicht angezeigt werden und deshalb in keiner Statistik auftauchen ? ist seit Jahren Gegenstand heftiger Dispute.

Teilnehmer/-innen sind:
Claudia Willger, Opferanwältin mit Schwerpunkt sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch
Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau
sookee, Rapperin und Aktivistin
Miguel Abrantes Ostrowski, Schauspieler, Regisseur und Autor
Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle

Moderation: Randi Crott

Mehr unter www.bundeskunsthalle.de