Jahrestagung Arbeitskreis Provenienzforschung 2019 in Düsseldorf

Oben: Dr. Carolin Lange, Landesselle für die Nichtstaatlichen Museen in Bayern. Fluchtkunst, eine Begriffsverunschärfung.

Frau Dr. Lange thematisiert die Frage, inwieweit der Begriff Fluchtkunst auch auf solche Kulturgüter anzuwenden ist, die nicht unter unmittelbarem Zwang des NS-Regimes entzogen und geraubt wurden. Kann etwas Fluchtkunst sein, wenn keine Flucht stattgefunden hat, ein Verkauf der betreffenden Kulturgüter ohne die politische Entwicklung in Deutschland jedoch nicht stattgefunden hätte.

Die Jahrestagung des Arbeitskreises Provenienzforschung e.V. fand vom 11.-13.11.2019 in der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste in Düsseldorf statt. Inhalte waren folgende Panels „Provenienzforschung als universitäre Disziplin“, „Provenienzforschung zwischen Forschung, Praxis und Lehre“, „Organisation von „gerechten und fairen“ Lösungen““ sowie „Provenienzforschung digital: Neue Technologien sowie Wissensmanagement“.  An der Tagung nahmen knapp 300 Personen teil. Sie wurde organisiert von Mitarbeitenden der LVR-Museumsberatung und dem LVR-LandesMuseum Bonn sowie den Städten Köln und Düsseldorf. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Landschaftsverband Rheinland förderten die Veranstaltung.

Weitere Referent*innenstimmen von der Jahrestagung des Arbeitskreises Provenienzforschung in Düsseldorf

Dr. Larissa Förster, Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg/Berlin

Frau Dr. Förster spricht zur Frage, nach welchen Kriterien Objekte zurückgegeben werden müssen, welche Alternativen es ggf. zur Restitution gibt und welche Voraussetzungen auf Seiten der Sammlungen geschaffen werden müssen, um Anspruchstellern überhaupt zu ermöglichen, ihre Ansprüche artikulieren zu können.


Prof. Dr. Christoph Zuschlag, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Prof. Zuschlag erklärt, welche konzeptionellen Überlegungen hinter der Einrichtung des Studiengangs standen. Ziel ist, die Provenienz als Teil der Sammlungsgeschichte deutlich zu machen und sie als Potenzial und einen Zugang zur Kunstgeschichte zu vermitteln.


Prof. Dr. Constantin Goschler, Ruhr-Universität Bochum

In seinem Vortrag argumentiert Prof. Dr. Goschler, dass der Kontext des nationalsozialistischen Völkermords an den Juden alle Maßstäbe einer wiederherstellenden Gerechtigkeit, wie sie dem Gedanken des zivilrechtlichen Schadensersatzes zugrunde liegt, sprengte.


Dr. Uwe Hartmann, Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg

Dr. Uwe Hartmann ist Leiter des Fachbereichs Pro­ve­ni­enz­for­schung am Deut­schen Zen­trum Kul­turgut­ver­lus­te. Dr. Hartmann erklärt, welche Formen der Förderung durch das Zentrum angeboten werden.


Prof. Dr. Guido Fackler, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Prof. Fackler erklärt, dass es von Anfang an ein Wichtiges Ziel war, sich nicht nur auf die NS-Raubkunst zu konzentrieren, sondern das inhaltliche Spektrum auf eine geographisch und zeitlich erweiterte Sammlungsforschung auszudehnen.


Prof. Dr. Meike Hopp, Juniorprofessur Digitale Provenienzforschung, Technische Universität Berlin

Erst durch eine systematische und standardisierte Erfassung von Daten und Informationen zu Objekten, Akteuren und Ereignissen können die eigentlichen Prozesse der Translokation von Kulturgut zielführend und auch länderübergreifend dokumentiert werden.


Mehr unter www.arbeitskreis-provenienzforschung.org