Arne Schmitt erhält den Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen 2018

Arne Schmitt, Träger des Kunstpreises der Böttcherstraße in Bremen 2018 Foto: Susanne Keichel

(Presseinformation) Die Jury des Kunstpreises der Böttcherstraße in Bremen spricht im Jahr 2018 Arne Schmitt den mit 30.000 Euro dotierten Preis zu. Die Preisverleihung ist am Sonntag, dem 23. September, um 11 Uhr in der Kunsthalle Bremen. Die Laudatio hält Eva Schmidt vom Museum für Gegenwartskunst Siegen. Die Werke des Preisträgers sowie der weiteren neun nominierten Künstlerinnen und Künstler sind noch bis zum 30. September in der Kunsthalle zu sehen.

Der Künstler Arne Schmitt (geboren 1984 in Mayen, lebt in Köln) präsentiert in der Kunsthalle Bremen das Werk „Der heiße Frieden“ (2017/18). Zeitgenössische Stadtansichten, neue Automodelle, Menschen in aktueller Kleidung: Arne Schmitt fotografierte in den letzten zwei Jahren Szenen aus Ludwigshafen.
Ihn beschäftigt nicht nur die Gestalt der Stadt und wie sie heute bewohnt wird, sondern auch ihre Entwicklung seit der Nachkriegszeit. Damals wurden viele Städte auf den neusten Stand der Technik ausgerichtet und als „autogerecht“ proklamiert – so auch Ludwigshafen.

Pfalzsaeule aus der Ausstellung „Der heiße Frieden“ Foto: © Arne Schmitt

Schmitt stellt seine eigenen Aufnahmen ausgewähltem Bild- und Filmmaterial aus dem BASF-Archiv gegenüber. Der riesige Chemiekonzern ging nach der NS-Zeit relativ unbescholten und finanziell gesichert aus der IG Farben hervor, die für die NS-Regierung das Giftgas Zyklon B herstellte. Das ausgestellte Bildmaterial stammt aus dem firmeneigenen Magazin BASF-Information und sollte die globale Expansion des Unternehmens bewerben. Mit der Globalisierung des Konzerns wurden die Investitionen in Ludwigshafen immer geringer, was am heutigen Zustand der Innenstadt zu erkennen ist. Schmitt nutzt gezielt das Medium der Schwarz-Weiß Fotografie und entwickelt im Kontrast zu den Archivbildern der BASF seine historisch kritische Perspektive aus der Gegenwart heraus. Seine Aufnahmen zeigen die Reste des Städtebaus der Nachkriegszeit, gesponsert von dem Chemiekonzern, dessen Bildsprache der Zukunft so maßgeblich zugewandt wie der Vergangenheit abgewandt war.

Die Begründung der Jury:

Installationsansicht Foto: Melanka Helms

„Die Jury entscheidet sich für Arne Schmitt. Das Werk mit dem Titel „Der heiße Frieden“ über die chemische Industrie und eine deutsche Stadt behandelt das Thema multinationale Wirtschaft und Globalisierung am Beispiel eines Unternehmens, das großen Einfluss auf eine urbane Entwicklung und ihre Kultur genommen hat. Die scharfe und dabei trockene Analyse, die Verwendung historischer Dokumente in Form von Bildern und Texten haben in den Augen der Jury höchste Aktualität. Es geht um die Archäologie der Ökonomie unserer Gegenwart.“

Die Mitglieder der Jury 2018 sind:

  • Dr. Sabine Breitwieser, seit 2013 Direktorin des Museum der Moderne in Salzburg, zuvor Gründungsdirektorin der Generali Foundation und Chefkuratorin im Museum of Modern Art in New York.
  • Fabrice Hergott, seit 2006 Direktor des Musée d’Art moderne de la Ville de Paris, zuvor Direktor der
    Musées de Strasbourg und Kurator für zeitgenössische Kunst am Centre Georges Pompidou.
  • Dr. Thomas Kellein, seit 2013 unabhängiger Kurator und Kunstberater in Berlin, zuvor Direktor der
    Kunsthalle Bielefeld und der Chinati Foundation in Marfa, Texas.
  • Adam Szymczyk, künstlerischer Leiter der documenta 14 (2017), zuvor Direktor der Kunsthalle Basel.
  • Susanne Titz, seit 2004 Direktorin Museum Abteiberg in Mönchengladbach, zuvor künstlerische Leiterin des Neuen Aachener Kunstvereins (NAK).

Für den Kunstpreis der Böttcherstraße 2018 nominiert und in der Ausstellung vertreten sind:

  • Heba Y. Amin (geboren 1980 in Kairo, Ägypten, lebt in Berlin) vorgeschlagen von Bettina Steinbrügge, Kunstverein Hamburg
  • Vajiko Chachkhiani (geboren 1985 in Tiflis, Georgien, lebt in Berlin) vorgeschlagen von Prof. Dr. Bernhart Schwenk, Pinakothek der Moderne, München
  • Alicia Frankovich (geboren 1980 in Neuseeland, lebt in Berlin) vorgeschlagen von Thomas D. Trummer, Kunsthaus Bregenz
  • Uwe Henneken (geboren 1974 in Paderborn, lebt in Berlin) vorgeschlagen von Prof. Dr. Christoph
    Grunenberg, Kunsthalle Bremen
  • Lawrence Lek (geboren 1982 in Frankfurt am Main, lebt in London) vorgeschlagen von Ellen Blumenstein, HafenCity, Hamburg,
  • Michael Müller (geboren 1970 in Ingelheim am Rhein, lebt in Berlin) vorgeschlagen von Johan Holten, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
  • Katharina Schilling (geboren 1984 in Köln, lebt in Leipzig) vorgeschlagen vom Stifterkreis des Kunstpreises der Böttcherstraße, Bremen
  • Arne Schmitt (geboren 1984 in Mayen, lebt in Köln) vorgeschlagen von Dr. Eva Schmidt, Museum für Gegenwartskunst, Siegen
  • Jeremy Shaw (geboren 1977 in North Vancouver, Kanada, lebt in Berlin) vorgeschlagen von Hans-Ulrich Obrist, Serpentine Gallery, London
  • Anne Speier (geboren 1977 in Frankfurt am Main, lebt in Wien) vorgeschlagen von Susanne Pfeffer, MMK Frankfurt

Der Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen
Seit über sechzig Jahren wird der Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen verliehen. Er zählt zu den anerkanntesten und mit 30.000 Euro Preisgeld am höchsten dotierten Auszeichnungen, die im Bereich der zeitgenössischen Kunst in Deutschland vergeben werden. Im Zweijahresrhythmus schlagen zehn angesehene Kuratoren und Kuratorinnen unabhängig voneinander je einen Künstler oder eine Künstlerin aus dem deutschsprachigen Raum vor. Die Wettbewerbsausstellung findet 2018 zum 46. Mal statt. Getragen wird der Kunstpreis seit 1985 vom Stifterkreis des Kunstvereins in Bremen. Dieser ermöglicht zudem den Ankauf eines Werks des jeweiligen Preisträgers. Der Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen hat sich im Lauf seiner Geschichte zum aussagekräftigen Stimmungsbarometer der internationalen Kunstszene entwickelt. In der Vergangenheit waren unter den Preisträgern und den vorgeschlagenen Künstlern zahlreiche Namen, die in den folgenden Jahren in der internationalen Kunstszene große Aufmerksamkeit erhielten.

Vorherige Preisträger des Kunstpreises der Böttcherstraße in Bremen

2016: Emeka Ogboh
2014: Nina Beier
2012: Daniel Knorr
2009: Thea Djordjadze
2007: Ulla von Brandenburg
2005: Clemens von Wedemeyer
2003: Tino Sehgal
2001: Heike Aumüller
1999: Olaf Nicolai
1997: Olafur Eliasson
1995: Wolfgang Tillmans
1993: Martin Honert
1991: Thomas Lehnerer
1989: Stephan Balkenhol
1987: Eberhard Bosslet
1985: Martin Disler