Der Alt-Right-Komplex – Über Rechtspopulismus im Netz

HMKV (Hartware MedienKunstVerein), Dortmund von 30. März -22. Sept. 2019

Bildnachweis: Ausstellungsplakat „Der Alt-Right-Komplex – Über Rechtspopulismus im Netz“, HMKV im Dortmunder U, 30.3. – 22.9.2019. Design: e o t . essays on typography

(Presseinformation) Die von Inke Arns (HMKV) kuratierte internationale Gruppenausstellung setzt sich mit Rechtspopulismen auseinander, die heute insbesondere das Internet und die „Sozialen Medien“ zur Verbreitung nutzen. Dabei zeichnet Der Alt-Right-Komplex die Entwicklung von einer (Sub-)Kultur der Transgression in Online-Foren wie 4chan bis hin zu Plattformen wie z.B. Breitbart News nach. Die Künstler*-innen beschäftigen sich mit Memes (z.B. Pepe der Frosch, dem wohl bekanntesten Symbol der Trump-Anhänger*innen), mit Figuren wie z.B. Steve Bannon, mit Flaggen-Verehrung, der Prepper-Szene, White Supremacists und Dark Enlightenment. Die Ausstellung wird von einem kritischen, mehr als 30 Einträge umfassenden Glossar begleitet, das die wichtigsten Begriffe kurz erklärt.

Der HMKV richtet seinen Blick mit dieser Ausstellung auf die sogenannte „Alt-Right“ (dt. „alternative Rechte“). Der Begriff erfuhr 2016 während der Präsidentschaftswahl in den USA große mediale Aufmerksamkeit. Alt-Right ist ein Sammelbegriff für diverse, untereinander lose vernetzte rechte bis rechtsextreme Gruppen und Ideologien. Den gemeinsamen Nenner bildet die Annahme, „die Identität“ der weißen, US-amerikanischen Bevölkerung sei, wahl- weise durch Einwanderung, Multikulturalismus, Islam, Juden, Feminismus, Minderheiten und soziale Gerechtigkeit fördernde Gesetzgebung sowie politische Korrektheit gefährdet und müsse verteidigt werden. Anhänger*innen der Alt-Right sind oft genug „White Supremacists“, Rechtsextremist*innen und Neonazis. Der Begriff Alt-Right ist umstritten, weil er genau diese Überzeugungen – Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus – zu verschleiern versucht.

Die Alt-Right ist jedoch nicht nur eine politische Bewegung, die eine Alternative zum konservativen rechten Establishment schaffen will. Vielmehr steht sie für einen regelrechten Kulturkampf. Die Alt-Right begann als eine ironiegetränkte neue rechte Internet-Subkultur, eine „seltsame Avantgarde aus jugendlichen Videospielern, unter Pseudonymen Hakenkreuze postenden Anime-Liebhabern, (…) antifeministischen Witzbolden, nerdigen Belästigern und Meme-fabrizierenden Trollen“. Diese Internet-Trolle waren – zunächst v.a. auf dem imageboard 4chan – auf „Lulz“ aus, also auf eine grenzüberschreitende Form des Schadenfreude-artigen Humors. „Lulz“ entstehen „durch das Provozieren von peinlichen, oftmals kompromittierenden Reaktionen“ bei ihren Kontrahent*innen. Die Trolle entdeckten, dass der beste Weg, um „Lulz“ zu generieren, der war, politisch inkorrekte Rhetorik und/oder Positionen zu vertreten und damit in bestehende Online-Gemeinschaften „einzufallen“ (z.B. Kommentarspalten zu bombardieren oder Social-Media-Gruppen zu fluten). Internet-Meme erwiesen sich hierfür als besonders geeignet.

Der Alt-Right-Komplex präsentiert zwölf Projekte von 16 Künstler*innen aus zwölf Ländern: aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Neuseeland, den Niederlanden, Österreich, Polen, Ungarn, Schweiz, Serbien und der Slowakei. In dieser Ausstellung sind unterschiedlichste künstlerische Medien zu sehen: Comics, Wandbilder, Videos, (Video-) Installationen, Poster zum Mitnehmen, Spielanleitungen, Netzkunst, Künstlerbücher, ein spekulatives Museum und eine Flaggenmaschine.

Teilnehmende Künstler*innen: Paula Bulling / Anne König (DE), Simon Denny (NZ), DISNOVATION.ORG (FR/PL), Vera Drebusch & Florian Egermann (DE), Dominic Gagnon (CA), Szabolcs KissPál (HU), Boris Ondreička (SK), Milo Rau, IIPM – International Institute of Political Murder (CH/DE), Vanja Smiljanić (SR), Jonas Staal (NL), Nick Thurston (GB), UBERMORGEN (CH/AT) .

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