Herzogin Anna Amalia Bibliothek startet Lehrbetrieb für brandgeschädigtes Schriftgut

Während des Brandes der Herzogin Anna Amalia Bibliothek am 2. September 2004 wurden 50.000 Bücher vernichtet. 118.000 beschädigte Bücher konnten geborgen werden. Nahezu alle Bücher, die Einbandschäden durch Feuer, Hitze und Löschwasser hatten, sind inzwischen restauriert worden. Die Restaurierungsaufträge wurden von 27 Werkstätten in ganz Europa ausgeführt. 25.000 Buchfragmente, die durch Feuer sehr schwer beschädigt aus dem Brandschutt geborgen wurden, hatten keine Einbände mehr. Hiervon können 15.000 Druckwerke und Musikhandschriften restauriert werden. Im Innern der mit Ascheschichten umhüllten Bücher finden sich in beträchtlichen Mengen Buchblöcke mit intakten Textspiegeln. Für die Stabilisierung und Restaurierung dieser sogenannten Aschebücher setzt die Herzogin Anna Amalia Bibliothek ein neu entwickeltes, für die Klassik Stiftung Weimar patentiertes Verfahren der Restaurierung großer Mengen stark beschädigter Papiere ein. Die Bearbeitung erfolgt blattweise. Seit 2008 wird dieses Mengenverfahren in der für diesen Zweck errichteten Restaurierungswerkstatt für brandgeschädigtes Schriftgut angewandt. Aus einer Menge von 7 Mio. geborgenen Blatt können bis 2028 1,5 Mio. Blatt gesichert und restauriert werden. Das Verfahren ermöglicht die Bearbeitung von 60.000 Blatt pro Jahr. Bis 2018 konnten bereits über 800.000 Blatt, also mehr als 50% dieser Schadensgruppe, restauriert werden. Ergebnis sind Bücher, in denen – mit einem funktionalen konservatorischen Einband versehen – wieder geblättert und gelesen werden kann.

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