Jüdisches Museum Wien erhält bedeutende Schenkung

Jüdisches Museum Wien, Foto (c) Sonja Bachmayer

(Presseinformation) Die Nachfahren der Familie Lieben, Miki und Ilan Karplus, übergaben dem Jüdischen Museum Wien, einem Unternehmen der Wien Holding, ein Konvolut an historischen Dokumenten der berühmten Ringstraßen-Familie Lieben.

Tagebücher und unveröffentlichte Gedichte

Die Schenkung an das Jüdische Museum Wien umfasst u.a. die Tagebücher des Unternehmers Leopold von Lieben und private Korrespondenzen aus dem Familien- und Verwandtschaftsverband. Ein weiteres Highlight der Schenkung stellen die bisher unveröffentlichten und handgeschriebene Gedichte von Leopold von Liebens Frau, Anna von Lieben, sowie ein im Eigenverlag herausgegebener Gedichtband dar.

Direktorin Danielle Spera betonte: „Für das Jüdische Museum Wien bedeutet diese Schenkung einen weiteren Meilenstein in der Erforschung von Wiener jüdischen Familiengeschichten. Die Liebens nahmen einen wichtigen Stellenwert in Wien ein. Von der Wissenschaft, über die Bankwelt bis zur Kultur, waren sie führend in der Gesellschaft vertreten. Ihr Einsatz für Wien und Österreich schützte sie allerdings nicht vor der Verfolgung, einige Familienmitglieder wurden von den Nazis ermordet. Die Schenkung ermöglicht uns, an das Schicksal der Familie Lieben zu erinnern“.

Eine der bedeutendsten Familien des Wiener Großbürgertums

Die Familie Lieben zählte zu den typischen Vertretern des großbürgerlichen, politisch liberal gesinnten Wiener Judentums. Aus der Familie gingen erfolgreiche Unternehmer und Bankiers, aber auch bedeutende WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen hervor. Neben dem Chemiker und Universitätsprofessor Aldolph Lieben, war es vor allem sein Neffe Robert von Lieben (1878-1913), Privatgelehrter und Erfinder der Verstärkerröhre, der in die Annalen der Wissenschaft einging.

Die Frauen der Familie Lieben führten Salons, in der die geistige und künstlerische Elite des Landes verkehrte: Die Schriftsteller Ferdinand von Saar, Franz Grillparzer, Eduard Bauernfeld und Hugo von Hofmannsthal, die Künstler Franz von Lenbach, Ludwig Michalek, Leopold Horowitz und zahlreiche österreichische und internationale Naturwissenschaftler gehörten zu den ständigen Gästen der Familie.

Auch die Entstehungsgeschichte der Psychoanalyse ist mit der Familie Lieben eng verbunden. Anna von Lieben, geborene Todesco, gehörte zu den ersten Patientinnen Sigmund Freuds. Einer ihrer Enkel, Karl von Motesiczky, wurde ein Schüler Wilhelm Reichs.

Anna von Lieben war mit Leopold von Lieben verheiratet, der ein erfolgreicher Unternehmer war und von 1848 an Zeit seines Lebens Tagebücher verfasste, die ein wertvolles Dokument zur Geschichte Wiens und der Wiener Jüdinnen und Juden darstellen.

Das Jüdische Museum Wien dankt Miki und Ilan Karplus, Urkenkel von Leopold und Anna von Lieben, für diese vertrauensvolle Schenkung. Ihr Großvater Heinrich Karplus wanderte gemeinsam mit seiner Frau Christl, geborene Hagleitner, noch vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1937 nach Palästina aus.

Mehr unter www.jmw.at