„Lady Bluetooth. Hedy Lamarr“ im Jüdischen Museum Wien

Würde Hedy Lamarr heute leben, wäre sie vielleicht eine Spitzenwissenschaftlerin geworden, die sich ihr Studium mit Modeln verdient hätte, um von ihren Eltern unabhängig zu sein.

Hedy Lamarr, USA 1939 © Anthony Loder Archive

(Presseinformation) Das Jüdische Museum Wien, ein Museum der Wien Holding, eröffnete am 27.11.2019 im Beisein zahlreicher Gäste die neue Ausstellung „Lady Bluetooth. Hedy Lamarr“, die bis 10. Mai 2020 im Museum Judenplatz zu sehen ist. Die Schau erzählt die verschiedenen Aspekte der facettenreichen Biografie von Hollywood-Schauspielerin und Erfinderin Hedy Lamarr und setzt einen besonderen Schwerpunkt auf ihre Lebensjahre in ihrer Geburtsstadt Wien.

Direktorin Danielle Spera und Rudolf Thienel, Präsident des Verwaltungsgerichtshofs, begrüßten die Gäste der gestrigen Ausstellungseröffnung im Festsaal des Verwaltungsgerichtshofs am Judenplatz. Danielle Spera betonte: „Im Jüdischen Museum Wien ist es uns ein Anliegen, jüdische Wiener Persönlichkeiten und Geschichten dem Vergessen zu entziehen. Wir widmen uns besonders auch der weiblichen Perspektive. Nach Ausstellungen zu jüdischen Künstlerinnen, Fotografinnen, Helena Rubinstein oder den Wiener Salonièren ist Hedy Lamarr für uns eine weitere wichtige Protagonistin. Heute kann sie durchaus in vielerlei Hinsicht als Pionierin für Emanzipation und Selbstbestimmung verstanden werden.“

Die Kuratorin Andrea Winklbauer gab einen Überblick zur neuen Ausstellung und ging auf die vielen Rollen ein, die Hedy Lamarr in ihrem Leben „spielte“ – von höherer Tochter über die schönste Frau der Welt bis zur Erfinderin. Grußworte zur Ausstellungseröffnung wurden von Michael Spiss, Direktor Raiffeisen Capital Management gesprochen. Anthony Loder, Sohn von Hedy Lamarr, sprach persönliche Worte über seine Mutter, die in ihren späten Jahren genug davon hatte als Schönheit zu gelten. Die feierliche Eröffnungsrede hielt Trevor D. Traina, Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika.

Neben Hedy Lamarrs Sohn, Anthony Loder, waren Gäste wie Ralf Beste, deutscher Botschafter, und Mordechai Rodgold, israelische Botschafter, anwesend und zeigten sich begeistert von der facettenreichen Ausstellung im Museum Judenplatz.

Geboren wurde Hedy Lamarr 1914 in Wien als Hedwig Kiesler, Tochter eines Bankdirektors und einer Konzertpianistin. Sie wurde zur strahlenden Filmgöttin, heiratete einen skandalumwitterten Waffenhändler und flüchtete aus einer Sklaverei-ähnlichen Ehe 1937 nach Hollywood. Aus der „schönsten Frau der Welt“ wurde im Lauf der Jahre eine exzentrische Diva und schließlich eine menschenscheue Einsiedlerin, die kaum noch ihre Wohnung verließ, damit niemand ihren Verfall sehen konnte. Dabei verdankt die Welt Hedy Lamarr eine der weitreichendsten Erfindungen, ohne die heute Mobiltelefonie, WLAN oder Bluetooth undenkbar wären. Das Frequenzsprungverfahren war ihre Idee, mit der sie zum Kriegserfolg der Alliierten gegen Nazi-Deutschland beitragen wollte.

Die wahre Tragik ihres glamourösen Lebens aber war, dass diese brillante, selbstbewusste Frau es nicht für möglich gehalten hatte, abseits der gängigen Geschlechterklischees eine moderne Rolle für sich selbst zu erfinden. Trotz zahlreicher Beteuerungen, dass sie sich als Österreicherin fühlte, kehrte Hedy Lamarr nie mehr zurück. In Wien ist sie allerdings begraben.

„Lady Bluetooth. Hedy Lamarr“ ist von 27. November 2019 bis 10. Mai 2020 im Museum Judenplatz (Jüdisches Museum Wien) zu sehen. Zu der von Andrea Winklbauer kuratierten und von Schubert und Schuberth gestalteten Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog zum Preis von 18€ im Eigenverlag mit zahlreichen Abbildungen.

Das Museum Judenplatz (Judenplatz 8, 1010 Wien) ist von Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr und freitags von 10 bis 14 Uhr (Winterzeit) bzw. 17 Uhr (Sommerzeit) geöffnet. Das Jüdische Museum Wien in der Dorotheergasse 11, 1010 Wien ist von Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Mehr unter www.jmw.at