Mathieu Kleyebe Abonnenc – Mefloquine Dreams im MMK 1

Mathieu Kleyebe Abonnenc, Sector IX B, 2015
Mathieu Kleyebe Abonnenc, Sector IX B, 2015
Filmstill, Courtesy of the Artist, © Mathieu Kleyebe Abonnenc

Der französische Künstler Mathieu Kleyebe Abonnenc ist Preisträger des 17. Baloise Kunst-Preises, der seit 1999 jedes Jahr an junge Künstlerinnen und Künstler verliehen wird. In diesem Rahmen wird die Arbeit des Preisträgers „Sector IX B” (2015) in einer Ausstellung im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main präsentiert und als Schenkung der Baloise Group in die Museumssammlung eingehen.
Mit dem Baloise Kunst-Preis ermöglicht die Baloise Group den jungen Preisträgern ihr Schaffen mit Hilfe des Preisgeldes weiterzuführen und bietet gleichzeitig mit den Ankäufen und entsprechenden Schenkungen eine Präsentations-Plattform.

Abonnenc erhielt den Preis für seine Werkgruppe, die im Kontext einer breit angelegten Forschung über eine Sammlung ethnografischer Objekte steht. Die Schenkung – der Film „Sector IX B“ (2015) – ist Teil dieser noch nicht abgeschlossenen Werkgruppe. Der Künstler entwickelt sein vielschichtiges Werk aus Film, Fotografie, Zeichnungen und Skulptur ausgehend von umfangreichen Recherchen zu Artefakten kolonialer und postkolonialer Geschichte. Diese dienen ihm als Repräsentanten für die komplexen globalen Verflechtungen und deren Auswirkungen auf die Konstruktion kultureller Identität.
Der im Zentrum seiner Präsentation im MMK 1 stehende Film wurde erstmals auf der 56. Venedig Biennale 2015 präsentiert. Er erzählt die fiktive Geschichte einer Ethnologin, die im Laufe ihrer Forschungen beginnt, die Grundbedingungen ihrer Disziplin in Frage zu stellen.

Abonnencs Interesse an diesem Thema geht zurück auf eine biografische Forschung über eine Sammlung ethnologischer Objekte seines Großvaters Émile Abonnenc, der 1931 in Gabon und Französisch-Guyana als Gesundheitsbeauftragter tätig war und dort ethnologische Objekte sammelte. Um die ethnografischen Sammlungen in der europäischen Heimat auszubauen, forderten die Verwaltungen der Kolonialmächte ihre in Übersee lebenden oder arbeitenden Bürgerinnen und Bürger dazu auf, Objekte für diese zu sammeln. Diese auf sehr unterschiedliche und häufig nicht mehr zu rekonstruierende Weise gesammelten Objekte befinden sich heute in vielen europäischen Museen. Ihr Weg in die Museumsbestände der Kolonialmächte provoziert somit unweigerlich die Frage, wie sehr der moderne, wissenschaftliche Erkenntnisgewinn mit der jeweiligen Kolonialherrschaft und ihren eigenen Interessen verknüpft war und durch diese gefördert wurde. Anhand visueller Analysen verschiedener kolonialer und postkolonialer Artefakte zeigt Abonnenc in seinem Werk die vielfältigen Beziehungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie zwischen persönlicher und kollektiver Geschichte auf.

Die Ausstellung wird gefördert von der Baloise Group