Nile Koetting: Hard in Organics – ZKM

Interview mit Nile Koetting über sein Werk »Hard in Organics« im Rahmen der Ausstellung »New Sensorium«

In der Installation »Hard in Organics« verwendet Nile Koetting Kris­talle, Video und Ton zur Darstellung von Beziehungen zwischen den verschiedenen Möglichkeiten, Körperhaftigkeit wahrzunehmen. Zu dieser Installation gehört auch das Video »Deep Signals« (2015), in dem wir in einem Rundfunksender aus der Zeit der ehemaligen DDR sechs Frauen bei der Untersuchung ihres Körpers beobachten. Durch ihre Ak­tionen erforschen sie einen unendlichen Horizont, der sich von einem zentralen Punkt aus radial ausdehnt, das heißt nicht in vertikalen Auf- und Abfahrten zwischen der oberen, göttlichen Ebene und der unteren, animalischen. Die im Umkreis des Videos ausgestellten Klangskulpturen – unter anderem ein Stück mit einem unter Strom gesetzten Kristall, einer aus zahlreichen Drucksensoren bestehenden Skulptur und einem unter Strom gesetzten Blatt Staniolpapier, auf das ein Liebesbrief Pierre Curies an Marie gedruckt ist – erzeugen eine ganze Klanglandschaft, die in den dramatischen und den musikalischen Raum vordringt.

Der italienische Philosoph Mario Perniola sagte: „Musik ist der Klang, der von der Anziehungsbewegung, der zu Dingen gewordenen Körper, entspringt.“ Die verzerrten Töne, die ständig aus diesen Me­dien dringen sowie die Schwerkraft ihrer Körper üben eine Anziehungs­kraft auf etwas aus und schlagen es in ihren Bann. Was ist ein Körper und wie kann Körperlichkeit in die Sprache an­derer Disziplinen übersetzt werden? Und wie kann sie nachhallen und „Musik“ erzeugen? »Hard in Organics« beschäftigt sich mit einer neuen Perspektive der Beziehung zwischen „organisch“ und „anorganisch“ und erzählt damit eine neue Geschichte lebender und nicht-lebender Wesen.

Interview with Nile Koetting about his artwork »Hard in Organics« in the context of the exhibition »New Sensorium«

Nile Koetting’s installation »Hard in Organics« uses crystals, video, and sound to reference relationships of ways to apprehend the body. Part of the installation is Koetting’s video piece »Deep Signals« (2015), showing six women on their respective voyages of body exploration, at a radio station once operated by the former German Democratic Republic. Their actions probe a never-ending horizon extending outward from a central point, as opposed to moving back and forth in vertical flights between an upper, divine level and a Iower, animal one. The sound sculptures exhibited around the video – which include a piece applying electrified crystal, a sculpture made out of numerous pressure sensors, and a sheet of electrified tin foil printed with one of Pierre Cu­rie’s love letters to Marie – generate an entire soundscape that merges into the theatrical and musical space.

The Italian philosopher Mario Perniola has stated: „Music, after all, is the sound generated from the movement of attraction of bodies be-come things. The distorted sounds constantly emanating from these mediums and the gravity of their bodies are attracting and mesmerizing something. What is body, and how can corporeality be translated into the language of other disciplines? And how can it resonate and generate „mu­sic“? »Hard in Organics« explores a new perspective on the relationship between „organic“ versus „inorganic“ and, by doing so, writes a new narrative of living and non-living beings.

Videodokumentation:

ZKM | Institut für Bildmedien

Kamera: Sarah Binder, Jonas Pickel, Rabea Rahmig, Christina Zartmann
Schnitt: Sarah Binder
Interview: Regina Hock