Sammlung Jablonka geht an die Albertina. Erste Ausstellung 2020

Rafael Jablonka und Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder Foto: © Albertina Museum Wien

(Presseinformation) Die Sammlung Jablonka ist eine der profiliertesten Sammlungen zur amerikanischen und deutschen Kunst der achtziger Jahre mit über 400 Werken. Die Sammlung umfasst Werke von Mike Kelley, Sherrie Levine, Michael Heizer, Eric Fischl, Philip Taaffe, Roni Horn, Francesco Clemente, Richard Deacon, Damien Hirst, Richard Avedon, Andreas Slominski und anderen wichtigen KünstlerInnen, mit denen Rafael Jablonka jahrelang gearbeitet, die er gezeigt und gesammelt hat. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Werk von Araki, der mit 240 Arbeiten vertreten ist.

Seit der deutsche Kunsthändler, Galerist und Ausstellungskurator 2017 seine Galerien in Deutschland endgültig geschlossen hat, haben sich vor allem deutsche Museen Hoffnungen auf diese kapitale Privatsammlung gemacht.

Dass die Wahl auf die ALBERTINA fiel, begründet Rafael Jablonka auch mit dem Standort Wien. Er hat sich aus mehreren Gründen für die ALBERTINA als sicheren Hafen für seine Sammlung entschieden. Wien liegt im Zentrum zwischen Polen, wo er geboren wurde, Deutschland und seinem Wohnsitz in der Schweiz.

„Ich wollte für die Künstler, von denen ich hoffe, dass sie in 30 oder 50 Jahren für die Menschen ebenso wichtig sein werden wie heute Picasso, das beste Museum, jedenfalls das richtige haben“, so Rafael Jablonka. Als ein traditionsreiches Museum hat die ALBERTINA in den letzten 250 Jahren viele Staatskrisen und die schrecklichsten Kriege überdauert. Heute ist die ALBERTINA als dynamisches Museen in Europa in einem Umbau begriffen. Rafael Jablonka möchte im Kleinen an diesen Veränderungen mitwirken, die heute die ganze Welt, die Gesellschaft und die Wirtschaft, ergriffen haben. Das lässt Museen nicht unberührt. Er glaubt, dass die ALBERTINA auf diesen Umbruch reagiert.

Klaus Albrecht Schröder, Generaldirektor der ALBERTINA, bestätigt diesen Befund: „Das Profil, die Erscheinung und der Aktionsradius der ALBERTINA mussten sich in den letzten beiden Jahrzehnten vollkommen verändern, weil sich das, was Kunstmuseen bewahren, sammeln und ausstellen, laufend seine Gestalt verändert.

Für den Generaldirektor, der erst vor wenigen Monaten für weitere fünf Jahre – und damit seit 1999 bereits zum fünften Mal – bestellt wurde, ist das Vertrauen Jablonkas eine Bestätigung seiner seit 20 Jahren verfolgten Wachstums- und Diversifikationsstrategie:

„Ein zentraler Punkt meiner letzten Bewerbung war die Gründung unseres zweiten Standorts in Wien: die ALBERTINA modern. Mit meiner abermaligen Berufung wurde nicht nur das Ziel meiner Museumsstrategie bestätigt, sondern auch der Anspruch Wiens unterstrichen, eine der führenden Städte für die Kunst unserer Zeit zu sein. Nach einer langen Phase der Stagnation der Museumslandschaft, in der sich Österreich auf den Lorbeeren ausgeruht hat, die noch in der Monarchie erworben wurden, wurde Wien seit der Jahrtausendwende mit Museumsgründungen vom Leopold Museum bis zum Belvedere 21, mit Neubauten, Umbauten und Modernisierungen wieder zu einer Kunstmetropole ersten Ranges.“

Die Rafael und Teresa Jablonka Stiftung

Rafael Jablonka hat seine Sammlung zuerst in eine Stiftung eingebracht. Die Stiftung sollte auch an einem Museum dauerhaft verankert sein, das sich um diese Kunstwerke auch noch in 100 Jahren kümmern kann. Die ALBERTINA ist so ein Museum, meint Rafael Jablonka.

Letztlich sei die Entscheidung, ob man seine Sammlung zum Beispiel in New York dem Guggenheim Museum, der Metropolitan Museum, dem MoMa oder dem Whitney-Museum hinterlässt, immer auch eine Bauchsache. Das könne Gott sei Dank jeder Sammler für sich selbst entscheiden.

Rafael Jablonka hat sich auch für die ALBERTINA entschieden, weil Rubens, Schiele, Picasso und Malewitsch in der Sammlung vertreten sind. Er glaubt, dass Museen dann am interessantesten sind, wenn sie Privatsammlungen integrieren und mit der Leidenschaft eines Sammlers agieren.

Klaus Albrecht Schröder ist sehr glücklich, dass es einmal mehr gelungen ist, eine bedeutende Sammlung für Österreich zu sichern: „Glücklicherweise gibt es heute weltweit immer mehr Sammler, die wie Peter Ludwig, Rudolf Leopold oder Herbert und Rita Batliner ihre Sammlungen als Vermächtnis Museen hinterlassen. Sammlungen sind als solche ein wertvolles Kulturgut mit einem hohen historischen Aussagewert. Darum sollte man sie auch nicht Politikern überlassen, die sie willkürlich teilen und zerreißen wollen. Die Stiftungskonstruktion bewahrt sie davor.“

Ein Sammlungszuwachs von 400 Werken

Die 400 Werke, die Rafael Jablonka jetzt der ALBERTINA übergeben hat, schließen dort wichtige Kapitel der jüngeren Kunstgeschichte. Man muss nun nicht mehr nach Los Angeles oder New York pilgern, um Mike Kelleys Visionen und Installationen der geheimnisumwobenen Stadt Kandor oder seine erschütternden, zu Monstern verknoteten Bündel aus Plüsch- und Stofftieren sehen zu können. Auch von Michael Heizer, dem Begründer der Land Art, besitzt die ALBERTINA nun sieben monumentale Skulpturen, denen man sonst nur in den USA begegnen kann. Auch die Fallen-Objekte von Andreas Slominski – von den kleineren Arbeiten der achtziger Jahre bis zu den jüngsten raumgreifenden Installationen – zählen für den Generaldirektor der ALBERTINA „zum Spannendsten, das die Kunst unserer Zeit hervorgebracht hat. Eric Fischl haben wir schon vor Jahren eine Ausstellung gewidmet. Jetzt zieht er dank Rafael Jablonka mit zwölf Gemälden der letzten 40 Jahre in die ALBERTINA und konfrontiert uns mit den Ängsten und Zwängen, mit der dunklen Seite der menschlichen Existenz. Und die Bedeutung, die die Arbeiten von Sherrie Levine für uns haben, kann ich gar nicht überschätzen. Ihre Kunst ist für ein Museum wie die ALBERTINA ein wichtiges Korrektiv, eine Warnung vor der kommerziellen Verdinglichung von ikonischen Kunstwerken, die deren Bedeutung im Schwulst untergehen lässt.“

Mit der von der Künstlerin ironisch Buddha genannten hochglanzpolierten Bronze nach Marcel Duchamps legendärer Fontaine unterläuft Sherrie Levine kritisch die überzogenen Zuschreibungen an Bedeutung einer dadaistischen Kunst, die einst frech und rebellisch sein wollte.

Die Sammlung Jablonka in der ALBERTINA

2020 wird die ALBERTINA die Sammlung Jablonka gleich in mehreren Ausstellungen des Stammhauses der Öffentlichkeit präsentieren. Den Anfang macht im Sommer Francesco Clemente, der italo-amerikanische Künstler und Begründer der Transavantgarde.

Während die ALBERTINA modern am Karlsplatz im Herbst 2020 Meisterwerke internationaler Kunst der Sammlung Essl ausstellt, zeigt das Stammhaus der ALBERTINA neben einer Modigliani-Retrospektive den jüngsten Sammlungszugang in einer groß angelegten Ausstellung.

Die Fotosammlung der ALBERTINA präsentiert 2021 aus der Sammlung Jablonka Nobiyoshi Araki, den berühmtesten lebenden japanischen Fotografen mit seiner wichtigen Serie Sentimental Journey von 1964.

Derzeit wird die Sammlung Jablonka von den verschiedenen Standorten in Europa nach Klosterneuburg in das neue Zentraldepot der ALBERTINA für Kunst der Gegenwart gebracht.

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