SITUATION #157: Indre Urbonaite, Flamingos, Moonrise and the Slippers, 2018

In der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie wird unser Blick zur Währung: Zunehmend wird er von grossen Unternehmen, die visuelle Informationen und Aufmerksamkeit über Medienplattformen und digitale Geräte verteilen, untersucht und verwertet. Mit Hilfe von Eye-Tracking-Geräten und -Software kann das, was unsere Aufmerksamkeit erregt und unsere Blicke lenkt, nachgezeichnet und analysiert, und unser individuelles und kollektives Blick-Verhalten für Werbezwecke und kommerzielle Anwendungen genutzt werden.

In Flamingos, Moonrise and the Slippers untersucht Indre Urbonaite dieses visuelle Kapital, in dem das Schauen zu einer lukrativen Arbeitsform geworden ist, und überführt es in eine abstrakt-poetische Form.

Anhand dreier Motive aus einer Bilddatenbank – ein Flamingo, der im Wasser spaziert, ein Mond, der über die Berge emporsteigt, und Pantoffeln auf einem goldenen Sandstrand – hat die Künstlerin in Zusammenarbeit mit der Eyetracking-Firma RealEye das Blickverhalten der Betrachter_innen dokumentiert. Was übrig bleibt, ist ein Bild unseres Blicks, der als verpixelte Spur die Aufmerksamkeitslogik unseres visuellen 21. Jahrhunderts gleichermassen kaschiert wie offenlegt.