Staatliche Museen zu Berlin erhalten bedeutende Werke von Max Beckmann und Hans Purrmann

Blick auf die Museumsinsel Berlin. v.v.n.h.: Bode-Museum, Pergamonmuseum, Alte Nationalgalerie, Neues Museum und Altes Museum; oben Dom am Lustgarten. Staatliche Museen zu Berlin. © bpk / DOM publishers, Juli 2009

Weitere Provenienzforschung zu den Werken angekündigt

(Presseinformation) Die Staatlichen Museen zu Berlin haben ein bedeutendes Konvolut aus zwei Gemälden, 46 Zeichnungen und 52 druckgraphischen Werken von Max Beckmann sowie einem Gemälde von Hans Purrmann für die Sammlungen der Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts erhalten. Die Arbeiten wurden durch letztwillige Verfügung der Kunsthistorikerin und Max Beckmann-Forscherin Barbara Malwine Auguste Göpel (1922 – 2017) den Staatlichen Museen zu Berlin mit dem Wunsch einer Präsentation in Berlin vermacht. Das Vermächtnis erfolgt durch Vermittlung von Eugen Blume, bis August 2016 langjähriger Leiter des Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, der in einem engen freundschaftlichen Verhältnis zu Barbara Göpel stand.

Bei den Beckmann-Gemälden handelt es sich um „Selbstbildnis in der Bar“ (1942) und „Bildnis Erhard Göpel“ (1944). Die in den Jahren 19001947 entstandenen Zeichnungen – darunter Szenen von Beckmanns Frontdienst im Ersten Weltkrieg und Porträts des Künstlers, seiner zweiten Frau Quappi oder des Kunsthändlers Gottlieb Friedrich Reber – fungieren teilweise als Vorstudien bekannter Gemälde. Die druckgraphischen Arbeiten umfassen 52 Einzelblätter, die sich als Dauerleihgaben Barbara Göpels bereits seit den 1990erJahren im Bestand des Kupferstichkabinetts befanden. Das Hans Purrmann-Gemälde „Landschaft (Häuser und Mauern in Porto d’Ischia)“ stammt aus dem Jahr 1955.

„Dank der Schenkung von Barbara Göpel sind die Staatlichen Museen zu Berlin nunmehr in der glücklichen Lage, einen beeindruckenden Schatz an Werken Max Beckmanns zu versammeln“, so Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. „Die Werke ergänzen in kongenialer Weise den weltberühmten Bestand der Klassischen Moderne in den Berliner Museen.“ Holm Bevers, kommissarischer Direktor des Kupferstichkabinetts, führt fort: „Für das Kupferstichkabinett, das bislang nur über sechs Zeichnungen verfügte, sind die neu hinzugekommen Beckmann-Werke eine überraschende und ungemein bedeutende Bereicherung.“ „Max Beckmann ist ein Schwerpunkt der Sammlung der Nationalgalerie, der nun entscheidend verstärkt wird“, so Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie. „Insbesondere das »Selbstbildnis in der Bar« ist ein wichtiger Zuwachs, denn es ersetzt Beckmanns »Selbstbildnis im Smoking«, das 1937 als »entartet« aus der Sammlung der Nationalgalerie beschlagnahmt wurde und sich heute in US-amerikanischem Museumsbesitz befindet. Das Porträt Erhard Göpels ist ein Beleg dafür, dass es im Nationalsozialismus nicht nur Schwarz und Weiß, sondern zahllose Graustufen gab. Wir haben dies kürzlich in unserer Ausstellung »Die schwarzen Jahre. Geschichten einer Sammlung. 1933 – 1945« dokumentiert und werden diese politische Dimension der Kunst auch künftig in der Nationalgalerie thematisieren.“

Barbara Göpel war die Witwe des Kunsthistorikers Dr. Erhard Göpel (1906 – 1966), dessen Rolle im Nationalsozialismus zutiefst ambivalent erscheint: Zwar seit Februar 1942 für den „Sonderauftrag Linz“ aktiv am NS-Kunstraub beteiligt, schützte Göpel zugleich seinen als „entartet“ diffamierten Künstlerfreund Max Beckmann vor dem Zugriff der Nationalsozialisten und machte sich nach 1945 mit seiner Gattin in der Forschung zur Kunst der Klassischen Moderne und zum Werk Beckmanns und Purrmanns verdient.

Den Staatlichen Museen zu Berlin kommt bei der Annahme des Vermächtnisses eine moralischethische Verantwortung zu: Zwar ergab die eingehende Prüfung des Zentralarchivs bei allen vermachten Arbeiten keinen konkreten Verdacht auf Raubkunst; viele der Werke erwarb Göpel direkt von den Künstlern. Da sich eine lückenlose Provenienzklärung gerade für Arbeiten auf Papier in vielen Fällen aber als schwierig gestaltet, sehen sich die Staatlichen Museen zu Berlin auch weiterhin zu einer sorgfältigen Provenzienzforschung und einem kritischen Umgang mit dem Erbe gemäß der Washingtoner Prinzipien verpflichtet. Die vermachten Werke werden alsbald in einer gemeinsamen Sonderausstellung der Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts öffentlich präsentiert, die auch die Biographie Erhard Göpels thematisieren wird.

Beitrag kommentrieren